05.03.2020

Schriesheimer Mathaisemarkt 2020: "Dieses Fest bringt die Region zusammen"

Schriesheimer Mathaisemarkt 2020: "Dieses Fest bringt die Region zusammen"

Bürgermeister Hansjörg Höfer im Interview

„Spontan bleiben“: Schriesheims Bürgermeister Hansjörg Höfer beim Mathaisemarktlauf 2019. Foto: Dorn

Herr Höfer, packt Sie mit Blick auf Ihren vorletzten Mathaisemarkt als Schriesheimer Bürgermeister schon ein wenig Wehmut?
Nein. Das ist für mich noch kein Thema. Wobei ich vielleicht mal darüber nachdenken werde, wenn der Mathaisemarkt dann läuft.

Wie hat sich das Fest seit Ihrem Amtsantritt entwickelt?
Mir war immer wichtig, dass das Fest an sich und die Weinhoheiten als Personen im Mittelpunkt stehen. Die Krönung ist mit bis zu 1700 Besuchern mittlerweile die größte Veranstaltung, die in Schriesheim regelmäßig stattfindet. Das ist was Einmaliges und zeigt mir, dass ich mit dieser Haltung richtig lag.

Mit Lisa Menges und Sophie Koch werden zwei ehemalige Weinköniginnen den Krönungsabend zur Eröffnung im Festzelt erstmals moderieren. Was erwartet die Besucher?
Wir haben schon einiges durchgesprochen, aber die Details kenne ich nicht. Ich bin selbst gespannt, weil mit den beiden jungen Frauen auch eine neue Generation den Mathaisemarkt mitgestaltet. Damit könnte auch neue Bewegung in den Mathaisemarkt kommen. Dieser Neuerung sehe ich mit Spannung entgegen.

Spielt der Mathaisemarkt denn für junge Leute eine genau so wichtige Rolle wie für die Alteingesessenen?
Ich werde von ganz vielen jungen Menschen angesprochen, die sich das ganze Jahr über auf das Fest freuen. Bilder vom Mathaisemarkt werden als Hintergrund auf dem Smartphone oder in sozialen Netzwerken verbreitet. Das Fest hat bei jungen Leute in Schriesheim eine große Bedeutung.

Auch jenseits der Stadtgrenzen?
Attraktionen wie auf unserem Rummel gibt es das ganze Jahr über in Freizeitparks. Da können wir nicht mithalten – und da gibt es auch eine gewisse Sättigung. Aber dieses Fest bringt die Region immer noch zusammen. Ich tausche mich ab und zu mit dem Kollegen in Bad Dürkheim über Volksfeste aus – wobei ich uns jetzt nicht mit dem Wurstmarkt auf eine Stufe stellen kann.

Welches Fahrgeschäft wollen Sie sich auf dem Rummel dieses Jahr auf keinen Fall entgehen lassen?
(lacht) Das weiß ich noch nicht. Da muss man spontan bleiben. Letztes Jahr wollte ich ja eigentlich auch nicht beim Mathaisemarktlauf mitmachen. Dann habe ich am Freitagabend ein Glas Wein mit anderen getrunken und mich überreden lassen. Ich lasse dann das Fest auf mich wirken und suche mir raus, was mir Spaß macht.

An Ihrem ersten Mathaisemarkt als Bürgermeister war Günther Oettinger Festredner der Mittelstandskundgebung, dieses Jahr auch. Eine gute Wahl?
Günther Oettinger ist immer eine gute Wahl. Ich habe das Vergnügen gehabt, ihn mehrfach zu treffen. Er ist ein guter Festzelt-Redner. Ich bin gespannt, was er als ehemaliger CDU-Landespolitiker zur Ministerpräsidentenwahl in Thüringen zu sagen hat. Ich hoffe, dass er mutig genug ist und die richtigen Worte findet.

Letztes Jahr hat die Stadt den Festzug wegen einer Unwetterwarnung kurzfristig auf den zweiten Sonntag verlegt. Was haben Sie aus dieser Ausnahmesituation gelernt?
Nichts ist selbstverständlich. Ich habe diese Entscheidung mit Feuerwehr, Polizei und Rotem Kreuz im Lagezentrum gemeinsam getroffen. Das hat mich persönlich so mitgenommen, dass ich erst mal einen Moment Ruhe und ein Glas Wasser gebraucht habe. Rückblickend betrachtet hätte ich anders reagieren sollen: zu denjenigen gehen, die schon die Festwagen aufstellen, und das Gespräch suchen.

Der diesjährige Festzug steht unter dem Motto "Schriesheim 2064". Welche Voraussage würden Sie wagen?
Der Festzug wird zu diesem Zeitpunkt noch mit echten Menschen stattfinden, nicht rein digital. Ich kann mich noch an den Mathaisemarkt 1964 erinnern, den ersten auf dem Festplatz. Jetzt bin ich gespannt, was die Vereine aus dem Thema machen.

2019 hat Schriesheim mit dem Mathaisemarkt knapp 73.000 Euro Minus gemacht. Sollte nicht sogar ein Gewinn für die Stadt herausspringen?
Ich denke, dass es anderen Veranstaltern da nicht anders geht. Außerdem will ich die Preise für Schausteller nicht zu hoch ansetzen, damit unser Rummel attraktiv bleibt. Dieses Fest ist ein Treffpunkt. Ich habe als Standesbeamter schon viele Ehen geschlossen von Leuten, die sich auf dem Mathaisemarkt kennengelernt haben. Diesen Wert kann man nicht in Euro und Cent messen.

Warum sollte jemand, der bisher noch nie den Mathaisemarkt besucht hat, dieses Jahr kommen?
Der Mathaisemarkt ist ein friedliches Familienfest, aber wir Schriesheimer verstehen es, zu feiern. Das hat sich herumgesprochen. Zusammenfassend würde ich sagen: Spaß und Unterhaltung auf hohem Niveau, unbeschwerte Stunden und die Spannung auf Neues.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung