12.10.2019

Endlich sicher!: Schriesheimer Fußgängerampel B3/Talstraße wurde umgebaut

Für Sehbehinderte ist die Ampelkreuzung nun kein Problem mehr. Zwölf Jahre hat es vom ersten Antrag bis zur Realisierung gedauert.

Von Manfred Ofer

Schriesheim. Was lange währt, wird endlich gut. Im Fall der neuen Ampelanlage an der Straßenkreuzung B3/Talstraße in der Ortsdurchfahrt trifft das zu. Diese wurde im Frühjahr so umgebaut, dass die besagte Querung auch für Blinde und Menschen mit einer Sehbehinderung kein Problem mehr darstellt. In einem Pressegespräch im Rathaus gaben sich Bürgermeister Hansjörg Höfer und die Vertreter der beteiligten Ämter mit dem Ergebnis zufrieden.

"Barrierefreiheit ist ein wichtiges gesellschaftliches Thema", machte Barbara Schenk-Zitsch vor diesem Hintergrund deutlich. Die Bürgerbeauftragte der Stadt räumte ein, dass so manche kommunalen Prozesse schwierig und langwierig sein könnten. Die Kreuzung habe lange in der Diskussion gestanden. Umso mehr freue sie sich, dass die Ampelkreuzung nun endlich bedarfsgerecht modernisiert werden konnte.

Das heißt im Detail, dass die Stadt die Anlage mit einem akustischen System versehen hat, das dauerhaft in Betrieb ist und dadurch Menschen mit einer Sehbehinderung ihren Standort anzeigt. Das Signal ändert sich immer dann, wenn die Taktung von Rot auf Grün umspringt. Außerdem wurde am Drücker der Ampel ein erhöhter Richtungsweiser in Form eines Pfeils angebracht, den man ertasten kann. "Das System funktioniert ähnlich wie die Tasthilfen für blinde Menschen, die in Museen angebracht sind", sagte die Bürgerbeauftragte.

Zwölf Jahre hat es vom ersten Antrag bis zur Realisierung des Ganzen gedauert. Schenk-Zitsch hatte sich im Juli 2007 noch in ihrer Funktion als Stadträtin dafür stark gemacht. Nach einer Verkehrstagfahrt hätten sich die beteiligten Sachverständigen und Parteien damals entschlossen, das Projekt beim zuständigen Landratsamt des Rhein-Neckar-Kreises als eine "pflichtige Angelegenheit" einzureichen.

In der Folge sollten jedoch noch weitere zehn Jahre verstreichen. Denn noch dringlicher als die Modernisierung der Ampelanlage war die barrierefreie Umstrukturierung des Bahnhofs in Schriesheim. Erst nachdem diese abgeschlossen war, rückte das aktuelle Projekt wieder in den Fokus.

Die Integrationsbeauftragte der Stadt, Karin Reichel, schilderte die Situation an der betreffenden Querung, wie sie sich für die Betroffenen jahrelang dargestellt hat. Die Geräuschkulisse durch den Straßenverkehr sei aber auch nach der Umrüstung Anfang 2019 noch so laut gewesen, dass im April eine Nachbesserung erfolgen musste: "Das Signal war zu Beginn einfach viel zu leise, sodass eine gefahrlose Querung nicht möglich war". Ein paar technische Einstellungen später sollte auch dieses Problem endgültig behoben sein.

Eine große Hilfe, das betonten alle, sei die Kooperation mit Katja Jag gewesen. Die Schriesheimerin, die seit dem zweiten Lebensjahr erblindet ist, ist als Lehrerin an der Blindenschule in Ilvesheim tätig. Sie sei es auch gewesen, die sich vor zwölf Jahren an Schenk-Zitsch gewandt und die heutige Bürgerbeauftragte auf das Problem an der Kreuzung aufmerksam gemacht habe.

Auch bei der Nachbesserung habe sie, wie Achim Weitz, Leiter des Ordnungsamtes, betonte, aktiv dazu beigetragen, die neue Ampel bedarfsgerecht zu verbessern. "Immer mal wieder hat sie das System getestet", sagte Weitz. Mit dem Ergebnis könnten nun alle Betroffenen zufrieden sein. Und noch eines ist nun Fakt. Ampeln, die zukünftig in Schriesheim installiert werden, sollen im Idealfall von Anfang an technisch so ausgestattet werden, dass sie von Sehbehinderten problemlos genutzt werden können.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung