26.10.2019

Auf Lösungssuche für einen vergessenen Spielplatz

Gelände am Altenbacher Zehntberg kann nicht saniert werden - Grund sind Eigentumsverhältnisse - Familien fordern baldiges Handeln

Von Florian Busch

Schriesheim-Altenbach. 1,8 von fünf Sternen bei der Suchmaschine Google, Rezensionen als "trostloses Katzenklo mit Scherben": Seit mehr als 40 Jahren gibt es den Spielplatz "Am Zehntberg" im Schriesheimer Stadtteil Altenbach, und dieses Alter sieht man ihm mittlerweile deutlich an. "Ich habe als Kind schon in dem gleichen Sandkasten gespielt", erzählte eine Mutter. Viele Eltern fahren mit ihren Kindern inzwischen lieber in andere Ortschaften zum Spielen.

Außer einer Rutsche gibt es nicht mehr viel, was die Attraktivität des Spielplatzes hochhalten würde. Wegen Sicherheitsrisiken wurden schon mehrere Geräte entfernt. Nicht nur die Eltern gehen deshalb inzwischen ungern auf den Spielplatz. Sogar die Kleinen selbst sind alles andere als begeistert: "Auf das blöde Ding?", zitierte eine Mutter ihr Kind.

Es muss sich also etwas ändern, um den Spielplatz für alle attraktiver zu machen. Die Stadt plante bereits, dort neue Spielgeräte aufzustellen. Im April dieses Jahres stellte die Verwaltung dann aber kurioserweise fest: Über das Gelände des Spielplatzes führt eine Zufahrt zu einem dahinterliegenden Grundstück. Außerdem gehört ein Abhang am Rand des Spielplatzes einem weiteren Privateigentümer. Zwar befindet sich der Hang auf dem Spielplatz und ist mit ihm zusammen umzäunt, gehört aber verwaltungstechnisch zu einem anderen Grundstück. Würde sich ein Kind auf dieser Fläche verletzen, müsste der Privateigentümer dafür haften.

Wegen dieser Erkenntnisse wurden die Planungen für die neuen Geräte fürs Erste verworfen. Die Zukunft des Spielplatzes ist nun ungewisser denn je. Um die Bürger am Lösungsprozess teilhaben zu lassen, lud die Stadt deswegen am Donnerstagnachmittag zu einer Begehung vor Ort ein. Neben Bürgermeister Hansjörg Höfer war auch mehrere Stadt- und Ortschaftsräte verschiedener Fraktionen anwesend. Das Interesse der Altenbacher Familien war groß, zahlreich waren Eltern mit ihren Kindern gekommen, um sich am Dialog zu beteiligen. "Das Überfahrtsrecht ist schon 30 oder 40 Jahre alt", sagte Christian Wolf, Fraktionschef der Grünen Liste im Gemeinderat. Heutzutage würde man auf solch einem Gelände keinen Spielplatz mehr eröffnen.

Bürgermeister Höfer zeigte sich überrascht. "Das ist ein absolutes Unding", sagte er. Hätte er schon früher davon gewusst, hätte er den Spielplatz sperren lassen. Bis Frühjahr gebe er sich und dem Rathaus noch Zeit. Sollte bis dahin noch keine Lösung gefunden worden sein, dann will er zumindest einen Teil sperren lassen, sodass der Abhang und die Zufahrtsstrecke außerhalb des Spielplatzes liegen. Für diesen Fall müsse eine Mauer verschoben werden, der Spielplatz würde deutlich kleiner werden.

Den Altenbacher Familien liegt das Gelände am Herzen. "Wir sind bereit, die Schaufel in die Hand zu nehmen", sagte eine Mutter. Altenbach brauche einen attraktiven Spielplatz, da sich dort die Familien kennenlernen und zusammenkommen: "Wir brauchen einen sozialen Treffpunkt", war die Bitte an die Stadt. Viele Väter und Mütter traten in eine offene Diskussion mit Höfer und Wolf oder präsentierten eigene Ideen. Der Vorschlag, geregelte Zufahrtszeiten einzuführen ist laut Höfer aber ebenso keine Option, wie die Grundstücke selbst zu kaufen. Auch einen neuen Spielplatz an anderer Stelle zu bauen gestalte sich als schwierig. Schon ein geeignetes, freies Grundstück zu finden sei nicht einfach. "Alles, was wir hier machen würden, ist schneller umzusetzen als anderswo", sagte Wolf. Deutlich wurde bei dem Gespräch vor allem, dass den Altenbachern ein Spielplatz mit geeigneter und attraktiver Ausstattung wichtiger ist als dessen Größe.

Im nächsten Schritt soll, so Wolf, eine Arbeitsgruppe gebildet werden. Außerdem will die Stadt versuchen, mit den Besitzern der Grundstücke zu verhandeln. Der Prozess könnte, so Wolf, bis 2021 abgeschlossen sein. Zum Ende der Begehung zog ein Familienvater zumindest ein positives Fazit: Die Stadt habe den Handlungsbedarf nun erkannt.

Copyright (c) rnz-online

Autor: Rhein-Neckar-Zeitung