21.10.2019

Begegnungskonzert verbindet Nationen

Begegnungskonzert verbindet Nationen

Austauschidee geht auf Schriesheimerin aus Tschechien zurück

Für das große Finale des Konzerts schlossen sich die Ensembles aus Schriesheim und Havlíckuv Brod aus Tschechien zusammen. Foto: Dorn

Von Manfred Ofer

Schriesheim. "Freude schöner Götterfunken!" Ein vielstimmiger Chor hallt durch das Kirchenschiff und läutet an diesem Abend den letzten Vorhang ein. Der Schlussakt des ersten tschechisch-deutschen Begegnungskonzerts spielte sich am vergangenen Mittwoch im evangelischen Gotteshaus in Schriesheim ab. Zuvor hatten die jungen Musiker zweier Gymnasien mehr als eine Stunde lang die Herzen ihres Publikums berührt und für Unterhaltung gesorgt.

Havlíckuv Brod ist eine Kleinstadt in Ostböhmen. Zwischen dem dortigen Gymnasium und dem Kurpfalz-Gymnasium (KGS) findet seit diesem Jahr ein Austausch auf musikalischer Ebene statt. Im März waren zuerst die deutschen Schüler im Nachbarland zu Besuch, vergangene Woche waren die Freunde aus Tschechien in Schriesheim zu Gast. Beide Male bildete ein gemeinsames Konzert den Höhepunkt der internationalen Begegnung.

Das Austauschprojekt geht auf eine Idee von Martina Grohmann zurück, die ursprünglich aus Havlíckuv Brod stammt und für kurze Zeit dort am Gymnasium als Lehrerin gearbeitet hat. Heute lebt sie mit ihrem Mann und zwei Kindern in Schriesheim. Vor zwei Jahren nahm sie Kontakt zu den beiden Schulleitungen auf und schlug einen Schüleraustausch vor. Der Kitt, der dieses Völker verbindende Projekt zusammenhalten sollte, stand schon früh fest: die Musik.

Einer der Söhne ihrer tschechischen Heimatstadt ist der Komponist Johann Stamitz, der im 18. Jahrhundert in die Kurpfalz kam und die frühklassische Mannheimer Schule ins Leben rief. Stamitz’ Wirken bringt heute die jungen Generationen zusammen.

Die Besucher aus Tschechien kamen für die Dauer ihres siebentägigen Aufenthalts bei den Familien der Mitglieder des KGS-Orchesters unter. Sie gehören dem offiziellen Schulchor von Havlíckuv Brod an und sind, wie ihre jungen Schriesheimer Kollegen, zwischen elf und achtzehn Jahre alt. Begleitet wurden sie unter anderem von Ensemble-Leiterin Alena Konradova. Für die ersten Takte des Divertimentos zu Schriesheim sorgte das hiesige Schulorchester unter der Leitung von Janette Schmid mit einem Satz aus dem populären Stück "Aus der neuen Welt" von Antonín Dvorák.

Anschließend erklangen böhmische und mährische Volkslieder, vorgetragen vom Chor aus Tschechien. Das Lied "Mela jsem holoubka" besaß einen hohen Wiedererkennungswert. Es handelte sich um das Stück "Danke", das einen internationalen Charakter hat, weil es sowohl in evangelischen als auch katholischen Gottesdiensten rund um den Globus oft und gerne gesungen wird. Nach dem tschechischen Chor ließen ein Pianist und Streicher aus Schriesheim das "Klavierquartett" des tschechischen Komponisten Josef Suk folgen.

Das große Finale bestand dann aus einem Zusammenschluss beider Ensembles. Neben "Ave verum" von Wolfgang Amadeus Mozart wurde die besagte "Ode an die Freude" von Ludwig van Beethoven angestimmt. Diese Hymne von Europa war nicht nur ein musikalischer Hochgenuss, sondern gleichzeitig auch ein starkes Symbol für den Zusammenhalt der Völker in stürmischen Zeiten.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung