25.11.2019

Michael Krebs - skurril, schräg und stimmlich beweglich

Klavier-Kabarettist Michael Krebs brachte beim Kulturherbst den Zehntkeller zum Lachen - Auch musikalisch blieben keine Wünsche offen

on Nicoline Pilz

Schriesheim. „Wer solche Lieder schreibt, gehört entweder eingesperrt oder erschossen.“ Ein Youtube-Kommentar, dem Kabarettist und Liedermacher Michael Krebs auf seiner Homepage einen Platz einräumt. Ziemlich günstig, dass der gebürtige Schwabe aus Neu-Kupfer weder in Ketten, noch zwei Meter unter der Erde liegt. Denn ansonsten hätte das Publikum im Zehntkeller nicht vor Lachen beinahe von den Bänken fallen können. Tat es aber. Obwohl Krebs zuvor noch singend dargelegt hatte, worüber man politisch korrekterweise nicht lachen soll. Also über gar nichts eigentlich. Und wenn es einen dennoch überkommt, wäre ein „reflektiertes Lachen“ mit innerem Stoppschild am besten.

Der Kabarettist drohte bei Zuwiderhandlung dieser „AGBs“ mit gelben Karten, denen rote folgen könnten. Vermutlich lag es nur am Wein, den ihm die Grüne Liste Schriesheim schon vor dem Auftritt großzügig in den Backstage-Bereich gestellt hatte, dass Krebs die in Aussicht gestellten Konsequenzen vergaß und am Ende seiner furiosen Show tatsächlich noch alles Volk wie festgenagelt auf den Plätzen saß. Obwohl es die meisten vor Lachen schüttelte. „Er macht das klasse – alles, was er sagt, kann man sich bildlich vorstellen“, meinte eine Besucherin, ebenfalls gebürtige Schwäbin, glücklich.

Überaus günstig auch, dass Jan Wölfer seinen alten WG-Kumpanen und Bandgenossen Krebs aus Hamburger Zeiten für die Abschlussveranstaltung des grünen Kulturherbstes nach Schriesheim geholt hatte. Eine Win-win-Situation für alle Seiten, denn auch der heute freiwillig in Berlin lebende Krebs hatte sichtlich Spaß mit diesem aufmerksamen und aufgeschlossenen Publikum. Neulich in Essen hätte sein Auditorium noch nicht mal verstanden, was ein Intelligenztest sei. In Schriesheim kein Problem.

Der Mann im schwarzen T-Shirt mit dem Aufdruck „An mir liegt’s nicht“ – für die subtile Kommunikation von Vorabinformationen an den Paartherapeuten – ist studierter Jazzpianist und ausgesprochener Wacken-Fan. Mit seiner kleinen Band „Die Pommesgabeln des Todes“, wobei das Handzeichen leider genauso aussieht wie der „Flüsterfuchs“ in Kindergärten und Grundschulen, tourt Krebs durch die Lande und lässt sich Preise vor die Füße legen. Zu Recht.

Musikalisch, stimmlich und mimisch hoch beweglich saust die schwäbische Schwertgosch im Affentempo durch die wahnwitzigen Abgründe menschlichen Daseins. Skurril, schräg, ironisch – dass der Mann gemeinsam mit Marc-Uwe Kling („Die Känguru-Chroniken“) und Slam-Poet Julius Fischer die „Arbeitsgruppe Zukunft“ gegründet hat, wundert nicht. In einem Punkt waren er und Jan Wölfer sich allerdings uneins. Der Schriesheimer Grüne hatte behauptet, Krebs sei nicht nur wegen des Studiums an der Musikhochschule nach Hamburg gekommen, sondern auch, um ordentlich „abzurocken“.

Krebs sagte jedoch, sein Masterplan sei gewesen, schon allein wegen der einsamen „Business-Schnitten“ in einem Luxushotel Barpianist zu werden. Was auch funktionierte. Irgendwie. Eine Lehre aus dieser Zeit lautete: „Wenn keiner in der Lobby merkt, dass du da bist, dann bist du richtig gut.“ Das meistgefragte Lied jener Tage lautete demnach: „Spiel leiser.“

Eine von vielen großartigen Nummern an diesem Abend. Gut, die Sache mit den Wunschtiteln aus den Reihen der Zuhörer für den zweiten Block war vermutlich geschummelt. Obwohl der grandiose Pianist und Entertainer aus dem Stegreif eine schmachtende Ballade zur passenden Herz-Zeichnung aus dem Hut und auf die Tasten zauberte – das rockige Anspiel zu „Celluloid Heroes“ von den Kinks fiel mangels Kenntnis kürzer aus –, passte der dritte Song ihm haargenau in den Kram.

Metallicas „Nothing else matters“ hatte er einst, auf Schwäbisch natürlich, seinem Heimatörtchen Neu-Kupfer als Hymne gewidmet. Und, logisch: Es diente als Steilvorlage für ein grandioses Finale mit Michael Krebs am Piano und Jan Wölfer an der E-Gitarre. Ein Abend mit Wow-Effekt und einer Bitte: Krebs, komm bald wieder.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung