25.07.2019

Darum streiten sich Reit- und Fahrverein und Ehepaar um den Garten

Reiter brauchen Grundstück zur Erweiterung und beruft sich auf Zusagen der Verwaltung - Naturschutz vs. Tierschutz

Von Katharina Schröder

Schriesheim. Ein Gartengrundstück neben dem Gelände des Schriesheimer Reit- und Fahrvereins löst derzeit Diskussionen aus. Aus Sicht des Vereins steht ihm das Grundstück aufgrund eines Miet- und Erbbauvertrags zu. Im Januar meldete sich der Verein bei der Stadt und machte seinen Anspruch auf das Grundstück geltend. Barbara und Günter Machauer hatten den Bereich nach dem Tod von Günter Machauers Mutter übernommen und ihn als naturnahen Garten genutzt.

Die Stadt Schriesheim kündigte dem Ehepaar den Pachtvertrag zum 31. Dezember dieses Jahres. Die Machauers wendeten sich an die Schriesheimer Grüne Liste, um ihren Garten erhalten zu können, da sie ihn als Zufluchtsort für viele Tiere verstehen. Mit Vertretern der Grünen Liste machte das Paar eine Ortsbegehung.

Nun lud der Verein ebenfalls die Grüne Liste ein, um seine Sicht auf die Lage zu erläutern. Die Stadträte Wolfgang Fremgen und Gerlinde Edelmann schauten sich die Reitanlage an. Auf die Fläche des Gartens wollen die Reiter Paddocks bauen. Das sind Plätze, auf denen die Pferde im Winter stehen können, damit sie nicht den ganzen Tag in ihrer Box bleiben müssen, wo der Bewegungsraum recht eingeschränkt ist.

"Im Winter können wir die Tiere nicht auf die Koppeln stellen", erklärt Klaudia Türk, die Erste Vorsitzende des Vereins. Die Aussage der Machauers, dass auf dem Gelände ein Hindernis abgestellt werden soll, welches nur zwei Mal im Jahr für Turniere genutzt werde, weist die Vorstandschaft des Reit- und Fahrvereins zurück. Zwar steht dort ein Hindernis, dieses werde allerdings auch zu Übungszwecken für die Fahrer gebraucht und nicht nur für Turniere.

Für den Reit- und Fahrverein stehen zwei Privatpersonen gegen etwa 160 Vereinsmitglieder, von denen 70 noch nicht volljährig seien. "Wir arbeiten ehrenamtlich, die Trainer bekommen nur ein kleines Entgelt, wir tun auch etwas für die Stadt und vor allem für die Jugend", sagt Erste Vorsitzende Türk. Besonders für die Schulpferde sei der Auslauf wichtig, damit diese ruhig und ausgeglichen Unterricht machen könnten. "Wir haben sonst keine Chance auf Erweiterung, alles um die Anlage herum ist in Privatbesitz."

Ein neuer Standort für einen Garten lasse sich dagegen finden, sagen die Reiter. Gemeinderätin Edelmann betont indessen: "Es geht hier nicht um die Zahl der Nutzer, sondern um die ökologische Fläche." Sie ging bisher davon aus, dass die Fläche zum Abstellen von Hindernissen oder zur Errichtung eines neuen Reitplatzes genutzt werden soll. Nun ist sie überrascht von der neuen Sachlage: "Jetzt muss man im Prinzip Naturschutz gegen Tierschutz abwägen."

Die Machhauers luden im Dezember des vergangenen Jahres den Heidelberger Naturschutzbund (Nabu) in ihren Garten ein. Dieser wendete sich mit einem Anschreiben an die Stadt Schriesheim und bat darum, den Garten zu erhalten. Dabei ging es besonders um die Insektenhäuser mit Wildbienen und Schlafplätze für Vögel. Türk setzt dieser Sorge entgegen: "Wir haben nichts gegen Bienen, wir lieben Tiere und übernehmen gern jedes Insektenhaus." Auch die Bäume wolle man nicht fällen. "Die bieten ja Schutz für unsere Pferde", meint Schriftführerin Daniela Fischer. Lediglich für Pferde giftige Pflanzen müsse man entfernen.

Stadträtin Edelmann sieht aber auch bei einer Übernahme der Insektenhäuser ein Problem: "Im Garten blühen mit Sicherheit von Frühjahr bis in den Herbst hinein Pflanzen, das brauchen die Bienen." Mit der neuen Nutzung und den mindestens drei Paddocks würde diese Lebensgrundlage der Bienen wegfallen.

Auch der Boden würde in Mitleidenschaft gezogen, da er von den Pferden abgefressen und zertrampelt werde. "Auf einem Winterpaddock ist kein Bewuchs." Fremgen und Edelmann wollen einen runden Tisch mit allen Involvierten organisieren. "Wir haben ganz einfach einen Interessenkonflikt", sagt Stadtrat Wolfgang Fremgen. Dieser müsse auf zwei Ebenen geklärt werden: der rechtlichen und der politischen.

Aus Sicht des Vereins sichern ein Mietvertrag aus dem Jahr 1984 und ein Erbbauvertrag von 1994 die Übernahme des Geländes nach dem Versterben des Pächters. Ein Brief von Altbürgermeister Peter Riehl bestätigte diese Abmachung außerdem 2005. Auch aus dem Rathaus heißt es, die Lage sei rechtlich eigentlich klar. Die Kündigung wurde zur gesetzlichen Frist zum 31. Dezember 2019 ausgesprochen. Familie Machhauer habe zwar Widerspruch eingelegt, dieser habe jedoch keine Rechtswirkung.

"Nach der Hauptsatzung wurde diese Entscheidung dem Bürgermeister übertragen", erklärt Volker Arras aus der Kämmerei. Der Gemeinderat könne die Entscheidung über das Grundstück somit nicht mehr an sich ziehen. Einzig Bürgermeister Hansjörg Höfer könnte die Kündigung zurückziehen, dafür gebe es jedoch zum jetzigen Zeitpunkt jedoch keinen Grund.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung