31.12.2019

Nach dem Böllern ist vor dem Aufräumen

Viele begrüßen das neue Jahr in den Weinbergen. Den Feuerwerksmüll will die Grüne Liste am 1. Januar einsammeln.

Von Frederick Mersi

Schriesheim. Die Idee kam beim Walken durch die Weinberge. "Überall lagen Müll und Flaschen", beschreibt Jan Wölfer die Szenerie am Neujahrstag 2019. "Meine Frau und ich dachten: Hoffentlich kommt bald jemand und räumt das weg – aber es kam niemand." Viele Schriesheimer begrüßen das neue Jahr mit Feuerwerk und Getränken in den Weinbergen, Leidtragende sind Umwelt und Winzer.

"Zurück bleiben leider oft Verpackungsmüll vom Feuerwerk, Flaschen, Dosen und Lebensmittel", sagt Harald Weiss, Geschäftsführer der Winzergenossenschaft (WG). "Gerade bei Flaschen und Glas können an den Schmalspurschleppern teure Reifenschäden entstehen." Auch an den Trockenmauern würden Steine herausgerissen, die an den Maschinen der Winzer erhebliche Schäden verursachen könnten.

Damit das Jahr 2020 mit möglichst wenig Müll in den Weinbergen startet, ruft die Grüne Liste am Neujahrstag auf Wölfers Initiative erstmals zu einer Sammelaktion auf. Um 14 Uhr treffen sich die Helfer am Alten Rathaus. "In der Klimaschutz-Diskussion zeigen viele mit dem Finger auf andere, die etwas tun sollten", sagt Wölfer. "Auch wenn wir selbst an Silvester keine Böller zünden, können wir trotzdem etwas tun und den Müll von anderen beseitigen."

Stadträtin Fadime Tuncer will damit Bewusstsein dafür schaffen, dass das Silvester-Feuerwerk nicht ohne Folgen bleibt. "Dieser positive Effekt ist größer als das Risiko, dass die Menschen das ausnutzen", sagt sie. Wölfers Tochter Marieke, die sich bei der Bewegung "Fridays for Future" engagiert, hat bei den Klima-Aktivisten Werbung für die Aktion gemacht und wird selbst teilnehmen. "Einige Zusagen habe ich schon bekommen", sagt sie.

Ein Böller-Verbot, wie in den Innenstädten von Stuttgart, München oder Düsseldorf, steht in Schriesheim derzeit nicht zur Debatte. "Es gibt in Schriesheim keine expliziten Vorschriften zum Silvester-Feuerwerk", teilt Ordnungsamtsleiter Achim Witz auf Anfrage mit. "Insbesondere gibt es keine Bereiche, in denen das Zünden von Feuerwerk ausdrücklich verboten ist, und somit auch keine entsprechenden Sanktionen." Wer seinen Müll illegal auf der Straße oder in den Weinbergen entsorgt, müsse zwar grundsätzlich mit Bußgeldern rechnen. "Die Realität bei den Hinterlassenschaften des Silvester-Feuerwerks ist natürlich eine andere", so Weitz. "Alleine die Zuordnung zum Verursacher wäre oft schwierig, wenn man das denn wirklich konsequent ahnden wollte."

Stadträtin Tuncer, seit Juli Stellvertreterin von Bürgermeister Hansjörg Höfer, will trotzdem innerhalb der Fraktion der Grünen Liste über Handlungsmöglichkeiten für die Stadt sprechen. "Wir wollen auch mit den Winzern bereden, was hilfreich sein könnte", so Tuncer. WG-Geschäftsführer Weiss spricht sich nicht für ein Verbot aus: "Man kann den Jahreswechsel in den Weinbergen genießen, am besten dazu mit Wein und Sekt der Schriesheimer Winzer anstoßen, sollte dann den Müll und die Flaschen aber wieder mitnehmen." Auch Ordnungsamtsleiter Weitz ruft die Feiernden dazu auf, Rücksicht zu nehmen: "Jeder, der sich an der Knallerei beteiligt, sollte auch wieder Sorge dafür tragen, dass die Hinterlassenschaften beseitigt werden."

Info: Müllsammelaktion am Neujahrstag, 1. Januar, Treffpunkt um 14 Uhr am Alten Rathaus. Helfer werden gebeten, Handschuhe und festes Schuhwerk mitbringen.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung