18.06.2019

Schriesheim-Altenbach: Kraus will trotz Kritik Ortsvorsteher bleiben

Knappe Mehrheit wohl sicher - Grüne Liste verzichtet auf Vorschlag

Von Frederick Mersi

Schriesheim-Altenbach. 63 Stimmen könnten letztlich den Ausschlag geben: Dass sich Herbert Kraus berechtigte Hoffnungen darauf machen darf, am Dienstag, 25. Juni, für weitere fünf Jahre zum Altenbacher Ortsvorsteher gewählt zu werden, liegt auch an der hauchdünnen Mehrheit, die seine Freien Wähler bei der Kommunalwahl am 26. Mai behielten. Die Grüne Liste Altenbach (GLA) legte zwar deutlich zu, holte letztlich aber 0,6 Prozent weniger Stimmen und verzichtet deshalb darauf, einen eigenen Kandidaten ins Rennen um den Chefposten in der Verwaltungsstelle zu schicken. Das geht aus einer Pressemitteilung der Fraktion hervor.

An Kritik spart die GLA trotzdem nicht. "Wir sind nach wie vor der Meinung, dass wir mit Christian Wolf einen kompetenteren und durchsetzungsfähigeren Ortsvorsteher hätten, der auch im Gemeinderat Gewicht hat", heißt es in dem von den künftigen Ortschaftsrätinnen Suzanne Epp, Heike Lukhaup und Sabine Stern unterzeichneten Schreiben. Vor der Ortschaftsratswahl habe man den Eindruck gehabt, es gebe eine "Wechselstimmung" im Ortsteil: "Wo man auch hinhörte: Es gab Kritik am Ortsvorsteher, dass er sich nicht genügend um die Anliegen der Bürger kümmere."

Auch wenn die Grüne Liste künftig genauso viele Ortschaftsräte wie die Freien Wähler stellen wird (vier), werde man den prozentualen Vorsprung akzeptieren müssen. "Bei gleicher Fraktionsstärke könnte man eigentlich darüber nachdenken, einen eigenen Kandidaten aufzustellen", sagte Christian Wolf am Montag auf Nachfrage. "Wir wurden auch dazu gedrängt, aber das macht keinen Sinn." Das wolle seine Fraktion den Wählern mit der Pressemitteilung erklären. Hoffnungen macht sich Wolf allerdings nach wie vor darauf, Kraus’ Stellvertreter zu werden. Bisher war dies CDU-Ortschaftsrat Karl Reidinger.

Ortsvorsteher Kraus selbst reagierte am Montag scharf auf die Vorwürfe der Grünen Liste: "Darauf bin ich stolz, es wäre schlimm, wenn ich von den Grünen gelobt würde." Er könne auch nicht sehen, wo er in den vergangenen fünf Jahren Fehler gemacht habe. Stattdessen zählte Kraus erfolgreiche Projekte auf, die er eingebracht oder maßgeblich mitgetragen habe: die Bebauung an der Fichtenstraße, den Ausbau schneller Internetverbindungen, das geplante naturnahe Grabfeld auf dem Friedhof sowie die anstehende Sanierung der dortigen Kapelle. "Natürlich" wolle er deshalb sein Amt weiter ausführen: "Ich gehe davon aus, dass ich dafür auch Unterstützung bekomme."

Eng könnte es für ihn in der ersten Sitzung des neu zusammengesetzten Ortschaftsrats trotzdem werden: Freie Wähler und Grüne Liste holten bei den Kommunalwahlen jeweils vier Mandate, CDU und SPD stellen jeweils einen Vertreter. Kraus braucht also die Unterstützung von Christdemokrat Karl Reidinger und Sozialdemokratin Karin Malmberg-Weber, um wiedergewählt zu werden. Beide hatten schon 2014 für ihn gestimmt, als die Grüne Liste Christian Wolf noch offiziell als Gegenkandidaten aufgestellt hatte. Beide äußern jedoch auch Kritik.

"Die Bevölkerung ist nicht sehr zufrieden mit seiner Arbeit", sagt Malmberg-Weber. "Ich habe ihm das auch schon persönlich so gesagt." Dennoch werde sie am Dienstag für Kraus stimmen: "Die Freien Wähler sind die stärkste Fraktion, wenn auch mit 0,6 Prozent, und Herr Kraus hat etwa 200 Stimmen mehr erhalten als Herr Wolf." Das müsse man respektieren. "Vielleicht müssen wir uns bezüglich der Kritik aus der Bevölkerung auch an die eigene Nase fassen", so Malmberg-Weber. "Wir müssen als Gremium selbst aktiver werden und uns weniger auf die Verwaltung verlassen."

Karl Reidinger kann die Kritik an Kraus ebenfalls teilweise nachvollziehen: "Er hätte sich gerade gegenüber den Vereinen mehr öffnen können." Letztendlich gehe es aber darum, für Altenbach etwas zu erreichen. "In der Konstellation würde ich Herrn Kraus meine Zustimmung nicht verweigern", so Reidinger.

Das letzte Wort hat in dieser Angelegenheit jedoch der Gemeinderat: Der Altenbacher Ortschaftsrat hat lediglich das Recht einen Ortsvorsteher vorzuschlagen, gewählt wird er aber im Schriesheimer Rathaus. Ein Votum gegen die Mehrheit des Ortschaftsrates - sei sie auch knapp - gilt aber als unwahrscheinlich.

Info: Öffentliche Sitzungen des Ortschaftsrats, Dienstag, 25. Juni, von 19 Uhr an in der Verwaltungsstelle Altenbach mit Verabschiedungen und Ehrungen von Markus Zwaller und Daniel Hermann, Verpflichtung der neuen Ortschaftsräte und Wahl des vorgeschlagenen Ortsvorstehers sowie seines Stellvertreters.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung

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