08.11.2019

Brücke soll trotz Brexit bestehen bleiben

Bürgermeister Hansjörg Höfer empfing Austauschschüler aus Cambridge - Zu den Gesprächsthemen gehörte auch der Klimaschutz

Von Stefan Kern

Schriesheim. Seit fast 40 Jahren steht die Schüleraustausch-Brücke zwischen dem Chesterton Community College in Cambridge und dem Kurpfalz-Gymnasium in Schriesheim. Beim Rathaus-Empfang mit Bürgermeister Hansjörg Höfer versammelten sich je 30 Achtklässler der beiden Schulen im Großen Sitzungssaal. Es entstand ein buntes Durcheinander aus englisch, deutsch und Körpersprache. Doch die fröhliche Atmosphäre zeigte nicht alles.

Denn im Gespräch mit Höfer äußerten einige der Schüler aus Cambridge wegen der Brexit-Pläne von Premierminister Boris Johnson unmissverständlich ihre Sorge über die Zukunft. Ein Schüler mit französischer Mutter und britischem Vater befürchtet, dass es gerade bei einem „No Deal“-Brexit für seine Familie sehr kompliziert werden könnte. Auch die anderen Gäste aus England, die sich meldeten, sahen dem Brexit eher mit Sorge entgegen.

Wichtig war ihnen allen, dass der Kontakt mit Schriesheim nicht abreißen dürfe. Ein Ansinnen, das auch von Matthias Dörmann vom Kurpfalz-Gymnasium und seiner deutsch-britischen Kollegin Jutta Wolf vom Chesterton Community College klar geteilt wurde: „Diese Brücke muss unbedingt bestehen bleiben.“ Auch Höfer ließ keinen Zweifel daran, dass er den Brexit bedaure. Für Europa sei das ein großer Verlust. Doch zugleich werde es Zeit, dass endlich eine Entscheidung stehe, mit der man dann etwas Neues beginnen könne.

Im Ratssaal ging es aber auch noch um andere Themen. Die Schüler aus Cambridge stellten Fragen zum Berufsbild des Bürgermeisters, städtischen Projekten, den Umweltschutzbemühungen der Stadt und der politischen Struktur. Höfer betonte, dass sein Beruf ein schöner sei. Allein schon weil er die Gelegenheit biete, „Euch kennenzulernen“. Einziger Nachteil: „Man hat sehr wenig Privatzeit“.

Beim Umweltschutz betonte Höfer, dass sich die Stadt auf den Weg zur Klimaneutralität gemacht habe. Dafür müssten Häuser gedämmt, Heizsysteme auf regenerative Energien umgestellt sowie mehr Elektromobilität verwirklicht und vor allem der öffentliche Nahverkehr attraktiv gehalten werden. Auf Greta Thunberg und „Fridays for Future“ angesprochen, sagte Höfer, dass er das Engagement der Jugend begrüße. Damit sei beim Thema Klimaschutz viel in Bewegung geraten. „Ihr habt mit dafür gesorgt, dass der Klimawandel nun auch in der Breite der Gesellschaft ernst genommen wird.“

Gerade am Mittwoch, so der Bürgermeister, habe er mit den Revierförstern den Schriesheimer Wald begutachtet: „Es steht nicht gut um ihn.“ Viele Bäume hätten unter den hohen Temperaturen und dem geringen Niederschlag der letzten beiden Jahre enorm gelitten. Es seien keine kleinen Aufgaben, die nun gelöst werden müssen. Doch solange versucht werde, gemeinsam eine Lösung zu finden, sei Zuversicht geboten.

Beim achttägigen Besuch der Schüler aus Cambridge geht es aber nicht nur um Zukunftssorgen. Neben dem gemeinsamen Schulbankdrücken stehen auch verschiedene Besuche in Heidelberg, Weinheim und Speyer sowie dem Schriesheimer Bergwerk an.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung