10.12.2019

Grüne wollen Fotovoltaik-Pläne vorantreiben

Fraktion sieht weiter Solaranlagen auf Feldflächen westlich der A 5 und beantragt Wiederaufnahme des Bebauungsplanverfahrens

Von Nicoline Pilz

Schriesheim. Es gibt eine Fläche, einen Investor und einen Aufstellungsbeschluss für einen vorhabenbezogenen Bebauungsplan, den der Gemeinderat im November 2018 mit großer Mehrheit gefasst hat. Dennoch kam das Projekt „Solarpark“ im Gewann Stahlbühl als Bürgerbeteiligungsmodell seitdem nicht in die Gänge. Die Grüne Liste Schriesheim will das ruhende Verfahren nun vorantreiben und beantragt zur nächsten Gemeinderatssitzung am kommenden Mittwoch, 11. Dezember, dessen Wiederaufnahme.

Nach dem Gemeinderatsbeschluss 2018 hatte der Bauernverband beklagt, er sei von den Plänen überrascht worden. Die geplante Anlage nehme den Landwirten Ackerfläche weg. Einige Bauern reagierten, indem sie eigene Solaranlagen auf Dächer aufbauen ließen. Ein Solarpark, wie er auf der etwas über einen Hektar großen Fläche westlich der A 5 zwischen Schriesheim und Leutershausen geplant ist, bringe nur weitere Probleme mit sich, sagten die Landwirte. Sie fürchten, dass die Pollen von Unkräutern unter den Anlagen ihre Felder kontaminieren. Nicht zuletzt sei das Areal entgegen der ursprünglichen Mitteilung der Stadt bewirtschaftet. Heiko Jost hat es durch einen Flächentausch von der Baumschule Huben gepachtet. Eigentümer ist ein Besitzer aus Hirschberg.

Christian Wolf, Sprecher der Grünen Liste, verweist im Pressegespräch mit den weiteren Fraktionsmitgliedern Fadime Tuncer und Bernd Molitor auf die Gewinne für die Biodiversität durch Solarparks. Wildblumen siedeln sich an, auf die wiederum Insekten fliegen. „Imker haben Interesse an solchen Standorten“, sagt er. Die Anlage wäre energetisch und ökologisch ein Meilenstein. Zwar liege sie im Wasserschutzgebiet, doch habe dies keine negativen Auswirkungen aufs Wasser. Seine Fraktion sei der Ansicht, dass das Grundstück an der Autobahn alle Kriterien erfüllt, die für einen Solarstandort nötig sind. Es gebe Gutachten, die besagten, dass Areale an Autobahnen keine landwirtschaftlich hochwertigen Flächen seien, was mit den Emissionen zusammenhänge. „Und die Landesregierung sieht diesen Standort im Stahlbühl als sinnvoll an.“

Auch der Nachbarschaftsverband hat mitgeteilt, dass man den Solarpark mittragen könne und die dafür erforderliche Änderung des Flächennutzungsplans in Aussicht gestellt. Gleichzeitig will er Kriterien auflegen, wo im Verbandsgebiet Fotovoltaik-Anlagen auf Freiflächen errichtet werden können, um eine unkontrollierte Verbreitung zu verhindern. Schriesheims Stadtverwaltung schlägt in ihrer Stellungnahme vor, den Solarpark „Zug um Zug“ parallel zur Änderung des Flächennutzungsplans voranzutreiben. Die Grüne Liste hält das für einen guten Vorschlag, wie Wolf betont.

Er sieht weitere Vorteile in dem Vorhaben. So hat Investor Hans Pfisterer zugesagt, dass seine zu gründende Projektgesellschaft „SolNet GmbH“ alle anfallenden Kosten des Bauleitverfahrens übernehmen werde. Bürger der Stadt Schriesheim können sich an der Anlage mit 2600 Modulen beteiligen. Besagte Fläche im Privatbesitz stehe den sechsspurigen Ausbauplänen der A 5 zwischen Heidelberg und Weinheim auf längere Sicht nicht im Wege, eine artenschutzrechtliche Voruntersuchung ergab keine Bedrohung für geschützte Arten.

Wolf sagt, die Fraktionsvertreter könnten den Ärger der Landwirte verstehen. „Es kann nicht sein, dass immer mehr Flächen der Nahrungsmittelproduktion entzogen werden.“ Doch in Deutschland würden nur 20 Prozent der Flächen zu diesem Zweck bewirtschaftet. 60 Prozent dienten dem Anbau von Futtermitteln und 20 Prozent dem Anbau von Energiepflanzen. Wenn man nur ein Prozent dieser Flächen mit Fotovoltaik bestücke, würde das die Energiebilanz dramatisch verbessern.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung