16.08.2019

Wenn man bei der SPD und ein gefragter Mann ist

Wenn man bei der SPD und ein gefragter Mann istSPD-Bundestagsabgeordneter Lothar Binding kam zur Bürgersprechstunde - Die große Resonanz überraschte sogar den Ortsverein

Was kostet die Welt? Das konnten Besucher des Infostands der SPD mit dem Bundestagsabgeordneten Lothar Binding (3.v.l.) anhand einer Wippe herausfinden. Der Dialog mit den Bürgern kam besser an, als viele Sozialdemokraten erwartet hatten. Foto: Dorn

Von Volker Knab

Schriesheim. Lothar Binding ist an diesem Vormittag auf dem Schriesheimer Marktplatz ein gefragter Mann: Drei Stunden steht der SPD-Bundestagsabgeordnete zu unterschiedlichen Politikfeldern, vom Klimawandel bis hin zur Abschaffung des Solis, Rede und Antwort - immer umringt von einer kleinen Menschentraube.

Angesichts der historisch schlechten Umfragewerte für die Sozialdemokraten verwundert es nicht, dass die Bundestagsfraktion der SPD diesen Informationsstand mitten in den Sommerferien fernab jeglicher Wahl in Baden-Württemberg organisiert hat. Eine "Dialog-Tour" ist angesagt, bevor um die Landtagsmandate in Brandenburg und Sachsen gezittert wird. So steht für die Abgeordneten jetzt ein schmucker roter Kleinbus zur Verfügung, gefüllt mit Infomaterial, das man für eine Veranstaltung so braucht.

Der Schriesheimer Ortsverband stellt für seinen Bundestagsabgeordneten lediglich die Bewirtung der Besucher mit kalten und warmen Getränken sowie einer kleinen Stärkung. Eine Wippe als Spielgerät lädt Kinder dazu ein, herauszufinden, wie viel Geld die Erde aufwiegt.

Ums Geld geht es auch in den Gesprächen der Erwachsenen mit Binding. "Ich wollte gezielt mit ihm reden", erläutert Wilhelm Heil aus Weinheim, weshalb er extra in die Weinstadt gekommen ist. Winfried Plesch aus Schriesheim diskutiert mit Binding gerade das Thema CO2-Besteuerung. Ein Thema, für das Plesch sich engagiert, auch im vergangenen Kommunalwahlkampf. Ohne SPD-Mitglied zu sein, stand er auf der Liste der Sozialdemokraten für den Gemeinderat. Hineingewählt wurde er nicht.

Rege geht in dieser Runde die Diskussion weiter, in das Gespräch hat sich unter anderem auch Willi Fontius eingeschaltet. Was die Chinesen gegen den Klimawandel tun? Denn im Raum steht die Frage, was es der Welt nützt, wenn in Deutschland CO2 eingespart wird, an anderen Orten aber munter weiter Kohlendioxid in die Luft geblasen wird. "Die Chinesen tun doch was", schaltet sich Binding in das Gespräch ein. Deren Maßnahmen zum Schutz der Luft gingen weiter als in Deutschland, etwa was den Ausbau der Windenergie betrifft, sagt er.

Bei dem Thema kommt die Runde rasch auf den Technologietransfer zu sprechen. "Die Technologie ist ein ganz wichtiges Element", warnt Plesch davor, dass Deutschland sein Know-how samt den Produktionskapazitäten nach Fernost verlieren könnte. Binding pflichtet ihm bei, gibt aber auch zu bedenken: "Wir müssen unsere Ansprüche herunterschrauben. In dieser Hinsicht sind wir alle gemeint." Das mahnten auch Kinder und Jugendliche mit ihren "Fridays for Future"-Demonstrationen an. "Die Technik allein tut das nicht", betont er.

Inzwischen ist die Menge der Menschen, die mit Binding das Gespräch sucht, auf ein halbes Dutzend angewachsen. Jeder bringt ein neues Thema ein. Binding erläutert zum Beispiel die beschlossene Abschaffung des Solidaritätsbeitrags, kurz "Soli" genannt, für fast alle Bundesbürger. 90 Prozent der arbeitenden Bevölkerung betreffe die vom Finanzministerium entwickelte Lösung. "Das ist doch schon einmal ein guter Schritt", findet Binding, wenn letztlich "nur noch 3,5 Prozent der Leute den Soli bezahlen müssen".

Am Ende ist der Bundestagsabgeordnete mit den in Schriesheim bei seiner sommerlichen Dialogtour geführten Gesprächen mehr als zufrieden. "Die Leute waren sehr interessiert", sagt er und zählt an den Fingern die Themen Finanzpolitik, Europa, Sozial- und Umweltpolitik sowie die Frage einer CO2-Besteuerung auf. "Die waren nicht nur fachlich gut informiert, sondern blieben insgesamt alle sehr, sehr freundlich."

Für den Ortsverein der SPD war es eine gelungene Präsentation der Partei kurz nach der Kommunalwahl. Die war aber kaum ein Thema an diesem Vormittag. "Das ging rein von der Bundestagsfraktion aus", sagt der Fraktionsvorsitzende im Gemeinderat, Sebastian Cuny. Rund 100 Mitglieder zählt die Schriesheimer SPD derzeit. Diese Marke habe der Ortsverein nur einmal kurzzeitig überschritten, sagt Cuny. "Das war noch mit dem Schulz-Effekt." Lang scheint es her. An diesem Vormittag freuen sich Cuny und Ortsvereinsvorsitzender Axel Breinlinger aber über die große Resonanz auf Bindings Besuch. "Das waren selbst in Wahlkampfzeiten nicht so viele", gesteht Cuny.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung