23.09.2019

Weinwanderung in Schriesheim: Selbst der Seitenwechsel aus der Pfalz fiel leicht

Weinwanderung in Schriesheim: Selbst der Seitenwechsel aus der Pfalz fiel leicht

Bei bestem Spätsommerwetter machten sich am Sonntag Tausende zur 23. Weinwanderung auf den Weg in Schriesheims schönste Lagen

Tiefenentspannt: Auf dem Planwagen bei Winzer Georg Bielig ließ es sich bei einem Viertel Wein gut pausieren. Foto: Dorn

Von Karin Katzenberger-Ruf

Schriesheim. "Wir wollten einfach mal die Seiten wechseln und den Ausblick in die schöne Pfalz genießen", scherzt Doris aus Bad Dürkheim, die mit ihrem Mann Dieter zur Weinwanderung nach Schriesheim gekommen ist - zum ersten Mal. Eine Freundin aus Weinheim gab ihr den Tipp. Man wird sich später an Station 10 beim "Wehweck" treffen, weil es dort neuen Wein und Zwiebelkuchen gibt. "Mal gespannt, wie der Kuchen schmeckt. Ich backe selbst welchen und weiß, was das für eine Arbeit ist", sagt Doris.

Kurz vor 13 Uhr hat es das Ehepaar aus der Pfalz jedenfalls schon bis zur Strahlenburg geschafft und nimmt nun die letzte Steigung Richtung Weinberghütte in Angriff, wo das Hotel-Restaurant "Schönes Ludwigstal" Wildragout auf der Speisekarte hat. "Wir sollten uns vielleicht eine Portion teilen, damit im Bauch noch Platz für den Zwiebelkuchen ist", schlägt Dieter vor. Andererseits: Wer gut isst, kann auch mehr trinken. Und am Wegesrand warten viele Verlockungen. Die Promillegrenze müssen Doris und Dieter nicht beachten, sie besitzen die "Karte ab 60" und sind mit dem öffentlichen Nahverkehr unterwegs. "Mir drinke awwer nur so viel, dass ma noch grad laafe kenne", versichert Dieter. Die 23. Weinwanderung ist vom Wetter verwöhnt: Es ist angenehm warm, aber nicht schwül, regnen soll es - wenn überhaupt - erst abends oder nachts. Erstmals werden nur drei statt bisher sechs geführte Wanderungen angeboten. Die ab 12 Uhr übernimmt Klaus Urban als Mitglied des Verkehrsvereins. Für die acht Kilometer kalkuliert er rund vier Stunden ein, eine jeweils viertelstündige Pause an jedem Stand inklusive. Und wie hoch ist der Schwund unterwegs? "Wenn ich mit 30 Leuten starte, komme ich meistens nur mit sechs oder sieben an der Endstation an", gibt er zu.

Doch das ist ja auch in Ordnung so. Wem es an einem Ort besonders gut gefällt, darf sich gern ausklinken. Urban möchte die Führung auch nicht mit Fakten rund um den Weinbau überfrachten. Kurz vor der jeweiligen Station sagt er ein paar Sätze. Für seine Tour kündigt er einen kleinen Umweg an: "Wir gehen jetzt erst mal den Bachsteg entlang, den kennen viele Auswärtige nicht." Urban weiß viel über Schriesheim, gibt aber zu, eher "Weintrinker" als Weinkenner zu sein.

Fragen zum Anbau, zu Rebsorten und mehr können die Winzer vor Ort besser beantworten als er. Als Wanderführer hat er dafür jede Menge Trinksprüche und auch eigene Reime im Gepäck, zum Beispiel: "Wenn Du einen Onkel hast und der hat gute Weine, dann sorge, dass er dich nicht hasst, sonst trinkt er sie alleine."

Joachim Müller, zweiter Vorsitzender des Verkehrsvereins, ist ein prima "Animateur" und informiert via Mikrofon am Start vor dem Rathaus alle Neuankömmlinge über das Programm. Es soll übrigens einige Menschen geben, die die Weinwanderung in umgekehrter Folge machen, also an Station 10 beginnen. Zu denen gehören Stefan und Silke aus Heidelberg. Ihre Gewinnspielkarte wird deshalb rückwärts abgestempelt. Durchhalten wollen die beiden aber. Schließlich kommen nur Karten mit zehn Stempeln in die Verlosung.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung