09.10.2019

Steinwürfe auf Schriesheimer Häuser: Die Lage in den Weinbergen hat sich beruhigt

Steinwürfe auf Schriesheimer Häuser: Die Lage in den Weinbergen hat sich beruhigtDer Jugendlichen-Treffpunkt am Kuhberg bleibt ein Ärgernis für die Anwohner - Vor allem das Müllproblem ist geblieben

Glasflaschen, Verpackungen, Papiertüten: Vor allem im Sommer wird der Platz am Kuhberg oft vermüllt zurückgelassen. Foto: privat

Von Frederick Mersi

Schriesheim. "Im Frühjahr dachte ich schon, das wird ein wirklich heftiger Sommer", sagt Achim Weitz. Feiernde Jugendliche in den Weinbergen hatten die Anwohner schon länger genervt, doch am 22. März war die Situation eskaliert: Kurz vor 22 Uhr hatten Unbekannte Steine und Flaschen auf Häuser in der Oberstadt geworfen, die Polizei ermittelte wegen des Versuchs gefährlicher Körperverletzung. Rund sieben Monate später sagt Weitz: "Die Lage hat sich beruhigt."

In Zahlen heißt das: vier Beschwerden von Anwohnern wegen feiernder Jugendlicher am Kuhberg. "Ich weiß, dass für die Anwohner jede Störung eine zu viel ist", sagt Weitz. "Aber unsere Maßnahmen scheinen gegriffen zu haben." Erst blockierte die Stadt den Fußweg zur Burg am Eingang nahe dem Burgweg mit einem Bauzaun, dann machte sich Weitz abends mit Polizisten selbst ein Bild von der Lage. Die Situation wurde auch mit dem Revier in Weinheim besprochen, Streifen machten sich ab und zu auf den Weg dorthin, bevor etwas passierte.

Geblieben ist neben dem Lärm aus mobilen Lautsprechern bei den abendlichen Treffen vor allem ein Müllproblem. "An einem Morgen habe ich 13 Euro an Pfandflaschen auf dem Weg eingesammelt", sagt Sandra Merkel. Sie wohnt mit ihrem Mann Michael und ihren beiden Kindern im Burgweg. Michael Merkel ärgert sich als Winzer im Nebenerwerb doppelt über die Verschmutzung mit Flaschen, Verpackungen und Papiertüten. "Beim Mulchen zerspringen die Glasflaschen und die Splitter sind gefährlich für Kleinkinder und Hunde", sagt der 33-jährige Schriesheimer. "Früher hatte die Stadt noch einen Wildhüter, der sich darum gekümmert hat, dass das nicht passiert."

Sein Bruder Thomas Merkel, ein Jahr jünger, wohnt in unmittelbarer Nachbarschaft. "Wenn man hier mit dem Hund langgeht, schneiden die Glasscherben ihm die Pfoten auf", sagt er. Die Verschmutzung hat er mit Fotos dokumentiert, auch von den Jugendlichen selbst habe er Bilder gemacht, sagt er. "Als Warnung, falls an dem Abend etwas passiert." An besagtem Abend blieb die Lage ruhig, am nächsten Morgen war das Gelände sauber.

Auch Ordnungsamtsleiter Weitz traf bei seinem Besuch in den Weinbergen keine Jugendlichen an. "Der berühmte Vorführeffekt", sagt er. Als im März die Steine auf die Oberstadt fielen, traf die Polizei zwar noch Jugendliche an Ort und Stelle. Die verhielten sich einem Sprecher zufolge aber kooperativ und verwiesen auf eine andere Gruppe Feiernder, die inzwischen angeblich verschwunden war.

Einen Verdächtigen konnte die Polizei nicht ermitteln, der Fall liegt mit Anzeige gegen Unbekannt bei der Staatsanwaltschaft. Wer die Steine auf ihre Häuser geworfen hat, werden die Anwohner aller Voraussicht nach also nie erfahren. Seitdem habe es aber keine weiteren Vorfälle dieser Art gegeben, sagt einer von ihnen.

Hans Edelmann ist Ur-Schriesheimer und verpasst als Zuhörer kaum eine Gemeinderatssitzung. Der kurze Draht zum Rathaus half. "Im Moment ist alles in Ordnung", sagt Edelmann. "Aber das wird im Sommer wahrscheinlich wiederkommen."

Grundsätzlich haben auch weder die Familie Merkel noch Ordnungsamtsleiter Weitz etwas gegen die Treffen der Jugendlichen. "Wenn sie sich einfach am Riemen reißen und etwas Rücksicht nehmen würden, wäre das kein Problem", sagt Letzterer. "Aber wenn sich das Problem wieder verstärkt, werde ich auch selbst wieder rausgehen."

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung