04.01.2020

Falscher Polizeibeamter: "Der Fall ist sehr ernst, top geheim"

Wie eine Schriesheimerin fast auf die hinterhältige Masche eines angeblichen Polizisten hereinfiel

Von Alexander Albrecht

Schriesheim. Glücklicherweise blitzen die "falschen" Polizisten mit ihren perfiden Betrugsversuchen fast immer bei den angerufenen Senioren ab. Doch werden ihre Tricks raffinierter. Eine Schriesheimerin, nennen wir sie Annerose T., wäre beinahe darauf hereingefallen. Das ist ihre Geschichte.

Anfang Dezember meldet sich zur Mittagszeit ein angeblicher Polizist namens "Markus Himmelsbach" von der Mannheimer "Station Süd PK 4" bei Annerose T., ihr Gatte ist gerade unterwegs. Der Mann am Telefon habe sich "bildungssprachlich korrekt wie ein Beamter" ausgedrückt, erinnert sich die Schriesheimerin. "Ich meinte auch, Nebengeräusche zu hören, wie sie auf einem Revier vorkommen", sagt sie.

Was der "Ordnungshüter" ihr mitteilt, klingt höchst alarmierend. Eine alleinstehende Frau in Annerose T.s Straße sei am Vormittag von drei Tätern überfallen und schwer verletzt worden. Mit Stakkato-Sätzen schafft es der Anrufer, sie in Unruhe zu versetzen. "Der Fall ist sehr ernst, top geheim. Legen Sie nicht auf. Die Leitung wird überwacht", gaukelt "Himmelsbach" vor. Zwei Täter habe man fassen können, der Dritte sei auf der Flucht. "Aus Datenschutzgründen" dürfe die Polizei nicht den Namen des vermeintlichen Opfers nennen.

Doch solle sich Annerose T. keine Sorgen machen, in der Gegend seien Kollegen stationiert. Sie dürfe aber mit niemandem über den Fall sprechen. Ansonsten riskiere sie, die Ermittlungen zu gefährden. "Wir müssen den entkommenen Täter unbedingt heute noch finden", nennt "Kriminalhauptkommissar Himmelsbach" das Ziel. In einem sichergestellten Tatkoffer hätten die Beamten scharfe Munition und ein Blatt mit dem Namen von Annerose T.s Ehemann entdeckt.

"Deshalb rufen wir sie an." In den kommenden Tagen werde sich die Staatsanwaltschaft mit der Schriesheimerin in Verbindung setzen. Auf dem Blatt stünde auch noch der Vermerk "Tresor und Girokontenstand von 20.000 Euro". Vermutlich hätten die Einbrecher auch die Eheleute im Visier.

"Ich dachte sofort an zwei mir bekannte Frauen in der Nachbarschaft, die allein in einer Wohnung leben", erzählt Annerose T. "Und einen Tresor haben wir, aber der ist quasi leer, da wir per Scheckkarten bezahlen." Das Girokonto sei nach der Haussanierung nur für die monatlichen Ausgaben gedeckt. "Himmelsbach" habe daraufhin sehr intensiv nachgefragt, welche Handwerker und Personen Zugang zu dem Gebäude hätten. "Ich sollte niemanden vergessen", sagt Annerose T., und weitere Menschen, die mir noch einfielen, "dringend nachmelden".

Darüber hinaus nötigt "Himmelsbach" die Frau dazu, die genauen Beträge auf dem Giro- und Sparkonto anzugeben, um den Umfang des Personenschutzes bestimmen zu können. "Der angebliche Beamte insistierte unangenehm nachdrücklich auf die Nennung der Kontostände", berichtet Annerose T. Zwischendurch habe der falsche Polizist das Gespräch unterbrochen – "die zwei Täter aus Polen kommen gerade aus dem Verhör". Dazu entsprechende Nebengeräusche. Und immer wieder der Hinweis "Legen Sie nicht auf."

Mittlerweile sei ihr mulmig geworden, sagt Annerose T. "Wie kann ich wissen, dass dies nicht alles ein Schwindel ist?", fragt sie sich. Schließlich lese man so viel darüber, dass ältere Menschen von angeblichen Polizisten übertölpelt werden. Also entschließt sie sich, ihrerseits die Dienststelle zu kontaktieren.

Der Anrufer habe sie dazu ausdrücklich ermutigt. Also wählt Annerose T. die 110 und wird mit der "Station Süd PK 4" verbunden. Sie erkundigt sich nach "Markus Himmelsbach", der mit dem Überfall auf eine ältere Frau betraut ist – was nach kurzen internen Nachfragen bejaht wird.

Der Ermittler erklärt, dass eigentlich sein Chef selbst für den Fall zuständig sei. "Echt überzeugend, das Ganze", gesteht Annerose T. Plötzlich klingelt es an der Haustür. Sie geht an die Gegensprechanlage und hört die Stimme ihrer Enkelin, die von der Schule kommt und eine "reichlich verstörte Oma" vorgefunden habe. Annerose T. stellt fest, dass sie die Leitung vor dem 110-Anruf nicht unterbrochen hatte.

Und wieder bei dem angeblichen Polizisten gelandet war. Von der richtigen Dienststelle erfährt sie später, dass es sich um einen "Fake-Fall" handelte, der Beamte "Markus Himmelsbach" im Präsidium nicht existiere und es keine "Station Süd PK 4" gebe.

Annerose T. kommt mit dem Schrecken davon.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung