22.08.2019

Balkan Express Rallye: Schriesheimer durchfährt mit seiner "Mantarine" den Balkan

Von Dresden über Albanien nach Salzburg: Wie ein Schriesheimer Lehrer zu einer 4000-Kilometer-Fahrt gegen Krebs aufbrach.

Von Frederick Mersi

Schriesheim. Ein Riss der Achillessehne, ein Krankenbesuch und das Okay der Frau: Schon stand für Florian Beierer der Entschluss, in den Sommerferien zu einer Tour gegen Krebs aufzubrechen. Auf der "Balkan Express Rallye" in 13 Tagen über 4000 Kilometer, unter anderem durch Mazedonien, Albanien und Bosnien-Herzegowina.

"Wir haben uns am nächsten Abend direkt hingesetzt und im Internet nach einem Wagen gesucht", sagt Beierer. Sein Freund Dieter Neuffer und er, beide 1979 geboren, hatten eine klare Vorstellung von ihrem Traumauto. "Wir wollten uns selbst auf die Schippe nehmen", sagt der Sportlehrer. Und sie wurden fündig: Nicht einmal vier Wochen später waren sie stolze Besitzer eines orangefarbenen Opel Manta BCC, Baujahr 1979.

"Wir haben in unserer Jugend den Film ’Manta, Manta’ gesehen", sagt Beierer. Damit war auch schon ein Team-Name für die Rallye gefunden: "Bertie und Klausi", benannt nach den Charakteren von Til Schweiger und Michael Kessler im Kult-Film. Bei seinen Schülern habe sich das Verständnis dafür in Grenzen gehalten, sagt Beierer. "Was für ein verrückter Vogel, haben die gesagt. Und den Film kannten sie auch nicht." Das hielt Beierer und Neuffer aber nicht von ihrem Plan ab. Schnell war dank Neuffers Tochter auch ein Name für das Auto gefunden: "Mantarine", wegen der Farbe. Es ist der einzige Opel Manta unter 160 angemeldeten Fahrzeugen bei der "Balkan Express Rallye".

Doch das reichte Beierer und Neuffer nicht als Alleinstellungsmerkmal, schließlich loben die Veranstalter für Teams mit extravagantem Outfit Extrapunkte aus. Also bestellten die beiden Freunde Cowboy-Stiefel, trimmten die Bärte im 80er-Stil, besorgten sich Jeansjacken und Pilotenbrillen. "Bertie und Klausi" wollten ihren Leinwand-Vorbildern gerecht werden. Was das Prolo-Image angeht, lässt das Auto schon einmal keine Wünsche offen: "Auf der Rückbank gibt es keine Sicherheitsgurte, dafür an den Seiten jeweils zwei Aschenbecher", sagt Beierer und lacht.

Den TÜV hat die 5000-Euro-Investition trotzdem erhalten, ebenso ein Oldtimer-Kennzeichen. Ersatzteile haben Beierer und Neuffer trotzdem nachbestellt, zum Beispiel Wasserpumpen oder Zündkerzen. "Das Schlimmste wäre aber, wenn der Motor komplett verreckt", sagt Beierer. Kleinere Reparaturen können die Teams selbst vornehmen, ansonsten hofft der Schriesheimer auf die Hilfsbereitschaft der Bevölkerung vor Ort: "Wir waren vor zwei Jahren mit dem Wohnwagen auf Balkan-Tour und hatten einen Defekt", erzählt er. "Da hat es keine Stunde gedauert, bis jemand mit den passenden Ersatzteilen da war."

Die 4000-Kilometer-Strecke mit Start in Dresden wird aber noch einmal eine andere Herausforderung: Von trockener Asphaltpiste in der Puszta bei 35 Grad über Schotterpisten im Hochgebirge mit Regen und Hagel bei acht Grad bis hin zum Slalom-Schlagloch-Parcours sei alles mit dabei, so der Veranstalter der "Balkan Express Rallye". Ein GPS oder Navigationsgeräte dürfen die Fahrer auf der Tour ebenso wenig nutzen wie Autobahnen, schließlich soll das Abenteuer im Vordergrund stehen. Alle Fahrzeuge sind mindestens 20 Jahre alt, sodass allein das Ankommen in Salzburg eine Feier wert sein dürfte. Wo sie übernachten werden, haben Beierer und Neuffer vor dem Rallye-Start noch nicht geplant. "Wir haben ein Wurfzelt dabei, können aber auch die Rückbank umklappen und haben dann gerade genug Platz für Zwei", sagt Beierer. Auch ohne Unterkunft zwischen den Etappen hat die Teilnahme immerhin 890 Euro gekostet.

Für die beiden Lehrer - Beierer unterrichtet Sport am Kurpfalz-Gymnasium Schriesheim, Neuffer an einer Berufsschule in Mannheim - soll das Ganze jedoch nicht nur ein teurer Spaß sein: "Bertie und Klausi" sammeln bei ihrer Balkan-Fahrt Spenden für die Krebsforschung in Heidelberg. "Als wohltätige Zwecke wurden mehrere Organisationen vorgeschlagen, aber das wollten wir nicht", sagt Beierer. "Am Ende haben wir uns für ,Ein Kiwi gegen Krebs‘ entschieden."

740 Euro sind schon ohne größere Werbung zusammengekommen, verwendet werden sollen sie für Spielzeug im Hopp Kindertumorzentrum Heidelberg und für die Krebsforschung. "Es ist doch super, wenn man mit so einer Aktion auch noch was Gutes für andere tun kann", sagt Beierer. Heute startet die Rallye in Dresden, dann gilt es für "Bertie und Klausi" und ihre "Mantarine".

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung