05.10.2019

So lief die Diskussion zum Kirchenstreik "Maria 2.0"

So lief die Diskussion zum Kirchenstreik "Maria 2.0"

Großes Interesse an Diskussionsforum - Kampf um Teilhabe soll weitergehen - Initiatorinnen wollen auch die Männer zum Mitmachen bewegen

Theologie-Professor Joachim Maier (2.v.l.) ermutigte die Frauen, weiter auf ihre Forderungen aufmerksam zu machen. Foto: Dorn

Von Nadine Rettig

Schriesheim. Als im Mai die Bewegung "Maria 2.0" für bundesweites Aufsehen sorgte, beteiligten sich auch viele Frauen der katholischen Frauengemeinschaft (kfd) in Schriesheim und Dossenheim an den Protesten: Sie legten für eine Woche ihre Ehrenämter nieder und organisierten Gottesdienste, die außerhalb der Kirchenmauern stattfanden. Nun, ein halbes Jahr später, beschäftigte sich das Forum "Christlicher Glaube in Kirche und Welt", das regelmäßig im kleinen Pfarrsaal abgehalten wird, mit dem Thema.

Das von Markus Enzinger, Alfred Flöser und Joachim Maier ins Leben gerufene Treffen war einst aus der Idee entstanden, eine Plattform zu schaffen, um Themen zu diskutieren, die in dieser Form in den Gottesdiensten meist nicht angesprochen werden. Der Abend unter dem Titel "Maria 2.0 - und was nun?" stieß auf reges Interesse: Der kleine Pfarrsaal war bis auf den letzten Platz gefüllt. "Ich glaube, es war noch nie so voll, dass wir noch extra Stühle dazustellen mussten", freute sich Enzinger über die Resonanz.

Dies mache jedoch auch deutlich, wie wichtig das Thema für die Kirche und ihre Mitglieder sei. Dorothee Kuhn von der kfd Dossenheim, eine der Initiatorinnen der Bewegung an der Bergstraße, vertrat eine klare Meinung: "Wir Frauen wollen aktiv werden. Wir klagen nicht nur, wir handeln auch."

Besonders wichtig sei ihr dabei aber herauszuheben, dass sich die Frauen mit der Teilnahme an der Bewegung nicht gegen die Kirche stellen wollten, sondern vielmehr für deren Zukunft kämpften. Kritiker, deren Position Alfred Flöser in einem Vortrag vorstellte, sagen, dass die Frauen mit ihren Aktionen nur der Kirche schaden würden und die Bewegung nicht glaubenstreu sei.

Doch viele der Frauen, die an diesem Abend in den kleinen Pfarrsaal gekommen waren, um darüber zu diskutieren, wie man die Bewegung "Maria 2.0" auch in Zukunft in den Gemeinden gegenwärtig halten könne, schlossen sich der Meinung Kuhns an. "Ich wünsche mir ein Umdenken und einen Dialog auf Augenhöhe", erläuterte Kuhn ihre Ziele, die sie offenbar mit vielen weiteren Gästen des Forums teilte.

"Was verliert man an Macht, wenn man andere daran teilhaben lässt?", fragte eine Besucherin in die Runde und erntete von ihren Mitstreiterinnen Applaus. Und die anderen Frauen machten, wie Kuhn auch, deutlich, dass sich die Bewegung "Maria 2.0" nicht gegen die Kirche selbst wende, sondern gegen ihren Machtapparat. "Es ist einfach ein Thema, das längst überfällig ist", war die klare Meinung. Genau deshalb müsse man nun offensiv werden und durch direkte Kommunikation versuchen, mit Frauen ins Gespräch zu kommen und die übrigen Gemeindemitglieder ebenfalls für das Thema zu sensibilisieren.

Auch Theologie-Professor Joachim Maier sagte: "Änderungen haben sich immer nur dann durchgesetzt, wenn genügend da waren, die etwas gemacht haben." Pfarrgemeinderatsvorsitzender Detlev Aurand riet den Frauen, hier ihre Chancen wahrzunehmen und davon zu profitieren, dass auch Pfarrer Ronny Baier offen für solche Anregungen wäre. So wurden sich im Laufe des Forums alle Teilnehmer einig, dass die Bewegung "Maria 2.0" auch in Schriesheim und Dossenheim nur weitergehen könne, wenn Männer und Frauen zusammenarbeiten und gemeinsam die Ziele der Bewegung verfolgen. Maier wandte sich indes am Ende des Forums noch mit einem Aufruf zu weiteren Aktionen an alle Beteiligten: "Die Praxis ist am Ende das, was das Bestehende verändern wird."

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung