14.06.2019

Winzer gehen optimistisch in die spannendste Zeit des Jahres

In vielen Weinbergen ist die Rebblüte in vollem Gange – Pflanzenschutz soll trotz Pilz-Gefahr so gering wie möglich gehalten werden

Schriesheim. (fjm) Max Jäck stoppt seinen Traktor. "Der ist leider relativ mäßig schallgedämmt", sagt er. Wie seine Winzerkollegen ist Jäck in diesen Tagen häufig in seinen Weinbergen unterwegs, am Donnerstagvormittag bringt er Pflanzenschutzmittel zwischen den Rebzeilen aus. Es hat geregnet, aus den Blüten entwickeln sich die ersten Trauben - perfekte Bedingungen für Pilzbefall, den die Winzer möglichst vermeiden wollen.

"Der Juni ist der spannendste Monat des Jahres", sagt Jäck. In vielerlei Hinsicht werden in dieser Zeit die Weichen für den kommenden Jahrgang gestellt. "Man muss jetzt den richtigen Zeitpunkt finden, um den Pflanzenschutz auszubringen." Je aufmerksamer der Winzer desto geringer die für die Weinberge nötige Menge an Fungiziden.

"Den Winzern geht es bedingt gut", lautet dementsprechend die Statusmeldung von Winfried Krämer. "Arbeit gibt es im Moment genug." Durch das zuletzt kühle Wetter hatte sich die Blüte noch verzögert, doch jetzt geht es in den Weinbergen rund. "Wer längere Zeit keine Behandlung mit Pflanzenschutz gemacht hat, sollte das jetzt tun", sagt der Aufsichtsratschef der Winzergenossenschaft. "Wenn man das vorbeugend erledigt, muss man weniger Mittel benutzen."

Das gilt auch für Georg Bielig, der inzwischen allerdings auf ökologische Pflanzenschutzmittel umgestiegen ist. "Es ist eine arbeitsreiche Zeit", sagt er. "Aber es macht auch viel Spaß." Jeden Tag sei er jetzt in den Weinbergen unterwegs: "Das ist ganz elementar, wir müssen gezielt nach Krankheiten suchen." Neben der Peronospora, auch Falscher Mehltau genannt, ist das Oidium, der Echte Mehltau, derzeit eine Gefahr für die Trauben.

Doch Schriesheims Winzer sind optimistisch: Die Bestände sind gesund, die Schäden durch einzelne späte Frostnächte minimal, der Wasservorrat im Boden nach dem dürren Sommer 2018 wieder etwas aufgefüllt. Im April sei zwar schon spekuliert worden, ob dem Land wieder ein Rekordsommer bevorstünde, sagt Winfried Krämer. "Aber in der Natur wiederholt sich nichts eins zu eins." Auch nicht der Lesebeginn: Der liegt laut Faustregel rund 100 Tage nach der Blüte. "Also ungefähr am 16. September", sagt Georg Bielig, "und damit ein bisschen später als 2018".

Mit den ersten Weinen der vergangenen Lese sind die Winzer ziemlich zufrieden. "Sehr stimmig", "überwiegend gut", "Weißweine mit schöner Frucht", lauten die Urteile. Doch die eigentlichen Profiteure des heißen Sommers lassen größtenteils noch auf sich warten: die Rotweine. "Für die war es ein hervorragendes Jahr", sagt Max Jäck. "Sie lassen ganz Großes vermuten", bestätigt Georg Bielig. Die meisten reifen allerdings noch in Ruhe in Eichenfässern, Weinliebhaber müssen sich diesbezüglich also noch gedulden. Vorfreude verspürt aber auch Winfried Krämer: "Wir haben da noch einige Gute in der Pipeline."

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung