15.02.2020

Neustart für den Push-Verein

Stadt stellt 150.000 Euro für Umbau des Geländes an Ladenburger Straße bereit - Angebote für Jugendliche sollen Vandalismus reduzieren

Von Frederick Mersi

Schriesheim. Nach Klagen über Vandalismus in Weinbergen und Gärten im vergangenen Jahr will die Stadt Schriesheim einen eigentlich schon vorhandenen Treffpunkt für Jugendliche wiederbeleben: das Push-Gelände in der Ladenburger Straße. Dafür stellt die Verwaltung nach einem entsprechenden Beschluss des Gemeinderats am Mittwoch dieses Jahr 150.000 Euro bereit. Fließen soll das Geld vor allem in einen Umbau des Hauses, damit der offene Treff für Kinder und Jugendliche bis 14 Jahren und die Räume für ältere Besucher klar getrennt sind.

Für Letztere will der Push-Verein einen Treff "in gemütlicher Atmosphäre" anbieten, der alle zwei Wochen samstags stattfindet. "Wir wollen eine andere Möglichkeit aufzeigen, als sich in den Weinbergen zu betrinken", sagte Christoph Hildebrandt, Kassier des Vereins, bei seiner Präsentation im großen Sitzungssaal des Rathauses. Die Jugendlichen sollten mit in die Verantwortung genommen werden, was den Zustand der Räume und des Geländes angehe: "Wenn ihr etwas kaputt macht, müsst ihr es auch wieder aufbauen." Auch Spieleabende, Konsolenspiele auf der Leinwand und gemeinsames Grillen gehören zum Konzept.

Vorher wird das Jugendhaus aber saniert und erweitert: Der Boden wird ausgetauscht, ein Anbau mit Toiletten und Lagerraum ist genau so geplant wie eine Erneuerung des Außenbereichs und der Küche. Damit können der offene Treff von Jugendsozialarbeiterin Janika Steinbach und die neuen Push-Angebote räumlich unabhängig voneinander stattfinden. "Vielleicht kann man einen Teil des Außengeländes frei zugänglich machen, damit die Jugendlichen nicht abends in den Weinbergen oder an den Schulen sitzen", schlug Steinbach vor.

Bei den Stadträten stieß das Vorhaben überwiegend auf Zustimmung. "Wir sind uns alle einig, dass wir in Schriesheim einen Ort für Jugendliche benötigen", sagte Bernd Molitor von der Grünen Liste, der selbst einmal im Jugendzentrum "Juz" aktiv gewesen war. Der Push-Verein habe in den vergangenen Jahren aber nur einen kleinen Teil der Schriesheimer Jugend ansprechen können. Das bestätigte dessen Vorstand, der in einem Schreiben das Jahr 2019 als "Tiefpunkt" bezeichnete. "Wir haben in den letzten Jahren aber auch keine Initiative gezeigt", sagte Molitor.

Matthias Meffert (Freie Wähler) sah das ähnlich: "Für die Jugendlichen gibt es genügend Vereine oder die Sozialarbeit – mit diesen Argumenten hatten wir das für uns immer geklärt." Dass erst wiederholte Fälle von Vandalismus den Anlass zum Handeln gaben, bezeichnete auch Andrea Diehl (CDU) als "schade". Umso erfreulicher sei es, dass sich nun auch die Aktiven des Push-Vereins zusammengerauft hätten, sagte Gabriele Mohr-Nassauer (SPD). Das neue Konzept verdiene "eine Chance auf Bewährung", fand FDP-Stadtrat Wolfgang Renkenberger.

Nur Thomas Kröber von der AfD enthielt sich bei der Abstimmung: Das Konzept des Push-Vereins sei "teilweise ein bisschen wenig ausgegoren", die Aktiven sollten das Haus in Eigenleistung sanieren und das Außengelände selbst pflegen. Bürgermeister Hansjörg Höfer verwies darauf, dass der Verein das Haus 2013 fast komplett selbst ausgebaut hat. "Das Problem ist, dass viel Zeit in die Pflege und Instandhaltung des Geländes statt in Aktivitäten geflossen ist", sagte zudem Kilian Wachter, Vorsitzender des Jugendgemeinderats. An Kröbers Haltung änderte dies nichts.

Ein Vorstoß der Grünen Liste, die Stelle in der Jugendsozialarbeit auf 100 Prozent auszuweiten, fand in der Diskussion der Stadträte am Mittwoch keine Zustimmung.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung