18.02.2020

Ingenieure fordern Überarbeitung des Energieberichts fürs Kurpfalz-Gymnasium

Initiative sieht "keine ausreichende Entscheidungsgrundlage" für Entscheidung über Heiztechnik

Schriesheim. (fjm) Eine Initiative von sechs Schriesheimer Ingenieuren und Physikern fordert eine Überarbeitung des Energieberichts der Klimaschutz- und Energieberatungsagentur (Kliba) Heidelberg für das Kurpfalz-Gymnasium Schriesheim (KGS). Der Gemeinderat solle eine "fachlich richtige Grundlage" für seine Entscheidung über die Heiztechnik in dem sanierten Gebäude haben, schreiben die Unterzeichner, die am Montag zu einem Pressegespräch einluden.

Die wichtigsten Kritikpunkte der Initiative hatte Christian Wolf, Fraktionschef der Grünen Liste, schon am Mittwoch in der Sitzung des Gemeinderats vorgetragen. Zum einen seien Mehrkosten beim Blockheizkraftwerk (BHKW) mit Gasbrenner durch die geplante CO2-Steuer der Bundesregierung nicht in die Berechnungen zur Wirtschaftlichkeit aufgenommen worden. Zum anderen seien die Investitionskosten für eine Pelletsheizung nicht unter den gleichen Voraussetzungen berechnet worden.

"Von den Daten her müssten die sogar geringer sein als für ein Blockheizkraftwerk", sagt Physiker Sascha Wenger. Zumindest wenn man in beiden Fällen von bis zu 1,2 Millionen Euro Förderung vom Programm "Klimaschutz plus" des Landes ausgehe. Für die Pelletsheizung sei aber nur der KfW-Effizienzhaus-Standard 70 durchgerechnet worden, der maximal 500.000 Euro in Fördergeldern ermöglicht, so Wenger. "Dann vergleicht man Äpfel mit Birnen."

Hatten die Generalplaner der KGS-Sanierung am Mittwoch argumentiert, eine Pelletsheizung scheitere vor allem am Bau eines ausreichend großen Lagers, sieht Bauingenieur Willi Dehoust dagegen durchaus Möglichkeiten: "Mit dem Einbau von Schneckensystemen wäre auch ein Transport machbar." Genügend Platz für ein Lager ließe sich auf dem Gelände des Schulzentrums ebenfalls finden, sagt Ingenieur Norbert Clasen.

Dass durch eine Entscheidung für eine Pelletsheizung und damit gegen den Entwurf der Generalplaner der Zeitplan für das Gesamtprojekt ins Wanken geraten könnte, fürchten die sechs Unterzeichner der Initiative nicht. "Für eine Definierung der Heizung wäre noch ausreichend Zeit", sagt Willi Dehoust. "Das könnte normalerweise innerhalb von drei, vier Wochen durch sein." Clasen verweist zudem auf die Möglichkeit der Stadt, zwei Alternativen parallel auszuschreiben.

"Wir haben die Sorge, dass sich die Stadt langfristig auf eine Technologie festlegt, die schlechter ist als die, die heute schon zur Verfügung stehen", sagt Physiker Kurt Büchler. Als Beispiel nennt Sascha Wenger den Einbau von Nachtspeicheröfen im Kurpfalz-Schulzentrum: "Das war eine Entscheidung, die damals die wirtschaftlichste, langfristig aber extrem teuer war." So könne die für die überschüssige Energie des Blockheizkraftwerks eingeplante Einspeisevergütung bei einem Ausbau der erneuerbaren Energien sogar in eine finanzielle Belastung umschlagen, sagt Clasen.

Auch in Sachen CO2-Bilanz stünde eine Pelletsheizung im Vergleich zum BHKW deutlich besser da, als es im Energiebericht der Kliba veranschlagt sei, argumentiert Wenger: "Denn in Schriesheim wird laut Gemeinderatsbeschluss nur Ökostrom genutzt." Im Energiebericht sei jedoch der gesamtdeutsche Strommix als Berechnungsgrundlage gewählt worden.

Wichtig sei ihnen, so die Unterzeichner, dass der Gemeinderat einen separaten Beschluss über die Heiztechnik im sanierten Kurpfalz-Gymnasium fälle. "Wenn es einen solchen Beschluss schon gäbe, wäre unsere Initiative nur Nörgelei", sagt Clasen. Bürgermeister Hansjörg Höfer hatte am Mittwoch betont, die Entscheidung für ein Blockheizkraftwerk sei bereits gefallen. "Es wäre toll, wenn die Fraktionen im Gemeinderat auf uns zukommen", sagt Wenger. "Dieses Angebot gilt auch für die Stadtverwaltung", ergänzt Büchler.

Fachleute, die zu dem Thema andere Meinungen haben, seien in ihrer Initiative aber ebenfalls willkommen, betont Willi Dehoust. "Wir kapseln uns nicht ab und sind dankbar über Zuwachs."

Info: Ansprechpartner ist Kurt Büchler, E-Mail: kurtbuechler@t-online.de.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung