01.09.2019

Ein Mann für 36 Schilder

Karl Balmert restauriert geschnitzte Wegweiser auf dem Branich

Von Nicoline Pilz

Schriesheim. Sie sind etwas Besonderes, Hingucker auf jeden Fall, die selbst geschnitzten Wegweiser auf dem Branich: Sie bilden mit einem kleinen Augenzwinkern die jeweiligen Straßennamen ab, zeigen beispielsweise einen Mann, der von hinten seinen Pferdekarren schiebt. Kein Wunder, die Straßen auf dem Branich sind meist richtig steil, mittlerweile aber natürlich asphaltiert. Das war nicht immer so. "Früher waren die Straßen hier oben nicht befestigt. Für uns hat es gelangt, es gab ja eh nicht viel", sagt Karl Balmert, der langjährige frühere stellvertretende Vorsitzende der Branich-Interessengemeinschaft (BIG).

Als der Berg Mitte der 1940er-Jahre immer mehr zum Zufluchtsort heimatlos gewordener Städter und von der Gartenlaubenkolonie zur Wohnsiedlung wurde, waren die Anfänge bescheiden und die Wände der Häuschen aus mit Schlacke hergestelltem porösem Stein. Geld für Straßenschilder aus Metall war keines da. Karl Schmitt, Jäger, Maler Musiker und Stimmungskanone, hatte die Idee, Straßenschilder aus Holz aufzustellen. Frieder Schoenel, damals erster Vorsitzender der BIG, war einverstanden. Schmitt schnitzte und bemalte die Schilder selbst, der Verein finanzierte das Ganze über eingeworbene Spenden. Rund 1000 Mark kostete seinerzeit ein handgemachtes Holzschild.

Umso ärgerlicher, sagt Karl Balmert, dass der Verein von Anfang an mit Vandalismus und Diebstahl zu kämpfen hatte. Mal war ein Schild mit schwarzer Farbe beschmiert, ein anderes Mal fuhr jemand das große Willkommensschild an der Auffahrt zum Branich um. "Vermutlich ein Lastwagen, aber der ist abgehauen", sagt Balmert. Erwischt hat man nie jemanden. Auch nicht die Diebe, denen die Schilder offenbar als Souvenir ganz gut gefielen. Was das Entwenden eines Schildes "Zum Institutweg Gymnasium Sigmund" angeht, so hat er einen Verdacht. Er vermutet, dass Schulabgänger das Schild entwendet haben könnten, sagt aber auch: "Beweisen kann man das nicht." Der Erhalt der liebevoll gestalteten Schilder ist Balmerts Passion. Nach einigen Jahren, in denen sie der Witterung ausgesetzt sind, platzt die Farbe ab. Teile der Schnitzereien werden morsch. Dann legt der heute 81-jährige frühere Kreisjägermeister Hand an und repariert. "Das Schnitzen ist eine aufwendige Geschichte", sagt er. Und man brauche Platz für die Lagerung von Holz und zum Schnitzen. "Das macht eine Riesensauerei."

Dennoch macht er es, weil ihm die Schilder am Herzen liegen. "Man sieht so etwas ja nicht oft. Das ist schon ein Alleinstellungsmerkmal für den Branich", findet Balmert. Erst vor Kurzem hat er wieder ein Straßenschild für den Branichweg repariert und restauriert. Nach der Reparatur hilft ihm Franz-Josef Nelles, die guten Stücke wieder aufzustellen. Isabel Blessing-Peest habe oft das Nachmalen der Schnitzereien und der Schriften übernommen, sagt Balmert. Aber die BIG muss die Kosten im Blick behalten. Aus 1000 Mark Anschaffungskosten pro Schild seien heute 2000 Euro für eine Erneuerung geworden. "Eine finanzielle Unterstützung wäre gut - als Patenschaft für ein Schild oder als Spende, denn ohne geht es nicht. Holz und Farbe kosten", bittet der ehrenamtliche Restaurateur um Mithilfe potenzieller Sponsoren.

36 Schilder seien es insgesamt, meint Balmert weiter. Und von diesen warten weitere auf Restaurierung, obwohl er allein kaum nachkommt. "Die Schrift hält halt nicht so lange, die Schnitzereien muss man dann ausbessern. Nach zehn, 15 Jahren muss man schon etwas machen. Vorausgesetzt, das Schild wird nicht schon vorher beschädigt", sagt der frühere Kfz-Meister. Für die Arbeit von Karl Schmitt hegt er Bewunderung: "Der Mann konnte was." Im Hause Balmert hängen Bilder des Künstlers, die detailgerecht und mit feinen Strichen Waldszenen mit Rehen und Wildschweinen zeigen.

Copyright (c) rnz-online

Autor: Rhein-Neckar-Zeitung