29.06.2019

CDU-"Unternehmertreff": Ist Schriesheim unternehmerfeindlich?

CDU-"Unternehmertreff": Ist Schriesheim unternehmerfeindlich?

Diskussion mit Selbstständigen über Mängel in der Weinstadt

Zwölf Selbstständige kamen zum Gespräch in den "Goldenen Hirsch". Foto: Dorn

Schriesheim. (stek) Der Wahlkampf liegt erst einige Wochen zurück, aber das erste Wahlversprechen der CDU darf als erfüllt gelten: Um das Netzwerk zwischen Politik und Unternehmertum enger zu knüpfen, fand am Donnerstag der erste "Unternehmertreff" der Christdemokraten im Gasthaus "Zum Goldenen Hirsch" statt. Zwölf Unternehmer trafen sich mit der CDU und präsentierten einander ihre Perspektiven.

Die Selbstständigen forderten unter anderem mehr politischen Mut für Veränderungen und neue Strategien der Zusammenarbeit. Zwar war nach fast zwei Stunden Gespräch die Welt keine andere, aber als guter Aufschlag wurde das Treffen durchweg gewertet. "Wir haben voneinander gelernt", so die CDU-Ortsvorsitzende Christiane Haase.

Gleich zu Beginn der Gespräche verwies Haase darauf, dass die Weinstadt rund sieben Millionen Euro aus der Einkommenssteuer einnehme, aus der Gewerbesteuer aber lediglich 2,5 bis drei Millionen Euro. Kein Zweifel, dass die CDU gerne mehr Unternehmer in Schriesheim hätte. Aber dafür müsse man sich besser kennenlernen. Neben Haase und den beiden CDU-Stadträtinnen Andrea Diehl und Lisa Hartmann waren auch der SPD-Fraktionsvorsitzende Sebastian Cuny und der Grüne Georg Grüber anwesend - beide ebenfalls selbstständige Unternehmer.

Am Tisch mit zwölf Unternehmern aus den verschiedensten Branchen entstanden schnell Diskussionen. Dabei ging es vor allem um Leerstand und den Mangel an Strategien, um gegenzusteuern. Unternehmensberater Karl-Heinz Hellmann, der sich selbst "Chaos-Exorzist" nennt, empfindet Schriesheim als "unternehmerfeindlich". Es gebe keinen Willen zur Erarbeitung einer Strategie, wie die Stadt dem Einzelhandelssterben begegnen wolle. Keine innovativen Konzepte wie Co-Working-Areale, in denen sich Kleinunternehmer einen Arbeitsplatz mieten können. Und die Infrastruktur für schnelles Internet sei mindestens suboptimal. Alles Punkte, die die CDU auf der Agenda habe. Doch für Co-Working, so Haase, gebe es sehr wenige Flächen und der Glasfaserausbau sei angesichts des Planungsaufwandes und der Kosten ein sehr zeitaufwendiges Unterfangen.

Viel Gesprächsstoff bot auch das Hotel- und Restaurantsterben. Eine Tragödie vor dem Hintergrund, dass Schriesheim in den Augen aller Teilnehmer in Sachen Gastronomie und Hotellerie ein ziemlich hell leuchtender Stern war. Rund um Matthias Weigel (Geschäftsführer von Taronova Projekt), Rolf Edelmann (Vorsitzender des Bundes der Selbstständigen), Birgit Schwöbel (Schwöbel-Immobilien), der Steuerberaterin Marianne Brubach und Georg Grüber, Geschäftsführer einer Zimmerei, entbrannte eine intensive Diskussion um die Gebäude von "Adler", "Kaiser" und "Rose".

Es gebe hier, so der Bauentwickler Weigel, "so viel Potenzial". Was fehle, sei politischer Mut für Veränderungen. Manchmal müsse man auch bei denkmalgeschützten Gebäuden unkonventionell denken. Eine Zukunft hätten Gebäude wie die "Rose" nur, wenn sie sich auch wirtschaftlich trügen. Dafür sei es aber notwendig, dass Politik und Verwaltung nicht bei jeder Maßnahme gleich Halt riefen.

Dass Weigel zahlreiche Pläne für diese Gebäude in der Schublade hatte und in der Verwaltung bis dato auf nicht allzu viel Resonanz gestoßen sei, überraschte die Politiker sichtlich. Cuny forderte Weigel auf, mit diesen Konzepten nicht nur zur Verwaltung zu gehen, sondern sie auch den Fraktionen zu präsentieren.

Ein Ansatz, der der Logopädin Stefanie Manez sehr entgegenkam. Für sie findet sich in der Kooperation ein Schlüssel zum Erfolg. Egal in welcher Branche, man solle nicht immer Angst haben, dass der eine dem anderen etwas wegnehmen will. Am Ende, so der Tenor in der Runde, war es ein guter Austausch.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung