27.02.2020

KSV hat Ringerabteilung nach Rücktritten neu aufgestellt

KSV hat Ringerabteilung nach Rücktritten neu aufgestellt

Flaggschiff soll mit frischem Wind starten - Profi-Mannschaft startet weiterhin in der Regionalliga

KSV-Vorsitzender Herbert Graf (r.) freut sich nach „schlaflosen Nächten“ über neues Führungspersonal beim Ringen: Dieter Philipp und Peter Schmitt leiten die Abteilung kommissarisch, Attila Tamas trainiert die Profis und Kerim Ferchichi agiert als Teambetreuer (v.l.). Foto: Dorn

Von Frederick Mersi

Schriesheim. Turbulente Zeiten liegen hinter den Ringern des Kraftsportvereins (KSV) Schriesheim. Erst verkündete die Deutsche Ringerliga (DRL) im Sommer 2019, dass die Traditionsmannschaft von der Bergstraße künftig in ihrem Zusammenschluss startet, dann entschied sich der Vereinsvorstand mehrheitlich dagegen – und im Dezember trat nicht nur Ringer-Abteilungsleiter Marc Hartmann, sondern auch sein Stellvertreter Rainer Steffan sowie die Teambetreuer Klaus Grüber und Werner Wolf zurück.

"Das war das erste Mal, dass ein Abteilungsleiter Ringen beim KSV vor dem Ende seiner Amtszeit zurückgetreten ist", sagt Vereinsvorsitzender Herbert Graf. Hartmann habe dies mit der enormen Belastung durch sein Ehrenamt erklärt. "Ich danke ihm dafür. Er hat wirklich viel gemacht – nicht nur, was das Ringen betrifft." Der Konflikt um die Teilnahme an der DRL habe keine Rolle bei der Entscheidung gespielt. Dennoch müsse sich der Gesamtverein "in einigen Dingen" neu aufstellen, so Graf: "Das hat mit Sachthemen, aber auch mit Personen zu tun."

Nach dem geschlossenen Rückzug der Ringer-Spitze diskutierte der Vorstand deshalb alle Möglichkeiten – auch den Rückzug aus der Regionalliga und das Ende des Profiringens in Schriesheim an sich, traditionell das Flaggschiff des KSV. "Das hat mir viele schlaflose Nächte bereitet", sagt Graf. Zwei Wochen nahmen sich die Verantwortlichen Zeit, um eine Entscheidung zu treffen. Die Arbeit als Ringer-Abteilungsleiter erfordere enorm viel Zeit, so Graf. Gleichzeitig seien immer weniger jüngere Mitglieder bereit, sich in solchen Positionen für den Verein engagieren.

Letztlich fanden sich drei KSV-Urgesteine, die mit den Ringern den Neustart wagen wollen: Peter Schmitt, Mitglied seit 1963 und inzwischen Sportbeauftragter, Dieter Philipp, seit mehr als 40 Jahren Mitglied und Stellvertreter von Vorsitzendem Herbert Graf, und Kerim Ferchichi, Mitglied seit 1992 und bis in die vergangene Saison noch als Ersatzkämpfer für das Regionalliga-Team im Einsatz. Schmitt und Philipp übernehmen kommissarisch die Abteilungsleitung, Ferchichi die Teambetreuung. Alle Drei identifizieren sich mit dem Verein, Ferchichi machte 2014 sogar seinen Heiratsantrag auf der Ringermatte.

"Wir haben keinen Abteilungsleiter gesucht", sagt Graf. "Damit wollten wir uns Zeit lassen." Der Schritt, die Mannschaft abzumelden, hätte ihm als ehemaliger Ringer-Chef das Herz gebrochen. Doch nun stand die neue Abteilungsleitung vor der Herausforderung, innerhalb weniger Wochen eine komplett neue Mannschaft zu formen. "Jetzt steht unser Team bis auf eine Gewichtsklasse", sagt Schmitt, "obwohl nur noch vier Ringer aus der vergangenen Saison dabei sind".

Wie konkurrenzfähig das neue Team sein wird, ist unklar. Zwar betont Teambetreuer Ferchichi, dass in der kommenden Regionalliga-Saison jeder jeden schlagen könne. Doch die Erfolgsaussichten hängen auch von den Plänen des Deutschen Ringerbunds (DRB) ab, der 2021 die Zweite Bundesliga wieder einführen und möglichst viele "abtrünnige" Traditionsvereine aus der DRL zurückholen will. Wo diese dann starten würden, ist noch offen.

Wichtig ist dem Gesamtverein aber vor allem die Nachwuchsarbeit, um weitere Mitglieder zu gewinnen. Dabei setzt der KSV auf die Zusammenarbeit mit den Schriesheimer Schulen. "Raufen und Ringen" sei zum Beispiel inzwischen Bestandteil des Lehrplans der sechsten und siebten Klassen am Kurpfalz-Gymnasium, sagt Peter Schmitt. An der Realschule würden Kampfsport-AGs angeboten.

Um den Neustart bei den Ringern erfolgreich zu gestalten, will man beim KSV an einem Strang ziehen. Die jüngste Abteilungsversammlung der Ringer sei harmonisch verlaufen, sagt Graf. "So muss das sein", sagt Ferchichi. "Wir müssen mit respektvoll miteinander umgehen."

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung