21.06.2019

KSV Schriesheim startet in der Deutschen Ringerliga

Als sechstes Team aufgenommen - Tanz auf zwei Hochzeiten

Von Claus Weber

Schriesheim. Das Handy von Marc Hartmann gab gestern keine Ruhe. Der Abteilungsleiter des KSV Schriesheim musste viele Anfragen beantworten. Der Grund: Die Deutsche Ringer-Liga (DRL) hatte auf ihrer Homepage vermeldet, dass die Ringer von der Bergstraße als sechster Verein in die abtrünnige deutsche Spitzenklasse einsteigen werden.

Am liebsten hätte sich Hartmann gar nicht dazu geäußert. In den nächsten Tagen wollte er das Vorgehen mit seinen Vorstandskollegen besprechen und erst übernächste Woche soll in einer Pressekonferenz das neue Ringer-Team vorgestellt und über eine mögliche Beteiligung der KSV-Athleten an der Deutschen Ringer-Liga informiert werden.

Denn wie die RNZ erfuhr, wollen die Schriesheimer kein Vollmitglied werden. Vielmehr soll die KSV-Mannschaft weiterhin in der Regionalliga, also der zweithöchsten Klasse des Deutschen Ringer-Bundes (DRB), antreten und lediglich in die DRL „hineinzuschnuppern“.

Die Idee, die dahinter steckt: An der Bergstraße soll wieder Ringsport auf höchstem Niveau zu sehen sein. So wie zwischen 2013 und 2015, als der KSV schon einmal drei Jahre lang der Bundesliga angehörte, ehe er sein Team aus sportlichen und finanziellen Gründen zurückzog.

2017 wurde vom SV Weingarten und KSV Ispringen (beide Nordbaden), VfK Schifferstadt (Pfalz), ASV Nendingen (Württemberg) und KAV Mansfelder Land (Sachsen-Anhalt) die Deutsche Ringer-Liga gegründet. Die fünf deutschen Spitzenklubs fühlten sich vom Dachverband DRB bevormundet und schlecht vermarktet.

Dass der KSV Schriesheim nun Interesse an der DRL zeigt, hat für große Wellen gesorgt. Dabei, so erfuhr die RNZ, sollen die Schriesheimer lediglich zwei Auswärts- und zwei Heimkämpfe in der DRL bestreiten. Quasi außer Konkurrenz, als Art Testversuch, der bei Gefallen in der Saison darauf ausgebaut, bei Nichtgefallen aber auch wieder eingestellt werden kann.

Und zwar mit der Schriesheimer Regionalliga-Mannschaft, die speziell für diese wenigen Kämpfe mit internationalen Spitzenringern verstärkt werden soll. Der KSV könnte sich dabei aus einer Art Athleten-Pool der DRL bedienen, auch bei der Finanzierung dürfte ein Sponsorenpool der DRL behilflich sein.

Bislang war der Tanz auf zwei Hochzeiten nicht möglich, weil der Deutsche Ringer-Bund Athleten, die in der DRL antraten, mit einer Sperre belegte. Ihre Ergebnisse in den DRB-Ligen wurden nachträglich gestrichen. Diese Hürde hat die Deutsche Ringer-Liga nun fallen sehen.

Eine Anfrage der Rhein-Neckar-Zeitung bei Hardy Stüber, dem Sportreferenten des Nordbadischen Ringer-Verbandes und Staffelleiter der Regionalliga Südwest, ergab allerdings ein anderes Bild. Der Deutsche Ringer-Bund, so Stüber, will gegen ein Doppelstartrecht weiterhin vorgehen. Möglicherweise müssen also noch einmal die Gerichte bemüht werden.

Wie der KSV Schriesheim die Teilnahme an der DRL organisieren will, auch darüber soll die Pressekonferenz am 6. Juli informieren, zu der am Freitag offiziell eingeladen wurde.

Wie die RNZ schon jetzt erfuhr, hat sich der KSV mit fünf Neuzugängen verstärkt, darunter soll auch der ehemalige WM-Dritte der Junioren Maxim Perpelita (Moldawien) vom VfK Schifferstadt sein. Und trainiert werden soll das Team künftig vom mehrfachen rumänischen Meister Attila Tamas, der schon im achten Jahr der KSV-Staffel angehören wird.

Den bisherigen Coach Kai Dittrich möchte man in anderer Weise an den Verein binden. „Ich bin mit Schriesheim auf-?, ab- und wieder aufgestiegen“, erklärte der 44-jährige Westerwälder gegenüber der RNZ, „ich habe eine tiefe Bindung mit den Menschen vor Ort und hätte gerne als Trainer weitergearbeitet, aber wenn es eine interessante andere Aufgabe für mich gibt, bin ich gesprächsbereit.“

Update: Freitag, 21. Juni 2019, 19.52 Uhr

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung