15.06.2019

Damit das Wetter die Tafel nicht stoppt

Deutsches Rotes Kreuz will nach Ausfall eines Kühlfahrzeugs eine stationäre Ausgabe - Doch die Suche nach Räumen könnte länger dauern

Von Frederick Mersi

Schriesheim. "Wir gucken gerade auf den Wetterbericht", sagt Hubert Mitsch. "Bis 25 Grad nehme ich es auf meine Kappe." Seit einem Motorschaden am Kühlfahrzeug im Dezember kann er nicht mehr verbindlich planen, ob die mobile Tafel am Donnerstagmittag in Schriesheim Station machen kann oder nicht. "Für morgen sieht es aber im Moment gut aus", sagt Mitsch.

Tatsächlich lassen es die Temperaturen am Folgetag zu, dass die ehrenamtlichen Helfer des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) an der Turnhalle der Strahlenberger Grundschule Lebensmittel mit nahendem Haltbarkeitsdatum zu vergünstigten Preisen verkaufen. 2014 hatte der DRK-Kreisverband Mannheim, der die Tafel betreibt, die Weinstadt als Verkaufsstation aufgenommen, vor allem wegen geflüchteter Familien. Seitdem ist die Zahl der Kunden stetig gewachsen.

Reparaturkosten lägen bei rund 9000 Euro

"Deswegen wäre es sinnvoll, jetzt für die nächsten zehn Jahre zu planen", sagt Tafelleiter Mitsch. Sein Wunsch: ein stationärer Verkauf in Schriesheim. "Dann müssten die Kunden auch nicht mehr bei Wind und Wetter im Freien stehen", sagt der Tafel-Leiter. Außerdem würde sich das DRK die Kosten von etwa 9000 Euro für die Reparatur des Kühlwagens sparen. "Das ist eine Menge Geld für zwei Fahrten pro Woche nach Schriesheim", sagt Mitsch.

Mit der Idee einer festen Ausgabestelle kamen Mitsch und Christiane Springer, Geschäftsführerin des DRK-Kreisverbands, schon im April auf die Stadtverwaltung zu. "Ich habe seitdem keine Rückmeldung bekommen", sagt Mitsch. "Die Stadt sollte sich aber überlegen, ob sie den Schritt zu festen Räumlichkeiten machen will." Ein idealer Standort wäre aus seiner Sicht der Second-Hand-Laden des DRK in der Heidelberger Straße. "Allerdings weiß ich überhaupt nicht, ob das klappen würde."

Für eine Tafel-Ausgabe müsste der Raum zum Beispiel groß genug sein und gekühlte Lagermöglichkeiten bieten. Denn die Mannheimer Tafel darf in Schriesheimer Supermärkten keine Lebensmittel sammeln, da diese ihre Produkte bereits an andere Einrichtungen weitergeben. Also fuhr das Rote Kreuz die Lebensmittel regelmäßig von Mannheim nach Schriesheim - bis das Kühlfahrzeug den Dienst versagte. Seit Dezember ist die Ausgabe wetterabhängig.

Barbara Schenk-Zitsch, die Bürgermeister Hansjörg Höfer während dessen Urlaub vertritt, bestätigt die Anfrage des DRK. "Wir sind damit nicht an die Öffentlichkeit gegangen, weil wir erst den Gemeinderat unterrichten wollten", sagt sie. Deshalb habe man dem Roten Kreuz auch noch keine Zusage gegeben. Die Stadt sei zwar auf der Suche nach geeigneten Räumen, diese gestalte sich allerdings schwierig. "Das wird noch einige Zeit dauern", so Schenk-Zitsch.

Die Grünen-Stadträtin hatte nach der Nachricht vom Motoren-Versagen des DRK-Kühlfahrzeugs auch einen Spendenaufruf des Sozialamts für die Reparatur gestartet. Die könnte mit einer festen Ausgabe hinfällig werden. "Das Geld, das bereits gesammelt wurde, könnten wir in Abstimmung mit den Spendern aber für die Einrichtung des stationären Verkaufs nutzen", sagt Mitsch.

Das letzte Wort zu dem Vorschlag einer festen Ausgabestelle werde der Gemeinderat haben, sagt Bürgermeister-Stellvertreterin Schenk-Zitsch. "Wir müssten dann auch eine Kostenaufstellung vorstellen. Es gibt da noch einige Fragezeichen, aber ich halte das generell für eine gute Idee." Bis dahin wird Mitsch montags und mittwochs wohl weiter besonders auf die Wettervorhersage achten müssen. "Ich sehe momentan keine andere Möglichkeit", sagt er. "Das tut mir vor allem um die Sozialhilfeempfänger leid."

Hintergrund
Was hinter dem mobilen Verkauf steckt

Seit 2014 macht die mobile Tafel des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) regelmäßig in Schriesheim Station. Doch wer ist für den Verkauf verantwortlich? Wer darf dort Lebensmittel erwerben? Und warum werden diese aus Mannheim angeliefert? Die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick:

Wer ist für die Tafel verantwortlich? Die Läden gehören zum Verein "Die Tafel" mit Hauptsitz in Berlin. Die Vereine organisieren den Verkauf teilweise selbstständig, zum Teil kooperieren sie mit anderen Organisationen. Die Tafel Mannheim, zu der auch der mobile Verkauf in Schriesheim gehört, liegt in Trägerschaft des DRK. In Weinheim ist die Caritas für die Tafel verantwortlich.

Woher kommen die Lebensmittel? Die Tafel Mannheim ist in Supermärkten in Reilingen, Neulußheim, Mannheim und Hockenheim unterwegs und sammelt dort Produkte, die nicht mehr lang haltbar sind. Diese werden kontrolliert, sortiert und an die Läden geliefert, auch nach Schriesheim. Das DRK übernimmt außerdem als regionales Logistik-Zentrum die Verteilung von großen Lebensmittel- oder Materialspenden in der Metropolregion an 18 Tafeln. An der Bergstraße sammeln andere Tafeln und Träger in den Supermärkten.

Was wird verkauft? Eine Tafel bietet, was sie von ihren Spendern bekommt: Obst und Gemüse, aber auch abgepackte Ware und Milchprodukte. Vor allem für Letztere ist eine ununterbrochene Kühlkette notwendig. Der Preis im Tafelverkauf beträgt laut DRK maximal ein Drittel dessen, was Kunden im Supermarkt für die Ware zahlen würden.

Wer darf bei der Tafel einkaufen? Kunden müssen einen "Tafel-Ausweis" besitzen; den wiederum gibt es nur für Hartz-IV-Empfänger, Studenten, Asylbewerber und Menschen mit nachgewiesenermaßen geringem Einkommen. Die Ausweise können direkt bei den Tafelläden bei Vorlage entsprechender nachweise ausgegeben werden.

Warum gibt es in Schriesheim keine stationäre Tafel? Schon bei der Einrichtung 2014 kam vom DRK der Wunsch, Räume für den Verkauf zu finden. In anderen Gemeinden wie Edingen-Neckarhausen hat das funktioniert. Entsprechende Aufrufe wurden auch in der RNZ veröffentlicht. Tafelleiter Hubert Mitsch sprach damals bereits von zwei Angeboten in der Kernstadt, doch nur für den Second-Hand-Laden des Roten Kreuzes fand sich tatsächlich eine Unterkunft in der Heidelberger Straße. Erst durch einen Motorschaden am DRK-Kühlfahrzeug im Dezember wurde der Bedarf wieder offenbar.

Wie kann man helfen? Das Deutsche Rote Kreuz freut sich über die Hilfe von ehrenamtlichen Verkäufern. Diese müssen zuvor lediglich eine Hygieneschulung absolvieren. Auch im Second-Hand-Laden des DRK ist eine Mithilfe im Verkauf möglich, einige Mitglieder des Arbeitskreises Schriesheimer Senioren engagieren sich dort seit Jahren. Ansprechpartnerin beim für Ehrenamtliche beim DRK ist Saskia Bachner, unter Tel. 0621/3218136 oder per Mail an Ehrenamt@DRK-Mannheim.de.

Info: Die mobile Tafel macht dienstags und donnerstags, jeweils von 13 bis 15 Uhr, an der Turnhalle der Strahlenberger Grundschule Station - wenn die Temperaturen es zulassen. Mehr Informationen gibt es beim Deutschen Roten Kreuz unter Tel. 0621/3218123. (fjm)

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung

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