12.09.2019

Tretroller in Schriesheim: Das etwas andere Verkehrsmittel

Tretroller in Schriesheim: Das etwas andere VerkehrsmittelElektroroller sind vor allem in den Innenstädten mittlerweile im Einsatz - Die akkufreie Variante kennen dagegen nur wenige

Armin Schlager (r.) ist Besitzer eines Tretrollerladens in Schriesheim. "Mit dem Roller ist man deutlich vielseitiger als mit dem Fahrrad", meint er im Gespräch mit RNZ-Mitarbeiter Florian Busch. Foto: Dorn

Von Florian Busch

Schriesheim. Rechts und links fliegen die Häuser vorbei, der Wind streicht durch die Haare. Zu Beginn ist noch volle Konzentration gefragt, um nicht die Balance zu verlieren und umzufallen. Ist die Gewöhnungsphase dann aber vorbei, schlägt das Fahren in großen Spaß um.

"Tretroller sind so ein bisschen back to basic", schwärmt Armin Schlager und meint damit den einfachen Aufbau der Scooter. Der 50-jährige Hobby-Fahrer baut bereits seit sechs Jahren in seiner Freizeit individuell angefertigte Stücke und verkauft diese.

Vor 21 Jahren kam der gebürtige Karlsbader an die Bergstraße. Seit 15 Jahren wohnt er nun in Schriesheim. "Ich bin schon immer gerne Fahrrad gefahren", erzählt Schlager. Irgendwann entschloss er sich deshalb dazu, sich selbst ein Rad zu bauen, da er beim Kauf von der Stange jedes Mal Kompromisse eingehen müsse. Mit der Zeit kamen immer mehr Leute auf ihn zu und wollten auch ein echtes "Schlager-Rad" haben, weshalb er 2010 nebenberuflich einen kleinen Laden eröffnete. 2013 machte ihn dann ein Kunde auf die Tretroller aufmerksam, auf die er sich seitdem spezialisiert hat.

Im Vergleich zum Fahrrad bringe der Tretroller einige Vorteile mit sich: "Mit dem Roller ist man deutlich vielseitiger als mit dem Fahrrad", meint Schlager, der fast jeden Tag in Heidelberg unterwegs ist. Man falle schneller auf und sei somit weniger gefährdet, von einem Auto geschnitten zu werden. Außerdem sei er durch sein geringeres Gewicht handlicher und leichter zu transportieren, würde gleichzeitig aber seltener geklaut. Auch der gesundheitliche Aspekt spiele eine Rolle: "Beim Fahrrad braucht man ja nur die Beine", sagt der Schriesheimer, wohingegen beim Tretroller nahezu alle Körperteile in Anspruch genommen werden müssten.

Dies sei auch ein Grund, weshalb Schlager vom aktuellen Hype um E-Scooter nicht viel hält. Außer dem Lenken müsse man während der Fahrt nicht viel mehr tun als zu stehen. "Das sind reine Spielzeuge", meint er. Problematisch seien auch die Akkus. Diese seien, nachdem sie kaputt gegangen sind, schwer zu entsorgen. Schlager würde den "Bioroller" deswegen jederzeit einem E-Scooter vorziehen.

Deren aktueller Höhenflug hat aber auch positive Konsequenzen für Schlagers Laden. Denn viele Menschen würden sich momentan nach Alternativen zu elektrischen Rollern erkundigen und früher oder später auch bei ihm landen. Zurzeit verkaufe er deswegen im Schnitt drei Roller pro Woche. "Ich bin nicht ganz unfroh darüber", sagt er und lacht.

Obwohl die "normalen" Scooter im Vergleich zu ihren elektrischen Varianten bis jetzt eher unbekannt sind, gibt es sie in vielen Variationen und unterschiedlichen Ausführungen: vom "Allrounder", dem Tourenroller für den täglichen Gebrauch, über die Offroadvariante bis hin zum Rennroller. Die wohl außergewöhnlichste Variante ist der "Dogscooter". Dieser ist so konstruiert, dass man seinen Hund, mit der Leine am Roller befestigt, vor sich her führen und selbst hinterherfahren kann.

Mit den Scootern werden auch sportliche Wettbewerbe betrieben. Neben eigenen "Tretrollercups" fanden am Sonntag schon zum sechsten Mal die deutschen Tretrollermeisterschaften statt. Die Teilnehmer konnten dabei in unterschiedlichen Disziplinen antreten. Zum einen gab es ein Staffelrennen in Viererteams, zum anderen ein etwa 15 Kilometer langes "Jedermannrennen". Die Hauptattraktion war allerdings das große Rennen über 50 Kilometer, bei dem ein etwa sieben Kilometer langer Rundkurs abgefahren werden musste. Auch Armin Schlager nahm schon zum zweiten Mal an diesem Wettkampf teil. Der Schriesheimer errang 2018 noch den zweiten Platz, dieses Mal musste er jedoch wegen einer im Voraus erlittenen Verletzung nach zwei Runden vorzeitig abbrechen.

Nach eigenen Angaben verbringt Schlager zehn bis 20 Stunden in der Woche mit seinem Hobby. An den einen oder anderen komischen Blick müsse man sich zwar gewöhnen, wenn man mit dem Roller unterwegs ist. Ihn freue aber vor allem, dass Viele interessiert stehen blieben und ihn ansprechen würden. "Die meisten sind positiv fasziniert", sagt er.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung