14.10.2019

Hundertfache Solidarität mit Opfern von Halle

Rund 100 Menschen zeigten Flagge gegen Antisemitismus - Grüne Liste hatte zu Kundgebung aufgerufen

Schriesheim. (flb) "Die Geschichte kennt kein letztes Wort." Ein Banner mit dem Zitat von Altkanzler Willy Brandt wurde während der Mahnwache am Samstagabend vor der Evangelischen Kirche hochgehalten. Trotz des recht spontanen Aufrufs der Grünen Liste und des Nieselwetters waren etwa 100 Menschen gekommen, um sich mit den Opfern von Halle zu solidarisierten. Ein Mann hatte dort gewaltsam versucht, in eine Synagoge einzudringen. Anschließend tötete er zwei Menschen und verletzte weitere. Mittlerweile hat er die Tat ebenso gestanden wie Antisemitismus und Rechtsextremismus als Motive.

Auf den wenigen Stufen von der Kirchstraße zum Platz am Café "mittendrin" hinauf wurden Rosen niedergelegt und Lichter entzündet. Zwei Teilnehmerinnen hatten sich Schilder umgehängt, auf denen sie gegen Judenfeindlichkeit und Rechtsextremismus protestierten. Auf einem war "Wir hatten das schon einmal" zu lesen.

Um 18 Uhr versammelten sich alle in einem Kreis. Fadime Tuncer, Vorsitzende der Grünen Liste Schriesheim und Erste Stellvertreterin des Bürgermeisters, ergriff das Wort. Ihre Gedanken seien bei den Opfern, ihr Mitgefühl gelte der jüdischen Gemeinde. Es liege in der Verantwortung von eines jeden einzelnen, sich gegen Rechtsextremismus einzusetzen. "Nein zu Antisemitismus und Rassismus!". Im Anschluss bat Pfarrerin Suse Best darum, gemeinsam das Lied "Shalom chaverim" zu singen. Währenddessen sollten sich alle in die Augen blicken und sich voreinander verneigen. Das zeige Respekt und Wertschätzung.

Es folgten einige Minuten der Stille, in denen weitere Kerzen angezündet wurden, ehe Best ein "Herr, gib uns deinen Frieden" anstimmte. Zum Schluss dankte Tuncer den Teilnehmern. Dass es kurzfristig so viele wurden, mache Mut.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung