30.08.2019

Eine Ehrenrunde für zwei Urgesteine

Karl-Heinz Schulz und Walter Däumling packen beim Straßenfest zum letzten Mal mit an - Beide sind vor allem für Flohmarkt aktiv

Von Marco Partner

Schriesheim. Er ist das Urgestein des Kerwe- und Straßenfestes. "Doch nach diesem Fest ist Schluss, ich werde mich zurückziehen", sagt einer, ohne den man sich die Schriesheimer Feierlichkeiten im Spätsommer kaum vorstellen kann: Karl-Heinz Schulz. Von 1997 bis 2015 war er Vorsitzender des Verkehrsvereins, aber schon seit 1994 beim Mathaisemarkt und anderen Großveranstaltungen involviert. "25 Jahre, ich denke, das ist genug", sagt der 75-Jährige mit den schneeweißen Haaren. Altersbedingt wolle er nun deutlich kürzer treten. "Und junge Leute sind ja auch da", sagt er.

Vor allem den Straßenfest-Flohmarkt bezeichnet er als sein "Baby". Der bunte Basar wurde zwar schon vorher ins Leben gerufen, von der städtischen Mitarbeiterin Renate Krämer und eben "Kalle" Schulz aber mehr als nur betreut, sondern regelrecht gelebt. "Früher begann die Ausgabezeit um 15 Uhr, aber um 10 Uhr am Morgen standen die Leute schon Schlange. Der Flohmarkt ist Kult, auch wenn heute der Andrang geringer geworden ist. Ohne ihn wäre das Straßenfest einfach eines wie viele andere", verweist er darauf, dass dank des Feilschens die Innenstadt schon tagsüber belebt wird - und nicht erst zu den Abendstunden. Viele Beschicker und Betreiber kennt er nun schon seit zwei Jahrzehnten oder länger. "Das ist mit schönen Erinnerungen verbunden, jedes Jahr gibt es ein großes Wiedersehen", so Karl-Heinz Schulz.

Aber auch manch heikle und schwierige Situation kommt dem 75-Jährigen in den Sinn. So belegte zum Beispiel in den Anfangsjahren einmal an einem Freitagabend der Truck einer Band einen Stand. Die Betreiber revanchierten sich auf ihre Weise, verriegelten die Ladeklappe mit einer Kette und forderten 300 Mark. Schulz und Kollegen mussten die Wogen wieder glätten. "Manchmal war es ein Kampf", sagt er. Jedoch einer, der sich lohnte. Viele Ideen wandelten sich unter seiner Ägide zu Traditionen. "Mein Motto ist: Lasst uns alles probieren! Wenn es nicht klappt, lässt man es eben im nächsten Jahr wieder." Allen voran die Buttons und der Jazz-Point aber sind wie der Flohmarkt zu unverkennbaren Markenzeichen des Straßenfests geworden.

Einen Kollegen hat Schulz gerade für den Auf- und Abbau immer an seiner Seite: Walter Däumling vom Bauhof, der seit 1990 die Nummern der Flohmarktstände auf die Straße schreibt. Doch auch für den 63-Jährigen ist das Straßenfest diesmal sozusagen die letzte Ehrenrunde. Am 20. September geht Däumling in den Ruhestand: Seit dem 1. Juli 1980 ist er bei der Stadt tätig. "Das sind exakt 39,4 Jahre", rechnet er vor. Und mit Zahlen kennt er sich aus, schließlich musste er Jahr um Jahr die exakten Zwei-Meter-Markierungen für die Standplätze einzeichnen. "Früher hat das eine ganze Woche beansprucht, mittlerweile schaffe ich das in zwei Tagen. Einen genauen Plan brauche ich dafür gar nicht mehr. Den habe ich im Kopf", sagt der städtische Mitarbeiter.

Und weiß auch neugierige Fußgänger zu erheitern. Auch wenn er jedes Jahr die Markierungen vornimmt, kämen immer wieder die gleichen Fragen. Also machte sich Däumling irgendwann einen Spaß daraus: "Ich zeichne Smart-Parkplätze ein", witzelte er, wenn er gefragt wurde, was er da mache - und die Leute verstanden. Ob Kerwe oder Mathaisemarkt: Stets übernahm der 63-Jährige den Auf- und Abbau der Absperrungen sowie die Beschilderung - und somit auch einen der undankbarsten Jobs eines jeden Volksfestes, das Aufstellen von Halteverboten. "Das hat mir aber nie jemand übel genommen", sagt er.

Ob man bei so viel Vorarbeit das Fest überhaupt genießen kann? Däumling: "Schwierig. Wenn man irgendwo vorbeiläuft, und sieht, dass noch ein Schild fehlt, ist man wieder im Arbeitsmodus. Und wenn alle anderen ins Bett gehen, müssen wir wieder raus, die Straßen sauber machen." Umso mehr freut er sich auf den Ruhestand - und auf einen schönen Nebeneffekt. Etwas, was in den letzten 40 Jahren kaum möglich war: beim nächsten Mathaisemarkt oder Straßenfest einfach mal ausschlafen.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung