25.07.2019

So viel Klimaschutz steckt im neuen Kurpfalz-Gymnasium

Im Februar 2020 beginnt erster Bauabschnitt der Schulsanierung - Stadt und Planer sprachen über Arbeiten, Ersatzgebäude und Klimaziele

Von Günther Grosch

Schriesheim. Mit einem Volumen von 21 Millionen Euro - rund 6,7 Millionen Euro gibt es als Zuschuss vom Bund - handelt es sich nach Aussagen von Bürgermeister Hansjörg Höfer nicht nur um "Schriesheims größtes Investitionsprojekt der letzten Jahrzehnte".

Die anstehende Sanierung des Kurpfalz-Gymnasiums stellt in Zeiten der "Fridays for Future"-Aktionen und Klimadiskussionen darüber hinaus ein höchst ambitioniertes Klimaschutzprogramm dar. Das jedenfalls war die Auffassung vieler, die am Dienstagabend an der Infoveranstaltung zur Schulsanierung teilnahmen.

"Mit der Umrüstung der Schule sparen wir allein den Energieausstoß, den 280 Einfamilienhäuser pro Jahr verursachen", haben Architekt Christian Nasedy und Elektrofachplaner Til Bethe ausgerechnet. Rund 50 Interessierte, in der Mehrzahl Eltern, Schüler und Lehrer des Gymnasiums sowie etliche Stadträte, waren in die Turnhalle der Strahlenberger Grundschule gekommen, um sich aus erster Hand über die Pläne informieren zu lassen.

Von der Darstellung des Ist-Zustands bis zur Projektion des Künftigen gingen Nasedy und Bethe in einem gut einstündigen Vortrag ins Detail. Architektonisch handele es sich um eine "hochwertig konzipierte Schule" und ein "hoch anspruchsvolles Gebäude". Auf der anderen Seite stünden nicht weniger große Herausforderungen mit Blick auf die Sanierung.

Die hervorstechendsten Mängel liegen im Brandschutz. Hier gilt es insbesondere, die Flucht- und Rettungswege zu verbessern sowie sogenannte Brandabschnitte einzurichten. Hinzu kommt die nicht mehr den heutigen Anforderungen genügende Technik.

Ob die in die Jahre gekommene Lüftungsanlage oder der mehr als 40 Jahre alte Heizungs-Mix aus Strom und Gas, der im Jahr "unfassbare" 775 Tonnen Kohlenstoffdioxid in die Atmosphäre bläst: "Hier ist eine Erneuerung und Umstellung dringend erforderlich." Bethe bezeichnete dies als "Urknall" für die Sanierungsmaßnahme: "Das Schulzentrum verbraucht pro Tag so viel Strom wie ein Einfamilienhaus in einem Jahr." Nach Abschluss der Sanierung soll der Ausstoß nur noch 200 Tonnen pro Jahr betragen.

Ob es sich bei den neuen Energieträgern um eine Mischung aus Gasbrennwertkessel und Solartechnik, Gas mit Blockheizkraftwerk oder Grundwasser- Wärmepumpe handeln wird, muss der Gemeinderat entscheiden. Einsparmöglichkeiten gibt es außerdem durch eine moderne Dämmung und dreifach verglaste Fenster.

Unter dem Motto "Was man weiter verwenden kann, sollte erhalten bleiben", soll sich an der äußeren Gestaltung mit der Alu-Fassadenkonstruktion wenig ändern. Ein besonderes Augenmerk richtet sich allerdings auf die "total durchfeuchtete" Mineralwolldämmung.

Umso mehr ändern wird sich aber im Inneren - vor allem mit der Gestaltung der Aula. "Hier liegen immer noch die vor 40 Jahren verlegten Teppichböden", erklärte Nasedy verwundert. Das Hauptaugenmerk der Architekten richtet sich auf die Einebnung der unterschiedlichen Bodenhöhen, eine Verlegung der Bühne sowie eine Abgrenzung der Aula gegenüber den umliegenden Bereichen. Die Anzahl der Sitzplätze bleibt in etwa gleich.

Daneben geht es den Planern darum, das Innere "zeitgemäßer" zu gestalten, "Raumhöhen zu betonen" und unter Verwendung einer hellen Holzoptik "mehr Wärme ins Haus zu bringen". Der in mehreren Abschnitten vorgesehene "schrittweise Umbau" beginnt mit der Anschaffung von "Interimsbauten", sprich Container-Modulen, die ab November aufgestellt werden und in denen ab Dezember für drei Jahre der Unterricht ausgelagert wird.

Der erste Bauabschnitt startet im Februar, im Juli folgt der zweite. Die Fertigstellung aller Maßnahmen ist für Ende 2022 vorgesehen. Dass Bäume gefällt oder zumindest zurückgeschnitten werden müssen, räumten die Architekten ein. Allerdings werde es "keine großen Fällaktionen" geben. Und auch das Parkplätze wegfallen, ist unvermeidlich. Dass es zu "minimalen" Kostenüberschreitungen bei der "immens großen Maßnahme" kommt, konnte Nasedy nicht ausschließen.

"Wer baut, muss auch leiden"

Patrick Schmidt-Kühnle, der Vorsitzende des Gesamtelternbeirats, und auch seine Amtsvorgängerin Christiane Haase zeigten sich von dem Konzept "überzeugt bis begeistert". Der Weg, der mit der Sanierung beschritten werde, sei der richtige. Letztlich profitiere das gesamte Schulzentrum.

Fragen zum Digitalpakt, zur Bauleitung vor Ort, der Fotovoltaikanlage auf dem Schuldach, der angestrebten Optimierung der Akustik - "das Verstehen des Worts ist Grundfunktion einer Schule" - sowie die Antworten zu den lärmbedingten Auswirkungen der Bauarbeiten auf die Schüler bestimmten die sich anschließende Diskussionsrunde. "Es kommen ja keine Abrissbagger. Die Lärmbelästigungen bewegen sich auf Zahnarztniveau", hieß es auf eine entsprechende Frage. Trotzdem werde das Ganze nicht ganz ohne Lärm ablaufen, machte Nasedy deutlich: "Wer baut, muss auch leiden. Zumindest ein bisschen."

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung