30.07.2019

Schriesheim, Italien, Edingen-Neckarhausen: Verlorene Kamera war ganz in der Nähe

Wie ein fleißiger Polizist den Besitzer eines Fotoapparates ausfindig machte

Von Georg Mollat und Miriam Olszok

Schriesheim/Edingen-Neckarhausen. Dass seine Kamera einmal bundesweit Schlagzeilen machen würde, hätte sich Carsten Bormann nicht einmal in seinen verrücktesten Träumen vorstellen können. Doch dann kam da dieser Tag auf einem Parkplatz auf dem Mendelpass in Südtirol. Der Schriesheimer hatte dort eine Ruhepause auf dem Rückweg nach Deutschland eingelegt. Wenige Minuten später geht die Reise weiter - allerdings ohne die Kamera. Das gute Stück bleibt am 16. Juli vergessen und mutterseelenallein auf dem Parkplatz zurück.

Dann nimmt eine fast unglaubliche Geschichte ihren Lauf. Ein anderer Urlauber aus Deutschland – er stammt aus Edingen-Neckarhausen – sucht sich besagten Parkplatz ebenfalls als Raststätte aus und entdeckt den Filmapparat. Er nimmt das gute Stück an sich. Zurück in der Heimat startet der Mann zunächst auf eigene Faust die Suche nach dem Besitzer. Zunächst versucht er den Eigentümer über die sozialen Medien ausfindig zu machen – allerdings erfolglos.

Wenige Tage später macht sich der ehrliche Finder auf den Weg zum Polizeiposten in Edingen-Neckarhausen. Dort legt er den Beamten das Fundstück auf den Tisch. Schließlich wird Kommissaranwärter Christian Wilhelm die Aufgabe übertragen, den Besitzer ausfindig zu machen. "Ich fotografiere selbst gerne und weiß deshalb, was eine gute Kamera kosten kann", sagt er im Gespräch mit der RNZ. Der Fall beginnt ihm Spaß zu machen. Er lädt den mittlerweile leeren Kamera-Akku auf und ahnt bei den über 1000 gespeicherten Fotos, dass die Suche "erfolgversprechend" sein könnte. "Ich habe mich zunächst durch die Bilder geklickt, aber erst einmal keine keine Hinweise auf den Besitzer gefunden", erzählt der Kriminalbeamte. Schließlich stößt er auf eine Serie von Fotos, die auf einer Hochzeitsfeier aufgenommen wurden. Auf den Bildern ist fast immer ein Mann mit seiner Familie zu sehen – das könnte der Besitzer sein, vermutet Wilhelm.

Beim genaueren Hinsehen entdeckt der Ermittler im Hintergrund auf einer der Aufnahmen ein Auto-Kennzeichen, das er direkt durchs System jagt. Das "spuckt" ihm den Namen und Wohnort des Fahrzeughalters aus. Mit diesen Erkenntnissen stößt er auf die Rufnummer eines Unternehmers aus Rheinland-Pfalz. Dann die Enttäuschung: Es handelt sich nicht um den Besitzer der Kamera, sondern um den Cousin der Braut. "An die Hochzeit konnte er sich aber noch gut erinnern", erzählt Wilhelm. Der Rheinland-Pfälzer kontaktiert über WhatsApp die mittlerweile in die USA ausgewanderte Braut und bekommt direkt eine Antwort.

Anhand seiner Beschreibung der Fotos kann die Cousine sich an den bis dahin noch unbekannten Hochzeitsgast zurückerinnern – und schickt seine Rufnummer an ihren Cousin weiter. Der Unternehmer ruft daraufhin sofort den Kommissaranwärter zurück und gibt die Nummer durch. Wilhelm hält es zunächst für eine Verwechslung, als ihm eine Nummer mit Schriesheimer Vorwahl gegeben wird: Er selbst wohnt im Schriesheimer Stadtteil Altenbach.

Ungläubig tippt Wilhelm die Nummer ins Telefon. Dann erzählt er dem Mann am anderen Ende der Leitung – es ist Carsten Bormann – die Geschichte. Wenige Sekunden später ist klar: Wilhelm kann einen "Ermittlungserfolg" feiern. Sofort wird ein Treffen vereinbart. Auf dem Heimweg von der Arbeit übergibt er am 22. Juli die Kamera an den glücklichen Besitzer. "Er hatte eine Champagnerflasche dabei", erzählt Christian Wilhelm. "Aber die durfte ich natürlich nicht annehmen."

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung