01.09.2019

Die Federweißer-Lese hat schon stattgefunden

Winzergenossenschaft liefert Federweißer an Winzerkeller in Breisach - Weingut Wehweck will bis zum Straßenfest Neuen Wein anbieten

Schriesheim. (fjm) Während der Lesebeginn näher rückt, sind die ersten Rebzeilen in den Schriesheimer Weinbergen schon abgeerntet: Am Dienstag hat die Winzergenossenschaft mehr als 40 Tonnen Trauben ins südbadische Breisach geliefert, um sie dort zu Federweißer, auch Neuer Wein genannt, verarbeiten zu lassen. "Das ist weniger als im Vorjahr, zumal einige der Lagen im Frühjahr von Frostschäden betroffen waren", sagt Winfried Krämer, Aufsichtsratschef der Winzergenossenschaft.

Auch der Zuckergehalt der Trauben lag niedriger als im rekordverdächtigen Jahr 2018, als durch viele Sonnenstunden und eine lange Wärmeperiode im Spätsommer die Oechslewerte stiegen. "Letztes Jahr hatten die Trauben zu diesem Zeitpunkt 75 Grad, jetzt waren es etwa 65", sagt Krämer. Die Federweißer-Lese musste dennoch schon am Dienstag stattfinden, um die Absprachen mit dem Badischen Winzerkeller einzuhalten. Dort lässt die Winzergenossenschaft ihre Weine ausbauen. Den Federweißer vertreibt der Winzerkeller dann ohne Herkunftsbezeichnung weiter.

Was den offiziellen Lesebeginn angeht, ist Krämer optimistisch. "Die Menge wird geringer sein als im vergangenen Jahr, aber die Qualität könnte gut werden", sagt er. "Wenn die Nächte lauwarm und die Tage trocken sind, wird das die Säure stabil halten." Sollte es tagsüber aber zu heiß werden, können die Trauben heftigen Sonnenbrand davontragen. "Da ist schon mehr als ein Viertel in den äußeren Reihen verbrannt", sagt Krämer.

Neuen Wein aus Schriesheim hat auch Karl-Heinz Wehweck jedes Jahr im Angebot, mit der Lese begonnen hat er aber noch nicht. "Mit einem Vollernter geht das bei den Temperaturen", sagt er. "Aber wenn ich bei knapp 40 Grad Erntehelfer da rausschicke, kippen die mir aus den Latschen."

Die Trauben der Sorten Dornfelder und Weißburgunder, die Wehweck für seinen "Neuen" verwendet, lässt er daher noch ein wenig reifen. "Wir haben das Ganze im Auge", sagt er. "Spätestens zum Straßenfest wird es auf jeden Fall wieder Neuen Wein geben." Wehweck sieht aber keinen Grund für Hektik: "Der Termin wird jedes Jahr früher, aber Mitte August will kaum jemand schon Neuen Wein trinken. Da mache ich mich nicht verrückt."

Sorgen bereitet den Winzern dagegen die Auswirkungen der Trockenheit im vergangenen Sommer. Laut Krämer fehlen im Unterboden der Weinberge 300 Liter Niederschlag pro Quadratmeter. "Das führt ganz schnell zu Trockenschäden: Ist es ein, zwei Tage mal richtig warm, sieht man das den Jungreben schon an", sagt der Aufsichtsratsvorsitzende.

Dennoch will die Winzergenossenschaft mit dem offiziellen Lesebeginn noch ein wenig warten: Als Zeitfenster nennt Krämer die Woche zwischen 16. und 23. September. "Wir können uns vorher also auf verschiedene Messen und das Straßenfest konzentrieren." Wann genau mit der Ernte der frühen Rotwein-Sorten Dornfelder und St. Laurent begonnen wird, hängt letztlich aber - wie so häufig im Weinbau - vom Wetter ab.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung