05.03.2020

Mathaisemarkt Schriesheim 2020: Sie war Schriesheims Milleniums-Weinkönigin

Hoheit vor 20 Jahren: Nadja Lamprecht war Weinkönigin, bevor es cool war

Von Frederick Mersi

Schriesheim. Als Nadja Ewald auf der Bühne des Mathaisemarkt-Feszelts zur Schriesheimer Weinkönigin gekrönt wurde, hatte das Unternehmen Trek International 2000 gerade an einem schlichten Stand auf der Elektronik-Messe CeBit in Hannover den ersten USB-Stick vorgestellt. "Ich habe in dem Jahr Abitur gemacht", erinnert sich Ewald, die inzwischen den Nachnamen Lamprecht trägt. "Keine Ahnung, wie ich das mit Amt und Prüfung nebeneinander geschafft habe."

Ewald wurde zur offiziellen Schriesheimer Milleniums-Weinkönigin, worüber sich vor allem Vater Friedrich, damals Vorstandsvorsitzender der Schriesheimer Winzergenossenschaft, freute. "Er hat damals immer händeringend nach Kandidatinnen gesucht", sagt Lamprecht. "Zu meiner Zeit war es nicht so cool, Hoheit zu sein."

Heute präsentieren die Botschafterinnen des Schriesheimer Weins stolz ihre Erlebnisse samt Bildern auf sozialen Netzwerken wie Facebook oder Instagram. "Ich wurde von meinen Klassenkameraden auf dem Heinrich-Sigmund-Gymnasium gefragt, warum um alles in der Welt ich so etwas mache", sagt Lamprecht. "Aber wenn ich es dann erklärt habe, waren viele echt angetan."

Schon als Kind sei sie oft von ihren Eltern mit in den Weinberg genommen worden, erzählt Lamprecht, die sich selbst als "Traditionsmenschen" bezeichnet. "Mir hat das auch wirklich Freude gemacht, während mein Bruder eigentlich gar kein Interesse am Weinbau gezeigt hat", sagt Lamprecht. Nachdem sie schon im Kindergarten-Alter Erfahrung als "kleine Hoheit" gesammelt hatte, war der Weg zur Weinkönigin nicht mehr weit. "Für meinen Vater war das natürlich super", sagt Lamprecht. "Aber die Entscheidung habe ich selbst getroffen."

Obwohl ihr Auto während des Umzugs zum Weinfest in Groß-Umstadt abgeschleppt wurde, und die erste Rede auf Französisch für den Besuch aus der Partnerstadt Uzès einiges an Nerven kostete, blickt sie mit Freude auf ihre Amtszeit zurück. "Ich habe gelernt, auf Bühnen zu sprechen und mit ganz unterschiedlichen Leuten umzugehen", sagt Lamprecht. "Das hat mir für Studium und Beruf sehr geholfen."

Letztlich wurde Lamprecht, was sie nie werden wollte: Lehrerin. Jetzt unterrichtet sie an der Erich-Kästner-Grundschule in Mannheim. "Ursprünglich wollte ich mal Handball-Star werden", sagt die 37-Jährige und lacht. "Aber ich liebe meinen Beruf."

Schriesheim ist sie verbunden geblieben. Inzwischen kümmert sie sich um zwei Weißburgunder-Wingerte selbst, seit 2018 sitzt sie – wie einst ihr Vater – für die Freien Wähler im Gemeinderat. "Für diese Arbeit hat mir das Amt als Weinkönigin definitiv auch geholfen", sagt Lamprecht.

Tochter Hedi hat inzwischen auch schon Erfahrung als "kleine Hoheit" gesammelt. Ob sie einmal in die Fußstapfen ihrer Mutter tritt? "Ich würde sie nicht selbst fragen, aber sie auch nicht bremsen", sagt Lamprecht.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung