25.02.2020

Altenbach: Bauamt warnte Ausschuss vergeblich vor Präzedenzfall

ATU gab grünes Licht für drittes Geschoss im Birkenweg

Schriesheim-Altenbach. (nip) Mit einem Bauvorhaben in Altenbachs Birkenweg tat sich der Ausschuss für Technik und Umwelt (ATU) in seiner jüngsten Sitzung schwer. Zumal Bauamtsmitarbeiterin Beate Kreis warnte, wenn der ATU zustimme, könnte es dennoch sein, dass das Baurechtsamt des Rhein-Neckar-Kreises das Gesuch ablehne.

Grund hierfür ist der Plan, auf das zweigeschossige Wohnhaus noch einmal ein Geschoss draufzusatteln. Talseitig würde das Gebäude mit einer Gaube über die gesamte Dachfläche sogar dreigeschossig in Erscheinung treten. Der Bebauungsplan aus dem Jahr 1978 sieht zwei Vollgeschosse oder mehr indes nicht vor, schon für die Zwei-Geschossigkeit ist also eine Befreiung vom Bebauungsplan nötig.

"Ein schwieriges Bauvorhaben", sagte Christian Wolf (Grüne Liste). "Wir stören uns an der Höhe, die ist schon erheblich. Ein Meter weniger wäre schön." Allerdings sehe er auch, dass man "das im Birkenweg machen kann". Die Höhe sei zum Nachbarn hin gravierend, meinte Karl Reidinger (CDU). "Mit viel Bauchschmerz stimmen wir zu", meinte er aber auch.

"Der einzige Vorteil ist, dass niemandem etwas verbaut wird", sagte Hans Beckenbach (Freie Wähler). "Es passt dort zwar rein, hätte aber einen Dominoeffekt für die Straße", meinte Sebastian Cuny (SPD). Ein Großteil des Birkenwegs vertrage zwar diese Höhe, doch die Auswirkungen auf den Bebauungsplan würden ihm Bauchschmerzen bereiten.

Der alte Bebauungsplan sei aus den späten 70er Jahren, die Zeiten hätten sich geändert, meinte Ulrike von Eicke (FDP). Die geplante Firsthöhe, die sich durch die Aufstockung um 2,20 Meter auf rund 13,50 Meter erhöhen würde, störe im Birkenweg doch keinen.

Bürgermeister Hansjörg Höfer warnte vergeblich vor einem Präzedenzfall, den man mit der Genehmigung schaffe. Wenn andere Birkenweg-Bewohner nachziehen wollten, könnte sich die Stadt nicht wehren. Doch trotz ihrer Bauchschmerzen stimmten die übrigen ATU-Mitglieder dem Bauvorhaben zu.

Bei einem ähnlich gelagerten Fall in der Kippstraße, wo allerdings ein Neubau mit zwei Vollgeschossen entstehen soll, sagte der ATU dagegen mehrheitlich Nein – und versagte die beantragte notwendige Befreiung. Christian Wolf (Grüne Liste) hatte argumentiert, die positiven Aspekte des Bauvorhabens würden überwiegen. "Das passt gut in die Umgebung rein, und es ist eine sehr gute Art der Bebauung auf dem Doppelgrundstück."

Karl Reidinger sagte hingegen, die Nachbarschaft würde durch die Gebäudehöhe beeinträchtigt. Man müsse versuchen, die Planung "abzumildern". Hans Beckenbach gab dem Kollegen Recht. "Ich sehe Potenzial, die Höhe noch zu ändern." Sebastian Cuny verstand zwar, dass der Bauherr günstiger in die Höhe als in die Fläche bauen wolle, doch sollte er lieber die Fläche nutzen. "Die Auswirkungen auf die Nachbarn wären erheblich."

In Richtung jener vier ATU-Mitglieder, die das Bauvorhaben befürworteten, schickte Beate Kreis die sinngemäße Mahnung, sich doch von den Bauvorhaben zu lösen, auch wenn sie sich "schön einfügten", und auf dem Boden der Bebauungspläne zu bleiben.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung