17.10.2019

Was tut die Stadt für die Armutsbekämpfung?

Vor zwei Jahren veröffentlichte Schriesheim ersten Sozialbericht - Seitdem ist schon einiges passiert

Von Florian Busch

Schriesheim. Im November 2017 veröffentlichte die Stadt zum ersten Mal einen Sozialbericht. In diesem wurde über die damalige Lage von Hilfsbedürftigen Menschen in Schriesheim aufgeklärt. Außerdem wurden unter anderem Zahlen zu den Gruppen genannt, die besonders armutsgefährdet sind. Darunter fielen damals 257 Arbeitslose, 522 Alleinerziehende, 1727 Menschen mit einer eingeschränkten Mobilität und etwa 3300 Menschen im Alter von über 65 Jahren.

Über die aktuellen Zahlen in Schriesheim könne man keine genauen Angaben machen, so die Leiterin des Sozialamts, Christine Söllner. Aus den Armutsberichten vom Land Baden-Württemberg bekomme sie teilweise gemeindespezifische Zahlen, wie etwa den prozentualen Anteil an Haushalten mit niedrigem Einkommen. Andererseits erhalte man Prozentangaben, die sich auf das gesamte Bundesland beziehen. Dazu zählt etwa der Anteil an Alleinerziehenden. Diesen Prozentsatz wende man dann auf die Schriesheimer an, um ungefähre Angaben zu den örtlichen Gegebenheiten machen zu können. Die Bevölkerungsstruktur im Ort habe sich seit 2017 jedoch wenig verändert, sagte Söllner.

Abseits der Zahlen könnte der spendenfinanzierte Sozialfonds ein Anhaltspunkt für die Lage im Ort sein. So habe man im Zeitraum von Oktober 2018 bis heute insgesamt 9990 Euro für Lebensmittelgutscheine und 1780 Euro für Schriesheimer Strahler, dem Gutscheinsystem von Geschäften und Gastronomien in Schriesheim, ausgegeben. Außerdem habe Söllner 84 Familien Tafelausweise ausgestellt. Im Zuge der Vorstellung des Sozialberichts Ende 2017 wurden nicht nur bloße Zahlen genannt. Es wurde auch über Initiativen und Pläne gesprochen, die die allgemeine Armut in Schriesheim bekämpfen sollen.

In dieser Hinsicht hat man bereits einige Erfolge feiern können. So ist man etwa zusammen mit der Stadt auf dem Weg, eine Lösung für den Motorschaden am Kühlfahrzeug des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) zu finden. Im Juni sagte das DRK der RNZ, die Reparaturkosten dafür würden etwa 9000 Euro betragen. Dies sei eine Menge Geld dafür, dass die DRK-Helfer pro Woche für zwei Fahrten mit ihrer mobilen Tafel nach Schriesheim kommen würden. Allerdings sei es wichtig, dass eine Tafel im Ort bestehen bleibe, so Söllner. Deswegen arbeitet sie mit der Stadt aktuell daran, eine stationäre Variante in Schriesheim zu schaffen. Das Rote Kreuz müsste nur noch einmal pro Woche kommen, um sie zu beliefern. Außerdem sei man nicht mehr auf gutes Wetter angewiesen, wie das bei der mobilen Tafel noch der Fall war.

Auch die Aktion "Zeitfenster" laufe sehr gut. Ehrenamtliche "Zeitspender" können Menschen in schwierigen Lebenslagen in verschiedenen Bereichen unterstützen. In einem Beispiel half jemand einem Bedürftigen dabei, diverse Anträge bei Ämtern zu stellen und suchte mit ihm die Schuldnerberatung auf. Über die Zeit sei eine Freundschaft zwischen den Beiden entstanden, so Söllner. Die Hilfe besteht nicht nur darin, den Menschen unter die Arme zu greifen. Sie dient auch dem Zweck, die Betroffenen wieder ein Stück in die Gesellschaft zurückzuholen.

In letzter Zeit zeichne sich eine Sache ganz besonders ab: "An bezahlbaren Wohnraum zu kommen, wird zunehmend problematischer", meinte Söllner. Deswegen hat die Stadt bereits im März 2017 das Projekt "Schriese fairmietet" ins Leben gerufen, um der Wohnraumknappheit etwas entgegensetzen und ärmeren Menschen bezahlbaren Wohnraum anbieten zu können. Registrierte Vermieter passen ihre Mietpreise an die finanziellen Mittel der Mieter an. Im Gegenzug erhalten die registrierten Vermieter zum Beispiel bei Sanierungsmaßnahmen Unterstützung von der Stadt und bekommen zudem eine "fünfjährige Mietausfall-Garantie". Die Resonanz auf das Projekt sei sehr positiv, so Söllner. Immer mehr Vermieter würden sich registrieren lassen.

Mit einer Neuauflage des Sozialberichts plant Sozialamtsleiterin Söllner im ersten Halbjahr 2020. Man wolle zunächst die weitere Entwicklung von "Schriese fairmietet" beobachten, bevor die Stadt einen weiteren Bericht veröffentlicht.

Info: Vermieter und Mieter, die sich für das Projekt "Schriese fairmietet" interessieren, können sich beim Sozialamt Schriesheim oder unter www.schriese-fairmietet.de melden.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung