06.03.2020

Hoffnung auf ein Stückchen Normalität

Stand Donnerstag: 441. Mathaisemarkt findet statt - Kaum Absagen

Von Frederick Mersi

Schriesheim. Während die letzten Vorbereitungen auf dem Festplatz liefen, fehlte am Donnerstagmorgen noch etwas für den Mathaisemarkt-Rummel an prominenter Stelle: Mehrere Riesenrad-Gondeln waren nicht am "Grand Soleil" befestigt, am höchsten Punkt klaffte eine Lücke. Schnell machten Gerüchte die Runde: Vor der finalen Entscheidung am Freitagmorgen, ob der Mathaisemarkt trotz Coronavirus stattfindet, wolle der Schausteller die Gondeln nicht aufhängen.

"Die haben wir nur wegen der Sturmwarnung am vergangenen Wochenende nicht montiert", sagte Schausteller Sebastian Göbel aus Worms am Donnerstag. "Die Gondeln kommen heute." Als am Donnerstagmittag die traditionelle Kesselprobe mit Mitarbeitern der Stadtverwaltung, des Bauhofs und der Sicherheitskräfte im Festzelt stattfand, war die Lücke geschlossen. Doch das neuartige Coronavirus und seine Auswirkungen blieben Gesprächsthema Nummer eins.

"Ich will das Risiko nicht herunterspielen", sagte Bürgermeister Hansjörg Höfer in seiner Ansprache zu Beginn der Kesselprobe. "Aber das Leben muss weitergehen." Die Stadt habe nach Abwägung aller Faktoren beschlossen, den Mathaisemarkt "durchzuziehen". Zwar sollten die Menschen auf ihre Gesundheit achten, aber nicht in Panik verfallen.

Harald Weiss, Geschäftsführer der Winzergenossenschaft, sagte, dass sich manche Mitarbeiter Gedanken über Ansteckungsrisiken im voraussichtlich an den Abenden vollen Zehntkeller machten. "Wir freuen uns, bangen aber auch", so Weiss. Schließlich sei der Mathaisemarkt eine wichtige Möglichkeit für die Schriesheimer Winzer, ihre Vielfalt und Leistungsfähigkeit zu präsentieren.

Beim Mathaisemarktlauf haben sich die meisten Interessenten offenbar nicht verunsichern lassen: Zum Ende der Internet-Anmeldefrist hatten laut Christian Alles vom Organisationsteam des Turnvereins 687 Läufer zugesagt. "Das sind etwa 50 bis 80 weniger als sonst." Das Heinrich-Sigmund-Gymnasium hat zwar wegen des Corona-Risikos seine Schulstaffeln abgemeldet, abgesehen davon sei aber kein Rückgang zu verzeichnen. "Von daher kann man nicht von einer allgemeinen Verunsicherung sprechen", so Alles. Wer spontan mitlaufen wolle, könne am Samstag noch bis 30 Minuten vor dem Start vorbeikommen und sich anmelden.

Auch die Schausteller sind nach Angaben von Ariane Haas-Bruch vollzählig und vorbereitet. "Wir hoffen, dass die Menschen gerade in dieser Zeit Lust auf etwas Positives haben", sagte die Marktmeisterin am Donnerstag. "Es muss hier auch keiner irgendjemandem die Hand geben oder Küsse verteilen, um mitfahren zu dürfen." Und sie nutzte die gleichen Worte wie Bürgermeister Höfer: "Das Leben muss ja weitergehen."

Der Bund der Selbstständigen (BDS) liegt mit dem Ausbau des Gewerbezelts unterdessen in den letzten Zügen. Nur ein Schausteller habe wegen des Corona-Infektionsrisikos abgesagt, so BDS-Chef Rolf W. Edelmann. Zudem würden die Vertreter des Finanzamts Weinheim am Sonntag nicht an den Stand der Stadt Schriesheim kommen. "Das muss man hinnehmen", sagte Edelmann.

Sollte die Stadt am Freitagmorgen endgültig grünes Licht geben, erwartet die Besucher von Samstag an immerhin deutlich besseres Wetter: Nach Angaben des Deutschen Wetterdiensts sollen die Temperaturen am Wochenende nach letzten, einzelnen Schauern bei trockenem Wetter auf bis zu 14 Grad klettern.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung