18.12.2019

Neue Spiele, damit Kindern das Lesen leichter fällt

Neue Spiele, damit Kindern das Lesen leichter fällt

Lothar Schmitt entwickelt Spiele für Schüler mit Förderbedarf

Bei „Astralo“ müssen zweisilbige Wörter gefunden werden. Jedes Mal können neue Verbindungen entstehen.

Von Florian Busch

Schriesheim. Ein Zimmer voller Spiele: Dieser Kindertraum ist bei Lothar Schmitt aus Schriesheim Realität. Der Unterschied dabei ist aber: Der 72-Jährige hat sich jedes einzelne Spiel selbst ausgedacht. Alle verfolgen das Ziel, Kindern beim Lesenlernen zu helfen.

Vor Kurzem ist ein weiteres Exemplar fertig geworden. Das Spiel "Astralo" basiert auf dem Prinzip, einzelne Silben aneinanderzulegen. "Es übt die Lesetechnik, aber sinnbezogen", erzählt Schmitt.

Die Regeln sind leicht erklärt: Es gibt 48 Dreiecke mit der ersten Silbe eines Wortes und zwölf Quadrate mit der zweiten Silbe eines Wortes. An jedes Viereck können jeweils vier Dreiecke angelegt werden, sodass am Ende zwölf Sterne entstehen. Nun legen die Spieler nacheinander so an, dass die entstandenen Wörter Sinn ergeben. "Jedes Mal können andere Sterne entstehen", sagt Diplompädagoge Schmitt.

Zu Beginn ist es noch recht einfach, da viele Plätze an den Quadraten frei sind. Mit längerem Fortschritt werden diese Plätze aber nach und nach belegt, sodass am Ende nicht mehr für jede erste Silbe eine passende zweite gefunden werden kann. Deshalb müssen Karten teilweise mehrfach umgelegt werden, um zum Schluss alle an passender Stelle anlegen zu können.

"Da kann man auch als Erwachsener verzweifeln", sagt Schmitt und lacht. Der Sinn des Spiels sei aber nicht, am Ende besser zu sein als die Mitspieler. Vielmehr gehe es um Kommunikation untereinander. Es sei eine Gemeinschaftsarbeit, so der 72-Jährige.

Ob die Silben richtig miteinander verbunden wurden, lässt sich am farbigen Strichcode erkennen – eine Farbe auf beiden Karten stimmt dann überein. Dabei differenziere das Spiel von leicht bis schwer, so Schmitt. Jedes Kind könne nach seinem individuellen Lernstand mitmachen und sich verbessern. Es gibt sechs Varianten: Drei mit Nomen und drei mit Verben, jeweils in unterschiedlichen Schwierigkeitsstufen.

Der ehemalige Rektor der Johann-Sebastian-Bach-Förderschule in Weinheim hat fast sein ganzes Leben mit der deutschen Sprache und Kindern zu tun, die Probleme mit dem Lesen haben. Schon Anfang der 1980er entwickelte Schmitt sein erstes Spiel, mittlerweile sind etliche dazugekommen. "Ich habe immer versucht, Dinge zu machen, die für die Kinder interessant sind", erzählt der Schriesheimer. Denn anders als ein Buch komme ein Spiel den Kindern entgegen. Schmitt hält es für wichtig, etwas in der Hand zu halten. "Es heißt nicht umsonst: ’Wir begreifen etwas’", meint er.

Bald soll ein Onlineshop freigeschaltet werden, damit Interessierte die Spiele auch über das Internet kaufen können. Bis es so weit ist, besuchen Vertreter des M.K. Lehr- und Lernmittelverlags Schulen in Deutschland und Österreich und bieten sie dort an. Auch mit der Kurpfalz-Grundschule arbeitet Schmitt zusammen. Ab und zu gibt der 72-Jährige sogar noch Vertretungsstunden dort. Seine Motivation dabei: "Kein Kind darf die Schule verlassen, das nicht lesen kann."

Von der ersten Idee bis zur finalen Umsetzung kann gut und gerne einige Zeit vergehen. Für "Astralo" brauchte der Spieleerfinder zum Beispiel ungefähr zwei Jahre. Darin stecke viel Arbeit, die man beim ersten Mal gar nicht sehe. "Es sind methodisch-didaktisch durchdachte Spiele", sagt Schmitt. Der Name dafür kommt aus dem Lateinischen: "Astra" heißt übersetzt "Stern".

Schmitt ist es wichtig, auch im Ruhestand mit Kindern Zeit zu verbringen. Er versucht, Kinder mit hohem Förderbedarf, vor allem Legastheniker, beim Lesen lernen zu unterstützen. Dabei sollen auch seine vielen Spiele helfen.

Schon oft habe er gedacht, dass nun Schluss mit weiteren Ablegern sei, sagt er. Irgendwann sei ihm dann aber doch immer wieder eine neue Idee gekommen. Für ein nächstes Spiel hat er zwar bisher noch keinen Einfall. Bei einer Sache ist sich Schmitt aber sicher: "Ich bin immer noch begeistert dabei."

Schon seit den 1980er Jahren entwirft der Schriesheimer Lothar Schmitt Spiele, die sich an Kinder richten, die Probleme mit dem Lesen haben. Fotos: Dorn

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung