24.02.2020

Künftige Weinhoheiten wurden im Zehntkeller vorgestellt

Künftige Weinhoheiten wurden im Zehntkeller vorgestelltZwischen Generalprobe und Vor-Abschied - Für Vorgängerinnen begann damit die Endphase ihrer Amtszeit

Bürgermeister Hansjörg Höfer (l.) und Karlheinz Spieß, Vorstandsvorsitzender der Winzergenossenschaft, lobten die scheidenden Weinhoheiten (vorn, v.l.), Ann-Kathrin Haas, Annalena Spieß und Nadja Grittmann, ebenso wie ihre Nachfolgerinnen (hinten, v.l.), Fabienne Röger, Sofia Hartmann und Lena Mayer. Foto: Dorn

Von Frederick Mersi

Schriesheim. Die Jagdhornbläser hatten die Veranstaltung im Zehntkeller schon lautstark eröffnet, als für Sofia Hartmann, Fabienne Röger und Lena Meyer die letzte Stunde Wartezeit begann: In der Kuhbergstube, wenige Meter vom Ort ihrer Vorstellung als künftige Schriesheimer Weinhoheiten, mussten sich die drei jungen Frauen für den großen Moment gedulden – und die Nervosität stieg.

In der "guten Stube" der Stadt hätten drei andere Schriesheimerinnen diesen Moment gern zeitlich noch ein wenig nach hinten verschoben: Für Weinkönigin Annalena Spieß und ihre Prinzessinnen Ann-Kathrin Haas und Nadja Grittmann bedeutete die Vorstellung ihrer Nachfolgerinnen auch den Anfang vom Ende ihrer Amtszeit. "Man kann gar nicht so richtig fassen, dass es schon vorbei ist", sagte Grittmann. Auch wenn der Kronenwechsel erst am Freitag, 6. März, bei der Eröffnung des Mathaisemarkts im Festzelt vor 1700 Zuschauern erfolgt.

Die Vorstellung im Zehntkeller bot am Freitag einen deutlich kleineren Rahmen für die Generalprobe: An den langen Tafeln blieben einige Plätze sogar unbesetzt, auch weil manche Familien der scheidenden und künftigen Hoheiten als Vertreter der Winzergenossenschaft in Doppelfunktion kamen. Die Gäste, die der Einladung der Stadt folgten, wurden jedoch nicht nur mit sieben Weinen der Schriesheimer Winzer und der Verpflegung durch Festzelt-Wirtin Ilona Böhm belohnt, sondern auch mit Sitzkissen auf den Bierbänken – was Harald Weiss, Geschäftsführer der Winzergenossenschaft, sogar spontanen Applaus einbrachte.

Um 20.33 Uhr, mehr als eineinhalb Stunden nach dem offiziellen Beginn, war es dann soweit: Die Jagdhornbläser kündigten die künftigen Hoheiten an, unter stehendem Applaus zog die designierte Königin Sofia mit ihren Prinzessinnen Fabienne und Lena in den Gewölbekeller ein. "Seitdem für uns im Dezember klar war, dass wir Weinhoheiten werden, fiebern wir auf diesen Abend hin", sagte Hartmann am Mikrofon.

Für die scheidenden Weinhoheiten war der Einzug ihrer Nachfolgerinnen in anderer Hinsicht emotional: "Da wussten wir, jetzt geht es tatsächlich vorbei", sagte Prinzessin Ann-Kathrin Haas nach der Veranstaltung. Tränen ließen sich da nur mit Mühe zurückhalten.

Doch zum Vor-Abschied erhielten die scheidenden Hoheiten noch einmal viel Lob. "Ihr habt die Weinstadt Schriesheim in Nah und Fern bestens repräsentiert", sagte Karlheinz Spieß, Vorstandsvorsitzender der Winzergenossenschaft und Annalenas Vater. "Ihr habt unzählige Stunden für diese gute Sache geopfert, das habe ich als Papa dieses Mal auch richtig mitbekommen." Bürgermeister Hansjörg Höfer sagte, er werde von seinen Kollegen um die Hoheiten "beneidet". Die vielen schönen Erinnerungen, die sie gesammelt hätten, seien "das, was zählt".

Mit Hartmann, Röger und Meyer habe man aber auch für die kommende Amtszeit wieder "drei sympathische junge Damen aus mehreren Bewerberinnen wählen können", sagte Spieß. Durch ihr Wissen aus ihrer Amtszeit als Prinzessin werde Sofia ihre beiden Hoheiten "sicher souverän durchs Jahr führen". Die betonte wiederum, sie sei "sehr froh, solche tollen Prinzessinnen zu haben". Lob für die Wahl sei auch von Weinheims Oberbürgermeister Manuel Just gekommen, sagte Bürgermeister Höfer. Schließlich wohnt Prinzessin Lena Meyer im Weinheimer Ortsteil Oberflockenbach.

Da ihre Krönung unter Leitung der beiden neuen Moderatorinnen Lisa Menges und Sophie Koch etwas anders gestaltet wird, erhielten die künftigen Hoheiten vorab schon ein Geschenk: ein Magnetschild mit der Aufschrift "Schriesheimer Weinhoheiten" fürs Auto. "Dann kriegt ihr keinen Strafzettel", scherzte Höfer mit Blick auf seinen Ordnungsamtsleiter. "Der Herr Weitz hat Ja gesagt." Für die ehemalige Krönungsmoderatorin Astrid Spies gab es als Dank noch einen Gutschein für ein Frühstück mit ihrer Familie.

Nach dreieinhalb Stunden waren Generalprobe und Vor-Abschied im Zehntkeller offiziell zu Ende, sowohl bei den künftigen als auch bei den scheidenden Weinhoheiten machte sich Erleichterung breit. "Jetzt sind wir entspannt", sagte zum Beispiel Fabienne Röger. "Die richtige Nervosität beginnt dann in knapp zwei Wochen", ergänzte Vater Stefan und lachte. Dann steht die Krönung an.

„Kommt von Herzen“: Bürgermeister Hansjörg Höfer überreichte den scheidenden Weinhoheiten Annalena Spieß (2.v.l.), Nadja Grittmann (l.) und Ann-Kathrin Haas als Dank der Stadt Weinrömer – in einem Fall mit ungewöhnlicher Gravur. Foto: Dorn

Hintergrund: Emotionaler Abschied der "Sturmhoheiten" mit kuriosem Geschenk

"Ann-Sophie", "Anna-Katherina": Ob bei der Vorstellung im März 2019 im Zehntkeller oder bei der Straßenfest-Eröffnung am Alten Rathaus im September – an einen Namen unter den Schriesheimer Weinhoheiten konnte sich Bürgermeister Hansjörg Höfer während ihrer Amtszeit einfach nicht gewöhnen, den von Prinzessin Ann-Kathrin Haas. "Ich bin da öfter durcheinander gekommen", gab er am Freitag bei der Vorstellung ihrer Nachfolgerinnen zu.

Dieses Mal klappte die Zuordnung der Namen – mit einer Ausnahme: Auf Haas’ Weinrömer, dem Geschenk der Stadt, wurde fälschlicherweise der Name "Anna-Kathrin" eingraviert. "Aber er kommt von Herzen", scherzte Höfer. Die scheidenden Hoheiten Annalena Spieß, Nadja Grittmann und Ann-Kathrin Haas selbst nahmen es mit Humor.

Etwa 115 Termine hatten die Drei in ihrer Amtszeit im Kalender notiert. "Wir haben jeden zu unserem gemacht", sagte Weinkönigin Annalena. Dass dies nicht immer leicht war, verrät schon der inoffizielle Spitzname des Trios: "die Sturmhoheiten". Erst machte Orkan "Eberhard" eine Verschiebung des Mathaisemarkt-Festzugs notwendig, woraufhin die Hoheiten mit einigen Teilnehmern einfach zu Fuß durch die Stadt zogen. Doch auch die Eröffnung des Straßenfests in Schriesheim fiel wetterbedingt weitgehend ins Wasser, und in Weinheim-Lützelsachsen musste der Umzug während des Winzerfests abgesagt werden.

Immerhin entstand das Foto für die Autogramm-Karten bei schönstem Wetter unterhalb der Strahlenburg. Gut in Erinnerung bleiben wird den Hoheiten auch die vom CDU-Bundestagsabgeordneten Karl A. Lamers organisierte Reise nach Berlin. "Das Betreten des Bundestags gestaltete sich schwierig, weil unsere Kronen in der Sicherheitsschleuse wie verrückt piepsten", sagte Spieß. Genießen konnten die Drei die Fahrt in Schriesheims südfranzösische Partnerstadt Uzès: "Wir können jedem nur ans Herz legen, diese tolle Stadt zu besuchen."

Vor allem aber seien sie als Hoheiten und Freundinnen zusammengewachsen, betonten die selbst ernannten "Partners in Wine". "Ihr seid die besten Prinzessinnen, die ich mir vorstellen konnte", sagte Spieß. "Du hast uns die Angst vor möglichen Missgeschicken und unsere Fotoscheue genommen", gab Grittmann das Lob zurück. Letzteres oft durch den Aufruf: "Kommt her, meine Schäfchen!" Diese habe Spieß auch ohne Krone an ihrer Seite. Als Dank erhielt die scheidende Königin einen Wellness-Gutschein zur Erholung: "Vergessener Kelch, vergessene Ketten oder falsches Dirndl – mit uns wurde dir nie langweilig", scherzte Grittmann.

Ihrer Nachfolgerin Sofia Hartmann mit ihren Prinzessinnen Fabienne Röger und Lena Meyer wünschte Spieß "ein genauso schönes Jahr, wie wir es erleben durften". Denn: "Das ist etwas, das nicht jeder genießen darf." (fjm)

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung

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