11.02.2020

Wer pflegt das "Niemandsland" beim Tunnel?

Fast vier Jahre nach Eröffnung des Branichtunnels ist die durch den Bau veränderte Struktur der Grundstücke noch nicht endgültig geklärt

Von Frederick Mersi

Schriesheim. Als Ulrike Linhart vor 14 Jahren in ihr neues Zuhause in der Talstraße zog, schaute sie morgens oft auf Blechlawinen. "Von einem Tunnel war damals schon die Rede", sagt sie. "Jetzt fahren die meisten Autos auch durch." Trotzdem sei die Ausfahrt vom Griethweg im Sommer gefährlich geworden, erzählt Linhart. Der Grund: Das Gras auf den neu angelegten Grünflächen an der Einmündung sei so hochgewachsen, dass sie den Verkehr kaum noch gesehen habe.

Stadt und Regierungspräsidium uneins über Zuständigkeit

"Ich habe mehrfach bei der Stadt angerufen und mich über die mangelnde Pflege beschwert", sagt Linhart. "Dort hat man mir gesagt, das Regierungspräsidium Karlsruhe sei zuständig." Von der Behörde sei ihr wiederum gesagt worden, man habe das Gelände an die Stadt gegeben. "Hier oben kümmert sich deshalb irgendwie niemand", so Linhart. "Jeder, der hierherkommt, fragt, was das für eine Einöde ist."

Dabei hatten die Anwohner nach der Fertigstellung des Branichtunnels 2016 noch im Detail erfahren, was auf den Grünflächen gepflanzt werden sollte: Feld-Ahorn und eine Stieleiche, dazu heimische Gräser und Kräuter sowie Strauch- und Heckenrosen. Zu sehen gewesen sei in den Sommermonaten aber vor allem hohes Gras, sagt Linhart. Die Mahd sollte laut Unterlagen im ersten bis dritten Jahr nach der Pflanzung vom Regierungspräsidium übernommen werden. "2019 war aber niemand da", sagt Linhart.

Das könnte daran liegen, dass sich Stadt und Regierungspräsidium (RP) bis Mittwoch uneinig waren, wer nun eigentlich für die Grünflächen zuständig ist. "Zurzeit liegt die Verantwortung für die Anlagen noch beim RP, welches für die damalige Umsetzung des Tunnels zuständig war", so Patrick Schmidt, im städtischen Bauamt zuständig für Grünflächen. Ralph Eckerle vom Baureferat Nord der Behörde sagte dagegen am Dienstag: "Für diese Fläche ist die Stadt Schriesheim zuständig."

Die Verwirrung rührte offenbar auch daher, dass erst dieses Jahr – fast vier Jahre nach der Eröffnung des Branichtunnels – die durch das Bauwerk veränderten Grundstücksflächen genau ausgemessen werden. Wie viel Platz die Baustelle braucht, war vor Beginn der Arbeiten nur grob ausgemessen und angegeben worden. "Nach der Schlussvermessung wird dann verglichen, wie viel tatsächlich in Anspruch genommen wurde", sagt Eckerle. "Dann ist auch klar, wie viel Entschädigung die Eigentümer letztlich bekommen, deren Gelände von der Baustelle betroffen war." Das gelte ebenfalls für Einnahme-Ausfälle, zum Beispiel von Winzern am Westportal.

Im Fall des "Niemandslands", wie Ulrike Linhart die Grünflächen am Ostportal nennt, wechselte die Zuständigkeit für die Pflege laut Eckerle Ende 2019 zur Stadt. Das implizieren auch die Dokumente zur Bepflanzung 2016. "Für die Landesstraße, also die Böschungen an den Hängen der Tunnelausfahrt, sind nach wie vor wir zuständig", so Eckerle.

Nach Jahren der Ungewissheit stehen die Chancen damit gut, dass die Grünflächen künftig regelmäßig gepflegt werden: "Hierzu kann ich nur sagen, dass die Flächen nach der Übergabe an uns in den städtischen Rahmenpflegeplan aufgenommen werden", schreibt Patrick Schmidt vom Stadtbauamt.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung

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