28.09.2019

"Bei schönem Wetter kann ja jeder"

"Bei schönem Wetter kann ja jeder"

Bürgermeister Höfer und seine Helfer nahmen die Madonnenberg-Weinlese im Regen vor – Der guten Stimmung tat das keinen Abbruch

Wie aus einer Bierlaune eine Weinlese entstand, berichteten Bürgermeister Hansjörg Höfer und die anderen Freiwilligen, die sich ebenfalls nicht von den gestrigen Regenschauern abschrecken ließ. Foto: Dorn

Von Nicoline Pilz

Schriesheim. Zwei Dinge waren besonders bei dieser Weinlese im Madonnenberg: Der übliche Termin war von Samstag auf Freitag vorverlegt worden, und es regnete. "Bei schönem Wetter kann jeder", war Dieter Kolb, einem der Paten des rund 30 Ar großen Wingerts des Vereins Weinbau Madonnenberg, das Lachen trotzdem nicht vergangen. Tatsächlich blieb den ehrenamtlichen Erntehelfern nur eine kurze Pause, bis der Himmel wieder seine Schleusen öffnete. Erst zaghaft, dann immer kräftiger. Kein Vergleich zum letzten Jahr, als Sonne und Wärme die Lese begleiteten.

Zehn bis 15 freiwillige Helfer trafen sich gestern Morgen, um zunächst drei Stunden sorgsam Henkel für Henkel abzuschneiden, anzuschauen und allerbestes Lesegut in die nebenstehenden Bottiche zu legen. Der im Oktober 1989 gegründete Verein lässt aus den Riesling-Trauben in Breisach den beliebten Winzersekt ausbauen. "Er schmeckt gut und verkauft sich gut. Das haben wir jüngst bei der Weinwanderung wieder feststellen dürfen", meinte Fred Dietzel. Der trockene Winzersekt sei ein Alleinstellungsmerkmal für den Verein.

Neulinge wie Ilvesheims Bürgermeister Andreas Metz, der mit leichter Verspätung gemeinsam mit Schriesheims Stadtoberhaupt Hansjörg Höfer auf den Berg kam, erfuhren, dass die roten Trauben nicht mitverwertet werden. Dementsprechend schaute auch Gemeinderat Bernd Hegmann seine Ausbeute noch einmal genau durch. Zu welcher Sorte die roten Trauben gehören, wisse keiner, meinte Dieter Kolb. Und ergänzte: "Madonnenberg Spezial". Es wurde gescherzt, die Stimmung war heiter. Die Helfer erwogen, Schriesheims Bürgermeister fürs Foto in den Anhänger zu legen, den die Erntehelfer vom Obsthof Volk auf dem steilen Weg gestellt hatten. "Und dann singen wir ,Die Wanne ist voll’", schlug einer der Weinberg-Paten launig vor.

Höfer lachte und sein Kollege Metz überlegte, ob er mit oder ohne Handschuhe Trauben lesen soll. "Ohne ist eklig. Da werden die Hände so schnell klebrig", riet man ihm. Gabriele Wolters und ihr Ehemann Walter schätzen an dem jährlichen Lesetag vor allem die Geselligkeit und die Gemeinschaft der Paten. "Ich bin Pate einer bestimmten Rebe - irgendwo dahinten", erzählte Vereins-Schatzmeister Wolf-Diether Burak. Und sagte: "Ich bin ja quasi der Erfinder des Weinbergs."

Entstanden ist die Idee zur Ernteaktion bei der Eröffnung des Technoseums, als der Nachschub beim Gerstensaft recht karg ausfiel. "Wir saßen da und dachten, wie schön es wäre, jetzt eine eigene Brauerei zu haben. Und Bürgermeister Höfer meinte, er würde einen Weinberg tauschen." Aus dieser Bierlaune heraus entstand der Gedanke, einen Weinberg auf historische Weise zu bewirtschaften. Angesichts der Tatsache, dass früher diverse Mittel in Weinbau und Landwirtschaft eingesetzt wurden, die als wenig gesund gelten, kam man davon ab. "Die Trauben sehen gut aus. Dieses Jahr sind sie etwas fester", meinte derweil Dieter Kolb und steckte eine der süßen Früchte in den Mund. "Bei der Lese merkt man erst, wie viel Arbeit im Produkt steckt", meinte er.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung