08.07.2019

Schriesheim jazzt: Die Altstadt wurde zur Open-Air-Kulisse

Schriesheim jazzt: Die Altstadt wurde zur Open-Air-Kulisse50 Musiker zogen rund 1200 Zuhörer an - Etwas weniger Besucher als zuletzt - Doch wer kam, war begeistert

Von Maren Schenk

Schriesheim. Sechs Bands mit über 50 Musikern verwandelten die Altstadt am Samstagabend in eine Open-Air-Kulisse für Musik vom Feinsten: Bereits zum 14. Mal veranstaltete der Kulturkreis Schriesheim (KKS) "Schriesheim jazzt". Im evangelischen Kirchgarten, "einem der schönsten Plätze in Schriesheim", wie eine Besucherin betonte, spielte die "El Ville Bluesband". Zum ersten Mal dabei waren die vier Musiker mit Sängerin Marion La Marché, die mit ihrer Janis-Joplin-Stimme beeindruckte. Es herrschte gute Stimmung über den ganzen Abend hinweg: "Absolute Klasse" sei die Band, sagte ein Besucher aus Ladenburg.

Auch Karl Forschner von "Forschner’s im Schützenhaus", der mit Jürgen Opfermann ("Das Gasthaus") die Verköstigung im Kirchgarten übernommen hatte, war zufrieden: "Es läuft gut. Wir sind besser organisiert als letztes Jahr, als wir anfangs überrannt wurden." Beide Wirte stemmten am selben Abend auch das Catering für den Abiball des Kurpfalz-Gymnasiums - mit rund 450 Gästen. Opfermann: "Solch große Veranstaltungen machen wir nur zu zweit."

Vor dem Alten Rathaus spielte die "SRH Bigband" mit ihrem Repertoire aus Swing, Funk, Latin, Fusion und Soul. Alle Tische auf dem Marktplatz waren besetzt, zahlreiche Gäste standen und wippten zur Musik. Hier bewirtete das Kaffeehaus.

Die Band "En Haufe Leit" begeisterte das Publikum vor dem Zehntkeller mit ihrer "Jatzmussig": eine Mischung nicht nur aus Swing, Dixieland und karibischen Klängen. Damit trafen die acht Musiker und die stimmgewaltige Sängerin Maike Heisel den Geschmack des Publikums. Eine Gruppe aus Schriesheim mit Freunden aus Heidelberg "schwelgte in Jugenderinnerungen" - gleich bei ihrer ersten Station blieben sie länger sitzen. Und je später der Abend, desto voller wurde es vor dem Zehntkeller, einige tanzten dann auch. "Die Sängerin ist super, die Band kommt gut an beim Publikum", so eine Besucherin aus Schriesheim. Wie bei den anderen Stationen war nicht nur einiges fürs Ohr, sondern auch für Gaumen und Kehle geboten: La Perseria Mashti und die Winzergenossenschaft Schriesheim versorgten die Jazz-Fans mit Köstlichkeiten.

Die Bands in den kleineren Höfen begeisterten nicht minder. Im lauschigen Diehm-Hof in der Oberstadt spielte das "Jordan-Weiss-Quartett" Gypsy-Swing. Die vier Musiker, stark beeinflusst von Django Reinhardt, ließen mit Gitarren, Geige und Kontrabass Klassiker aus den 20er- bis 40er-Jahren aufleben. Ein Paar aus Ladenburg, das zum ersten Mal Schriesheim jazzt erlebte, war begeistert: "Einfach toll, ein mitreißender, urtümlicher Rhythmus!"

Seinen Durst löschen konnte man hier mit den Weinen von Max Jäck. "Ich bin zufrieden, es läuft gut", so der Winzer, der zum fünften Mal dabei ist. ",Schriese jazzt’ ist eine entspannte Veranstaltung, vor allem an so einem lauen Sommerabend. Wenn ich nicht arbeiten müsste, wäre ich trotzdem hier."

Im gemütlichen Hof der Gaststätte "Zum Goldenen Hirsch" spielte das Wormser Ensemble "Lightshy": Die Musiker sorgten für Stimmung mit Eigenkompositionen im Latin-Stil, viele Titel in spanischer Sprache. "Tolle Musik, die Leute sind gut drauf", berichteten Michael Adamietz und Carsten Axt, die für die Bewirtung sorgten. "Es war immer voll, um kurz vor 23 Uhr wurde die letzte Wurst verkauft." Vor allem dank der guten Organisation des KKS habe alles geklappt.

Im Strahlenberger Hof präsentierte das "Voxensemble" mit drei Vokalisten und drei Instrumentalisten Gospel, Pop und Jazz. "Die Stimmung ist gut", freute sich Meike Roschig vom Strahlenberger Hof, "es ist viel los, die Schlangen beim Essen waren zeitweise sehr lang."

Gefallen hat der Abend nicht nur den Jazzfans, sondern auch Lisann aus Heidelberg, die Junggesellinnen-Abschied feierte. Elf Freundinnen hatten ihr eine Überraschungstour mit Fahrrädern organisiert: Nach einem Picknick am Neckar in Schwabenheim machte die Frauengruppe Halt in Schriesheim und "feierte die Braut" mit Jazzklängen.

Insgesamt zählte dieses Jahr "Schriesheim jazzt" etwas weniger Besucher als in den letzten Jahren - was der guten Stimmung aber keinen Abbruch tat. 1100 bis 1200 Karten wurden verkauft, so Jochen Wähling, Zweiter Vorsitzender des KKS. Zahlreiche Konkurrenzveranstaltungen wie der Abiball und das Straßenfest in Leutershausen könnten der Grund dafür sein, erklärte Christian Glocker, Schatzmeister beim KKS. Eugen Fallmann, der wieder die meisten Bands organisiert hatte, freute sich, dass "trotz 30 bis 40 Veranstaltungen im Umkreis so viel los ist". Die Besucher seien dankbar für die Vielfalt: "Wo kann man sonst sechs hochkarätige Bands für 15 Euro hören?"

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung