20.06.2019

"Heidelberg Historic": Das ist eins der wenigen Frauen-Teams der Oldtimer-Rallye

Tanja Vögele und Sissi Brandt treten mit ihrem Jaguar E-Type an

Von Frederick Mersi

Schriesheim. "Ich kann jetzt nicht alles aus ihm herausholen, er ist ja noch kalt", sagt Tanja Vögele, während die Tachonadel langsam über die große 60 klettert. Viel schneller dürfte die Schriesheimerin mit dem roten Klassiker, in dem Kult-Agent Jerry Cotton in den Sechzigerjahren über die Kinoleinwände sauste, auf der Bundesstraße B3 zwischen Dossenheim und Schriesheim auch gar nicht fahren. Die richtige Geschwindigkeit zu halten, ist für die 51-Jährige aber kein Problem: Sie ist die Fahrerin eines der wenigen Frauen-Teams bei der Oldtimer-Rallye "Heidelberg Historic".

Ihr Lieblingswagen: ein Jaguar E-Type Serie 1,5. Sechs Zylinder, 269 PS, Höchstgeschwindigkeit von fast 240 Kilometer pro Stunde. Die Windschutzscheibe säumen Teilnehmerplaketten der "Heidelberg Historic" und der "Eber-Rallye". Vor dem Beifahrersitz sind gleich mehrere mechanische Instrumente angebracht, die im laufenden Betrieb eifrig vor sich hinklackern. Was Laien unübersichtlich erscheint, hat Sissi Brandt trotz Ungenauigkeiten der Messsysteme inzwischen weitgehend entschlüsselt: Die Mannheimerin ist Vögeles Beifahrerin und Navigatorin beim Rallye-Fahren.

Zu Oldtimern kamen beide durch ihre Männer, mit ihnen in einem Auto fahren wollten sie aber lieber nicht. "Axel hat gleich gesagt, mit Dir fahre ich nicht, ich habe keine Lust auf Scheidung", sagt Vögele und lacht. "Es ist ja schon im Alltag nicht leicht, als Ehepaar richtig zu navigieren und zu fahren", erklärt Brandt. "Bei der Rallye hat man zusätzlichen Zeitdruck, da gibt es schon Konfliktpotenzial." Also taten sich die Frauen zusammen, mit einem alles übergeordneten Ziel: "Die Männer zu schlagen", sagt Brandt und lacht.

Als Frauen-Duo sind sie bei der "Heidelberg Historic" in der absoluten Minderheit: Von 200 gemeldeten Teams waren zuletzt nur fünf weiblich. Für die gibt es aber eine eigene Wertung. "Klar kommen dann manchmal Sprüche, dass die Männer doch auch einen eigenen Pokal haben sollten", sagt Brand. "Viele finden es aber einfach toll, dass wir teilnehmen." Beim ersten Mal musste sich Vögele zwar wegen der vielen Nachfragen zum Jaguar noch bei ihrem Mann erkundigen, der im Nebenerwerb Oldtimer an- und verkauft. "Aber inzwischen kenne und liebe ich den Jaguar", sagt Vögele. Das Gleiche gelte für die "Heidelberg Historic": "Wir nehmen uns jedes Jahr vor, mal was Anderes zu machen - und am Ende sind wir doch dabei."

Die Strecke zu meistern, war dabei längst nicht immer leicht - weder für die Fahrerinnen noch für den Jaguar. "Am Anfang haben wir einige Fehler gemacht", sagt Brandt. Der Kilometerzähler war nicht richtig eingestellt, eine Abfahrt wurde verpasst oder das Auto selbst gab den Geist auf. "Wir haben den Wagen dann während der Rallye wechseln müssen, womit wir natürlich aus der Wertung gefallen sind", erzählt Vögele.

Steigen die Temperaturen, kann es zudem auf den schwarzen Ledersitzen und im Fußraum schnell unangenehm heiß werden. "Und nach der Rallye hat man vom Lenken auch mal Schwielen an den Händen", sagt Vögele. Dennoch helfe das Fahren, den Kopf frei zu bekommen - von der Erziehung der vier Kinder (Vögele) oder von der Leitung eines Modegeschäfts am Frankfurter Flughafen (Brandt). Auf digitale Geräte zur besseren Zeiterfassung verzichten die beiden aber: "Damit bleibt es immer eine Wundertüte", sagt Brandt.

Info: Die nächste Möglichkeit, die Oldtimer der "Heidelberg Historic" zu bewundern ist am Freitag, 12. Juli, zur Mittagspause am Automuseum Dr. Carl Benz in Ladenburg. Mehr Informationen gibt es im Internet unter www.heidelberg-historic.de

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung