19.12.2019

Polizei zum Anfassen: Unterwegs mit der Schriesheimer "Präventionsstreife"

Polizei zum Anfassen: Unterwegs mit der Schriesheimer "Präventionsstreife"

Thomas Waringer und Michael Schrödelsecker wollen Einbrüche verhindern, bevor sie geschehen

Informieren, beraten, vor Ort sein: Thomas Waringer (2.v.l.) und Michael Schrödelsecker sind von November bis März verstärkt unterwegs, um zu Einbruchsschutz zu beraten. Foto: Dorn

Von Frederick Mersi

Schriesheim. "Das Haus würde ich mir notieren", sagt Thomas Waringer und zeigt auf ein weißes Einfamilienhaus. Die Rollläden des Gebäudes in der Wormser Straße sind heruntergelassen, die Einfahrt ist leer. Sind die Bewohner im Urlaub, laufen sie Gefahr, Opfer von Einbrechern zu werden. Um das zu verhindern, gehen Waringer und sein Kollege Michael Schrödelsecker am Dienstagnachmittag auf Streife.

Im Schriesheimer Norden sei es zuletzt ruhig gewesen, sagt Waringer. "Seit August hatten wir hier nur einen Einbruch." Waringer ist Polizeibeamter im 39. Dienstjahr, 31 davon hat er im Weinheimer Revier verbracht. Schrödelsecker ist seit 24 Jahren als Polizeifreiwilliger unterwegs. Beide arbeiten schon lange zusammen, um Einbrüche zu verhindern, bevor sich die Täter ans Werk machen.

Zwei Dinge sind dafür entscheidend: Häuser auf mögliche Schwachstellen zu überprüfen und die Anwohner über das richtige Verhalten zu informieren. Heruntergelassene Rollläden und überquellende Briefkästen seien ein Hinweis darauf, dass die Bewohner seit Längerem nicht zu Hause waren, sagt Waringer. "Vor einem Einbruch wird das Objekt häufig erst einmal ausgekundschaftet." Erweist sich das Haus als geeignetes Ziel, benötigen die Täter oft nur wenige Minuten, um einzudringen.

Im Fall des Anwesens in der Wormser Straße würde das allerdings nichts bringen: "Das Haus steht leer", sagt Anwohnerin Conny Habighorst, die sich gerade mit ihrer Nachbarin Heike Engel unterhält, als die beiden Polizisten sie ansprechen. "Geben Sie denn hier als Nachbarn aufeinander acht?", fragt Waringer. Habighorst nickt energisch. "Aber hallo, heftig", sagt sie. "Hier in der Nachbarschaft wurde schon zweimal eingebrochen", ergänzt Engel. "Wir gucken aufeinander", sagt Habighorst noch einmal.

"Sie machen uns richtig glücklich", sagt Waringer und lacht. Er nutzt die Gelegenheit aber auch, um Habighorsts Haustür zu inspizieren. "Das ist was Gescheites", lautet sein Urteil. "Schließen Sie denn auch immer ab, wenn Sie gehen?" Immer zweimal, antwortet Habighorst. Waringer und Schrödelsecker sind zufrieden. Nach einer kurzen Ermutigung, lieber einmal zu viel als einmal zu wenig die 110 zu wählen ("Die Polizei zu rufen, kostet nichts"), ziehen die beiden weiter.

Ihre Ratschläge haben sie schon viele Male gegeben, dennoch stoßen sie bei ihren Präventionsstreifen zwischen November und März immer wieder auf gekippte Fenster im Erdgeschoss, offene Garagentore mit Zugang zum Hauptgebäude oder offensichtliche Schlüsselverstecke. "Es ist ja auch wirklich noch niemand auf die Idee gekommen, dafür die Fußmatte oder einen Blumenkübel zu benutzen", scherzt Schrödelsecker. Entdecken die beiden eine Schwachstelle an einem Gebäude, kleben sie einen kleinen Zettel mit einem Mängelbericht in den Eingangsbereich, der auf die kostenlose Beratung der Polizei zum Thema hinweist.

In Schriesheim bleiben die Zettel am Dienstagnachmittag unbeschrieben. "Das sind alles Hilfs-Sheriffs hier", sagt Waringer und lacht. Gerade hat er im Lavendelweg mit Saskia Kuhn gesprochen. Sie lebt mit ihrer Familie in einem der Reihenhäuser im Neubaugebiet Nord. "Wenn wir in den Urlaub gehen, ist das immer mit den Nachbarn abgesprochen", sagt sie. "Die bewegen dann auch die Rollläden hoch und runter."

Aufmerksame Nachbarn seien neben mechanischen Vorrichtungen der beste Einbruchsschutz, sagt Waringer. "Auch Zeitungsausträger haben uns schon oft Hinweise gegeben, weil sie sich in der Gegend gut auskennen." So sei es in einigen Fällen auch möglich, die Täter schnell dingfest zu machen. "In anderen Fällen klappt das aufgrund der Kriminaltechnik erst Monate oder Jahre später", sagt Waringer.

Unabhängig davon wirken die Folgen eines Einbruchs bei den Opfern teilweise noch lange Zeit nach. "Manche sind umgezogen, weil sie sich in ihrem Zuhause nicht mehr sicher gefühlt haben", sagt Waringer. "Viele sagen, das zahlt eh die Versicherung, aber wir wollen verhindern, dass die Einbrecher erfolgreich sind."

Deshalb geht es nach der Streife in Schriesheim weiter in den Hirschberger Ortsteil Leutershausen. Dort gab es seit August neun Einbruchsversuche, in der dunklen Jahreszeit steigt die Gefahr, dass die Täter wieder zuschlagen. "Wir wollen uns noch im Hellen dort umsehen", sagt Waringer. "Polizei zum Anfassen" nennt er die Präventionsstreifen. Dann steigt er mit Schrödelsecker in den Streifenwagen und macht sich auf den Weg.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung