09.03.2020

Mathaisemarkt Schriesheim: "Boxsportler halten zusammen"

Bei der Box-Matinee des KSV Schriesheim gab es ein 18:18 zwischen der Landesauswahl und Gästen

Von Claus-Peter Bach

Schriesheim. Dem KSV Schriesheim gebührt Respekt. Nach der kurzfristigen Absage der irischen U22-Nationalmannschaft, deren Verantwortliche wegen der Ansteckungsgefahr durch das Corona-Virus kein Risiko eingehen wollten, ist es Box-Abteilungsleiter Werner Kranz und seinem Stellvertreter Okan Sezer gelungen, für die 45. Box-Matinee im Festzelt des Mathaisemarktes zwölf Kampfpaarungen zusammenzustellen und das Publikum einmal mehr mit gutklassigem Faustkampf zu verwöhnen.

In der roten Ecke wurden Boxer aus der Schweiz, aus Tschechien und aus Deutschland versorgt, und im Hintergrund flatterten die Fahnen der Eidgenossen und der mutigen Männer von der Moldau. Aus der blauen Ecke stürmten die Baden-Württemberger den Ring und wussten sich dabei in der unmittelbaren Nähe der Schriesheimer Weinhoheiten. Königin Sophia wurde von den Prinzessinnen Fabienne und Lena sowie dem Schriesheimer Bürgermeister Hans-Jörg Höfer begleitet, der den Gästen herzlich dafür dankte, dass sie so kurzfristig an die Bergstraße gekommen sind und ihre Sportfreundschaft zum KSV aufgefrischt haben. "Und nun zeigen sie uns sogar leidenschaftlichen Sport", freute sich Höfer: "Boxsportler halten zusammen."

Nach den zwölf Kämpfen hatten sich in der roten Ecke 18 Punkte angesammelt und in der blauen auch 18. Zwei Zähler erhält der Sieger, einen immerhin der ehrenvoll Unterlegene. Zehn Kämpfe gingen über die volle Distanz von drei Runden, nur zwei endeten vorzeitig.

Der Schriesheimer Lokalmatador Domenico Morelli überraschte in seinem erst dritten Kampf stark und besiegte den Neckarsulmer Arkon Jamazlada durch Abbruch in der dritten Runde, nachdem der Unterländer vom Ringrichter drei Mal angezählt worden war. Der 24-jährige Morelli kommentierte seine Leistung so: "Die erste Runde war sehr schlecht, da wurde ich regelrecht überrumpelt. In der zweiten und dritten Runde habe ich die Kampfweise dieses Rechtsauslegers verstanden, dann konnte ich Druck aufbauen. Ich hätte noch Kraft für weitere Runden gehabt", freute sich Morelli.

Im Mittelpunkt des Interesses der prominenten Ringgäste – unter ihnen der frühere Profi-Weltmeister Markus Bott, der deutsche Doppelmeister Bernd Schwab, der deutsche Schwergewichtsmeister Charly Graf und Volker Grill, der Vizepräsident des Bundes Deutscher Berufsboxer – galt den Sor-Zwillingen von Pugilist Bruchsal. Die beiden 19-jährigen Leichtgewichtler sind Kraftpakete und zählen zu den Hoffnungen des Deutschen Boxsport-Verbandes.

Ahmet Sor verlor nach Punkten gegen den sehr guten Angelo Pena aus Bern, weil er seine Deckung vernachlässigte und in den Runden zwei und drei zu viele (leichte) Kopftreffer kassierte. Mehmet Sor war vorsichtiger und zielstrebiger und setzte sich in einem Klassekampf nach Punkten gegen den Tschechen Matyas Makovec durch. Dazu sagte Helmut Ranze: "Ahmet und Mehmet sind technisch gute Boxer. Allerdings hat sich ihre Entwicklung im letzten Jahr ein wenig verlangsamt. Sie sind jetzt in einem Alter, in dem sie einen Leistungssprung realisieren müssten", sagte der 72-jährige Wormser, der viele Jahre Bundestrainer war und gegenwärtig als bester Supervisor des Weltverbandes AIBA gilt.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung