17.09.2019

Weinlese in Schriesheim: Seit Montag rollen wieder die Traktoren

Winzergenossenschaft begann Weinlese - Start mit Müller-Thurgau

Von Nadine Rettig

Schriesheim. Schon um 6.15 Uhr ratterten am Montagmorgen die ersten Traktoren zum Kelterhaus der Winzergenossenschaft und lieferten damit den Startschuss für die Lese der Winzer. Tobias Heberle war der Erste, der an diesem Morgen die Lese für den Müller-Thurgau einbrachte, und die stolzen 89 Grad Oechsle zeigten, dass der Lesezeitpunkt richtig gewählt war. Denn eigentlich war der Lesebeginn erst für die kommende Woche angesetzt worden, doch die Witterungsbedingungen sorgten für eine kurzfristige Änderung der Pläne.

"Der Niederschlag am Kerwewochenende mit bis zu 43 Litern pro Quadratmeter und die anschließenden heißen Temperaturen waren zu viel für die Trauben", erklärte Harald Weiss, Geschäftsführer der Winzergenossenschaft. Und auch Aufsichtratschef Winfried Krämer wusste, dass die Hitze während des Tages und die Feuchte in der Nacht keine idealen Bedingungen für die Trauben schaffen. Man habe am Samstag letztlich erkannt, dass den Trauben Fäulnis droht. Und um diese zu vermeiden, fiel am Wochenende die Entscheidung, den Beginn der Lese um eine Woche vorzuverlegen.

Grund zur Sorge sieht Weiss deshalb allerdings nicht. Oechslewerte im hohen Achtziger-Bereich zeigen, dass die Trauben auch in dieser Woche schon reif für die Ernte waren. "Das ist wirklich ein schönes Ergebnis, die Trauben sind gesund", lautete sein zufriedenes Fazit. Und auch wenn die Lese nun um eine Woche vorgezogen worden sei, liege man damit noch im Jahresschnitt. "Das ist alles absolut im normalen Bereich", fand auch Krämer.

Auch die Kirschessigfliege habe man in diesem Jahr mit dem simplen Einsatz von Backpulver einbremsen können. "An den Reben hängt auch wirklich ein schöner Ertrag, dieses Jahr sieht bis jetzt alles nach einer Superqualität aus", freute sich Weiss auf die fruchtigen Weine. Und die Trauben dafür lieferten die Winzer an diesem Vormittag im Akkord.

Schon früh bildete sich eine Schlange aus Traktoren, die weit über die Auffahrt der Kelterhalle hinausreichte. Alle zogen Anhänger, in denen die Trauben lockten. Doch wie die Trauben gelesen worden waren, variierte. Während manche Winzer auf Vollernter setzen, werden bei anderen die Trauben noch per Hand abgezupft.

Heiko Jost und sein Vater Heinrich aus Leutershausen setzen inzwischen seit fast zehn Jahren auf den Vollernter. "Was ich damit in einer halben Stunde mache, hätte ich früher in einem ganzen Tag mit 15 Helfern geschafft", erklärte Heinrich Jost und warf einen Blick in den 5000 Liter fassenden Bottich. Dass sich indes nicht jeder Weinberg zur Lese mit dem Vollernter eignet, weiß Werner Merkel. "Wenn man mit dem Vollernter nicht hinfahren kann, braucht es doch wieder die Hand." Doch auch wenn er wisse, dass die Lese per Vollernter eine Erleichterung wäre, schätze er die Nostalgie, die die Lese per Hand mit sich bringe. "Man erzählt einander Witze und vespert.

Für mich gehört das dazu." Die Suche nach Erntehelfern werde allerdings von Jahr zu Jahr schwieriger. Er frage meist Leute, die er kenne. Dieses Jahr habe er zwei Helfer auf dem Straßenfest rekrutiert. Doch egal, ob per Handlese oder mit dem Vollernter, die Winzer sorgen dafür, dass schon am ersten Lesetag rund 90.000 Kilo Erntemenge zusammenkamen.

Und der erste Tanker mit 24.500 Litern rollte schon am Montagabend zum Badischen Winzerkeller nach Breisach. In 19 weiteren Lesetagen will die Winzergenossenschaft die restliche Ernte einfahren. Dafür stehen nun heute St. Laurent und morgen Dornfelder auf dem Plan. Bis es den Wein zu kaufen gibt, müssen sich Weinliebhaber noch bis Anfang 2020 gedulden. Anderes gilt für den Federweißer: Den gibt es schon ab dem heutigen Dienstag im Kelterhaus.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung