29.12.2019

Jahresrückblick 2019: Was Schriesheim 2019 bewegt hat

Jahresrückblick 2019: Was Schriesheim 2019 bewegt hat

Millionen-Projekte, Rallyefahrer und Streit in der Politik: Ein Rückblick auf die wichtigsten Themen in alphabetischer Reihenfolge

Als der Mathaisemarkt-Festzug wegen einer Sturmwarnung auf den zweiten Fest-Sonntag verlegt wird, ziehen am 10. März viele Teilnehmer ohne Wagen durch die Stadt. Fotos: Dorn

Von Frederick Mersi

Schriesheim. Geplant, gebaut, gestritten und gefeiert: Das Jahr 2019 war nicht nur in der Kommunalpolitik ereignisreich. Neben dem Einstieg in die Sanierung des Kurpfalz-Gymnasiums, der vieles überschattete, ging es auch um einen Standort für Notärzte, Echtzeit-Überwachung und zwei Manta-Enthusiasten. Ein Jahresrückblick in alphabetischer Reihenfolge:

> A wie Autohaus-Areal: Eine Werkstatthalle als Rettungswache? Für Klaus Gärtner, den Besitzer des ehemaligen VW-Autohauses an der B?3, kein Problem: Am 1. Februar zieht der Arbeiter-Samariter-Bund mit seiner Rettungswache auf dem Gelände ein – nur um Ende des Jahres renovierte Räume im Hirschberger Gewerbegebiet zu beziehen. Was mit dem Autohaus-Areal geschieht, ist unklar: Der Gemeinderat stoppte wegen Bedenken einer Bebauung mit Reihenhäusern Pläne eines Investors und will neue Regeln festlegen.

> B wie Barrierefreiheit: Blindenleitstreifen in Kirch-, Bismarck- und Bahnhofstraße, eine barrierefreie Ampel an B?3 und Talstraße und ein evangelisches Gemeindehaus, das ohne Treppen zugänglich ist – Schriesheim ist 2019 wieder ein Stück ärmer an Barrieren geworden. Dass die Möglichkeiten begrenzt sind, zeigt aber auch die Sanierung der Unterführung an der B?3: Dort kann die Rampe nicht rollstuhlfreundlicher als zuvor gebaut werden. Auch auf einen ebenerdigen Einstieg an den Haltestellen der Linie 628 müssen die Fahrgäste weiter warten.

> C wie Container: Während der Gemeinderat durch einen Kompromiss für die Notunterkunft am Wiesenweg den Weg für weitere Container frei macht, warten Kurpfalz-Gymnasium und Musikschule auf 139 Module für die Übergangsbauten während der 21,5 Millionen Euro teuren Sanierung des Gebäudes. Nach Bedenken, ob die beauftragte Firma die Module liefern kann, kündigt die Stadtverwaltung dem Unternehmen Anfang Dezember, zieht die Kündigung dann wieder zurück, um zwei Wochen später abermals zu kündigen. Am 15. Januar soll eine andere Firma beauftragt werden, der Umzug von Gymnasium und Musikschule wird wohl nicht vor den Osterferien erfolgen. Der Zeitplan für die Sanierung ist deshalb aber nach Angaben der Generalplaner nicht in Gefahr.

> D wie Dioden: Von 2020 an sollen immer mehr Straßen in neuem Licht erstrahlen. Die Stadt wechselt bis 2024 ihre gesamte Straßenbeleuchtung aus. Knapp 450.000 Kilowattstunden Strom will die Stadt pro Jahr durch die Umrüstung auf lichtemittierende Dioden, kurz LEDs, sparen. In Ursenbach wird auch die Stromversorgung unter die Erde gelegt.

> E wie Edelmann’s Blumenkammer: "Am allerliebsten habe ich Menschen bedient", sagt Marie-Luise Edelmann zum Abschied ihres Betriebs nach 38 Jahren. Die Floristin hat immer wieder Kunstwerke an Ölmühle und Gaulsbrücke gestaltet und stiftet eines davon dem Museum Théo Kerg. Das Geschäft soll in Wohn- und Büroräume umgewandelt werden.

> F wie Festzug: Nach heftigen Diskussionen zwischen Ordnungsamt und Vereinsvertretern um die Durchsetzung von Sicherheitsvorschriften beim Mathaisemarkt-Festzug, muss dieser wegen einer Sturmwarnung abgesagt und auf den zweiten Fest-Sonntag verlegt werden. Einige Teilnehmer ziehen trotzdem ohne Wagen auf der vorgesehenen Route durch die Stadt. Eine Woche später kann der Festzug dann stattfinden. Die Kommunikation zwischen Stadt und Vereinen wird im Nachhinein verbessert.

> G wie Gastronomie: Im Juli verliert der Stadtteil Altenbach mit dem "Sonus" sein letztes Restaurant, bekommt Ende November aber wieder eines zurück. Manjit Singh eröffnet seine erste Gastronomie "Zum Kochlöffel", was Ortsvorsteher Herbert Kraus "außerordentlich" freut. Unterdessen haben aber auch die Schriesheimer Gastronomen mit Schwierigkeiten zu kämpfen. Ihnen widmet die RNZ ihre Sommerserie.

> H wie Hochwasserschutz: Damit der Kern der Weinstadt künftig zumindest gegen Hochwasser, wie sie im Schnitt alle zehn Jahre auftreten können, gewappnet ist, saniert Schriesheim sein Rückhaltebecken am Kanzelbach und plant gleichzeitig ein weiteres östlich des Mühlenhofs. Die geschätzten Kosten liegen derzeit bei insgesamt fast sechs Millionen Euro, das Land wird aber voraussichtlich einen großen Teil davon übernehmen.

> I wie Ideenwerkstatt: Nachdem Altenbach seinen letzten Lebensmittelladen, beide Bankfilialen und zwischenzeitlich sein letztes Restaurant verliert, startet die Stadtverwaltung eine Ideenwerkstatt zur Nahversorgung im Stadtteil. Die Bürgerbeteiligung stößt auf großes Interesse, ein Fachbüro soll die weiteren Planungen und Diskussionen 2020 mit Informationen unterstützen.

> J wie Jubiläen: Fußball-Weltmeister Lothar Matthäus entrichtet Glückwünsche zum 100-jährigen Bestehen des Sportvereins, der das Jubiläum unter anderem mit einem Festbankett und einem Open-Air-Konzertabend im Waldschwimmbad feiert. Anlässlich des 35-jährigen Bestehens der Partnerschaft zwischen Schriesheim und Uzès wird ein Kreisverkehr nach der südfranzösischen Gemeinde benannt. Auf 120 Jahre Geschichte kann der Männergesangverein "Eintracht" zurückblicken.

> K wie Kostenübernahme: Nach Beschwerden über strenge Sicherheitsauflagen der Stadt bei Vereinsveranstaltungen in öffentlichen Gebäuden beschließt der Gemeinderat im Februar, dass die Stadt die Kosten für von ihr gemachte Vorgaben selbst übernimmt. Von Vereinsvertretern wird dies begrüßt, bis Dezember aber nur zweimal in Anspruch genommen.

> L wie Landwirte: Ein mögliches Neubaugebiet, strengere Umweltschutz-Vorschriften und ein Solarpark an der A?5 – die Schriesheimer Landwirte protestieren 2019 gleich gegen mehrere Projekte. Dabei setzen sie aber nicht nur aufs Verhindern: Mit eigenen Fotovoltaik-Anlagen auf den Dächern ihrer Höfe nutzen sie regenerative Energie, ohne zusätzliche Flächen zu verbrauchen. Ob der Solarpark kommt, ist offen.

> M wie "Mantarine": Florian Beierer aus Schriesheim durchquert mit Dieter Neuffer und seiner "Mantarine", einem Opel Manta BCC, im Sommer 14 Länder in 13 Tagen und sammelt dabei nicht nur 3500 Euro für die Schriesheimer Initiative "Ein Kiwi gegen Krebs". Das Team "Berti und Klausi" holt auch den Gesamtsieg bei dem wilden Rallye-Ritt über den Balkan.

> N wie Neubaugebiet: Schon Ende 2017 beschließt der Gemeinderat bei seiner Klausurtagung, über ein Neubaugebiet im Süden Schriesheims zu diskutieren. Doch obwohl Bürgermeister Hansjörg Höfer eine Entscheidung 2019 ins Auge fasst, wird sich der Rat erst im kommenden Jahr öffentlich mit dem Thema befassen – auch wegen wachsender Bedenken einiger Stadträte. Zuvor soll es eine ausführliche Bürgerbeteiligung geben, ein Fachbüro trägt dazu derzeit Informationen zusammen.

> O wie Ortsvorsteher: Bei den Kommunalwahlen im Mai behaupten sich die Freien Wähler in Altenbach hauchdünn als stärkste Fraktion vor der Grünen Liste (GL), die Ortsvorsteher Herbert Kraus bei dessen Wiederwahl zwar die Zustimmung verwehrt, aber keinen Gegenkandidaten aufstellt. Bei der Wahl seines Stellvertreters kommt es zur Kampfabstimmung zwischen GL-Ortschaftsrat Christian Wolf und CDU-Kollege Karl Reidinger, die letzterer am Ende knapp gewinnt.

> P wie Personalwechsel: Nach gleich zwei Leitungswechseln im Ordnungsamt im Jahr 2018 wird es im kommenden Jahr wieder eine Personalrochade geben. Isabel Klute, geborene Herschel, wird dann nicht mehr als Stellvertreterin von Achim Weitz im Ordnungsamt, sondern als Vize von Dominik Morast im Hauptamt fungieren. Wann der Wechsel erfolgt, ist unklar.

> Q wie Querelen: Zum Eklat zwischen Grüner Liste und CDU kommt es im Juli, als CDU-Fraktionschef Michael Mittelstädt gegen GL-Stimmenkönigin Fadime Tuncer (Fotos: zg) ums Amt als Erster Bürgermeister-Stellvertreter antritt. Mitglieder der Grünen Liste werfen in Leserbriefen die Frage auf, ob Tuncers Migrationshintergrund eine Rolle spielt – ein Vorwurf, den Bürgermeister Höfer als "an den Haaren herbeigezogen" zurückweist. Tuncer gewinnt die Wahl im Gemeinderat letztlich knapp, das Verhältnis der beiden Fraktionen gilt aber spätestens seit diesem Zeitpunkt als belastet.

> R wie Radweg: Seit Jahren bemüht sich Altenbach um einen Radweg entlang der L?596a, dafür zuständig ist aber das Regierungspräsidium in Karlsruhe. Deshalb setzt sich eine Gruppe um Suzanne Epp für eine Route durch den Wald als provisorische Verbindung ein. Nach Gesprächen mit Grundstückseigentümern will die Stadt in die Vorplanung gehen.

> S wie Sternwarte: 35 Jahre nach der Eröffnung wird die Christian-Mayer-Volkssternwarte nahe der A?5 Ende August ausgeräumt. Es ist das Ende eines kometenhaften Aufstiegs und eines schleichenden Niedergangs der Astronomie in Schriesheim. Die Arbeitsgemeinschaft Volkssternwarte Schriesheim, der Trägerverein der Sternwarte, hatte sich Ende 2017 aufgelöst. Das Gelände soll nach Angaben der Stadtverwaltung bald anders genutzt werden. Details sind bisher nicht bekannt.

> T wie Talstraße: Neun Millionen Euro teuer, mindestens sieben Jahre lang – die Sanierung der Talstraße wird vom kommenden Jahr an zur Belastung der Anwohner. Auch die beiden Brücken über den Kanzelbach müssen erneuert werden. Ein Verkehrsplaner macht im Oktober erste Vorschläge zur Gestaltung und empfiehlt Tempo 20 sowie einen gemeinsamen Verkehrsraum für Fußgänger, Rad- und Autofahrer und Busse. In einem Bürgerworkshop wird das kontrovers diskutiert. 2020 soll klarer werden, wohin die Reise geht.

> U wie Unterführung: Seit der Freigabe der sanierten Unterführung an der B?3 Ende September wird diese in Echtzeit mit einem Fotosystem überwacht. Bürgermeister Höfer zieht im Dezember eine positive Zwischenbilanz: In drei Fällen habe die Anlage Alarm geschlagen, Vandalismus habe es nicht gegeben – ebenso wenig wie Beschwerden seitens der Bürger.

> V wie Vermittlerin: Im Juli wird Barbara Schenk-Zitsch, ehemalige Bürgermeister-Stellvertreterin, vom Gemeinderat als ehrenamtliche Bürgerbeauftragte gewählt. Sie sieht sich als Vermittlerin zwischen Stadtverwaltung und Bürgern mit Anliegen im sozialen Bereich.

> W wie Wasserversorgung: Im zweiten Sommer in Folge bekommt Schriesheim 2019 Probleme mit der Trinkwasserversorgung aus Quellen im Stadtgebiet. Die Verwaltung hofft deshalb auf eine Änderung der Gesetzeslage, um künftig auch die Drachendellenquelle zu erschließen. Das hatte die Untere Naturschutzbehörde bisher verhindert, weil dadurch ein geschütztes Biotop zerstört werden könnte.

> X wie Xerophyt: Auf solche Pflanzen, die an extrem trockene Standorte angepasst sind, muss Revierförster Walter Pfefferle zwar noch nicht setzen. Doch der Schriesheimer Wald leidet an den Folgen des Dürresommers 2018 – und der Forst reagiert mit der Pflanzung anderer Bäume. Grünen-Bundestagsabgeordnete Franziska Brantner und CDU-Landtagsabgeordnete Julia Philippi machen sich bei Wanderungen selbst ein Bild von der Lage.

> Y wie Youngster: Mit Sofia Hartmann, Max Grauer, Lukas Schmidt, Sophie Koch, Nicolas Spatz und Niklas Binder stehen bei der Kommunalwahl im Mai gleich sechs Kandidaten auf den Listen, die jünger als 21 Jahre sind. Keiner von ihnen schafft es in den Gemeinderat. Mit zum Zeitpunkt der Wahl 33 Jahren bleibt CDU-Stadträtin Lisa Hartmann die Jüngste im Gremium.

> Z wie Zweckverband "Fibernet": Mit "breiter Brust" kündigt Bürgermeister Höfer Ende 2018 an, dass die Stadtteile Altenbach und Ursenbach im darauffolgenden Jahr mit Glasfaserverbindungen versorgt werden. Doch wieder verzögert sich die Verlegung der Leitungen. Nun soll es 2020 so weit sein: Häuser, die direkt an der "Backbone"-Hauptleitung des Zweckverbands "Fibernet" liegen, könnten dann von Geschwindigkeiten von mindestens 50 Megabit pro Sekunde profitieren.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung