24.07.2019

Ein Bauwagen soll dem Waldkindergarten Schutz bieten

Der Waldkindergarten zieht um - An neuer Stelle wird es einen Unterschlupf für gar zu schlechtes Wetter geben

Von Nicoline Pilz

Schriesheim. Bei Wind und Wetter die Natur erleben: Der Waldkindergarten der Schriesheimer "Purzelzwerge" ist im Weiten Tal unterwegs. Nun verlegt er seinen Standort auf das städtische Grundstück im Gewann "Große Heddesbach", wo die Stadt als Notunterkunft einen Bauwagen aufstellen lässt. Der Ausschuss für Technik und Umwelt (ATU) stimmte dem Bauantrag einmütig zu.

"Wir haben lange Zeit nach einem geeigneten Platz gesucht. Kindergarten und Förster finden die Lösung gut", sagte Bürgermeister Hansjörg Höfer. Der neue Standort sei näher als die alte Unterkunft, die aufgesucht wird, wenn das Wetter gar zu schlecht ist. Auf Anfrage von Jutta Becker (Freie Wähler) erklärte Höfer, dass die Kinder sich am Sammelpunkt "Waldsofa" treffen, um dann gemeinsam nach oben ins Weite Tal zu laufen. "Direkt dorthin gefahren werden sie nicht, das ist auch nicht erwünscht", meinte er.

In dieser ATU-Sitzung, der ersten nach der Neubesetzung des Ausschusses, folgte das Gremium mehrfach nicht den Verwaltungsvorschlägen. Dabei ging es zunächst um die Errichtung eines sogenannten "Kaltwintergartens" im Geltungsbereich des Bebauungsplans "Galgenwiesen". Der Anbau an der Südseite des Wohnhauses würde die Baugrenze um drei Meter überschreiten. Bauamtsmitarbeiterin Beate Kreis empfahl, bisherigen Beschlüssen zu folgen und nur zwei Meter zu erlauben. "Wir sehen das nicht so streng", meinte Karl Reidinger (CDU). Zuvor hatte auch Christian Wolf (Grüne Liste) erklärt, ein Meter mehr sei kein Problem und störe dort niemanden. "Die Gärten sind relativ groß, die Grundstücke gehen tief", meinte Becker.

Um einen Präzedenzfall zu vermeiden, so Sebastian Cuny (SPD), könne man womöglich die weiter hinten liegende engere Bebauung anführen. Zustimmung kam auch von Ulrike von Eicke (FDP). Höfer warnte: "Wir haben mehrere größere Wintergärten abgelehnt, wenn die Bebauung enger war. Es ist das erste Mal, dass wir so zustimmen."

Einem Umbau nebst Erweiterung eines Wohnhauses sowie dem Ausbau des Schuppens zu Wohnzwecken in der Landstraße stimmte der ATU ebenfalls zu. Die Überschreitung der Baugrenze des Vordergebäudes sei unproblematisch, doch die Überschreitung der rückwärtigen Grenze um zehn Meter sehe die Verwaltung kritisch, sagte Höfer. Gleiches gelte für die Ausfahrt auf die B 3. Er sei gespannt, wie Polizei und Ämter reagieren, meinte er, nachdem die Fraktionsvertreter das Bauvorhaben als "sinnvolle Innenverdichtung" gelobt und den Bebauungsplan als "nicht mehr zeitgemäß" beurteilt hatten. Die Grenzbebauung stehe doch bereits, argumentierten die ATU-Mitglieder. Das Ganze werde nicht höher als jetzt, doch sei die Ausfahrt derzeit schlechter als die neu geplante. "Ich hätte die Behörden erst gern um Stellungnahme gebeten", meinte Höfer. Es könne sein, dass dies ein langer Weg bis zur Baugenehmigung werde.

Zwei Bauvoranfragen beschied der ATU ebenso positiv. In der Heidelberger Straße soll ein Wohngebäude aufgestockt und dadurch um 70 Quadratmeter vergrößert werden. "Wir finden, das fügt sich in die Umgebung ein", sagte Beate Kreis. Sebastian Cuny schlug eine Analyse vor, was generell an Aufstockungspotenzial in der Kernstadt vorhanden ist.

Eine weitere Bauvoranfrage betraf die Panoramastraße. Hier will der Bauherr das vorhandene Grundstück teilen, um die südliche Hälfte zu bebauen. Höfer gab zwar eine Anregung aus der Bürgerschaft weiter, dass in diesem Kontext doch gerne das benachbarte, eigentlich sehr schöne, aber schon lange leer stehende Haus auch gleich saniert werden solle. Doch war sich das Gremium einig, dass dies keine Bedingung zur Erteilung eines positiven Vorbescheids sein kann.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung