10.03.2020

Mathaisemarkt Schriesheim: Frohsinn bei den Boxern im Festzelt

Der KSV Schriesheim ließ sich seine 45. Faustkampf-Matinee vom Corona-Virus nicht vermiesen

Von Claus-Peter Bach

Schriesheim. Nachdem die Boxer aus Baden-Württemberg am Freitagabend im Marktflecken Deggenhausertal-Wittenhofen am Bodensee mit 16:14 gegen eine internationale Auswahl gewonnen hatten, wiederholten sie zur Freude des KSV Schriesheim ihre guten Leistungen am Sonntag im Festzelt des Mathaisemarkts und erreichten in den zwölf Kämpfen gegen vier Schweizer, drei Tschechen und fünf Athleten aus Hessen und dem Schwabenland ein 18:18.

"Es war eine fast unmenschliche Anstrengung, nach der Absage der irischen U22-Nationalmannschaft die Veranstaltung zu retten", stöhnte KSV-Abteilungsleiter Werner Kranz, der gemeinsam mit Baden-Württembergs Landestrainer Oliver Vlcek fast pausenlos telefoniert hatte, um die Sportfreunde von überall her zusammenzutrommeln. Insbesondere die vier Supertechniker aus Bern, Baden, Frauenfeld und Thun begeisterten die Zuschauer im Festzelt.

Kranz, der seine fleißigen Mitarbeiter für ihren großen Einsatz lobte, hatte Verständnis für die Absage der Iren, die wegen der Ansteckungsgefahr mit dem Corona-Virus auf Anordnung ihres Gesundheitsministers die grüne Insel nicht verlassen durften. Er war aber enttäuscht, dass nur rund 250 zahlende Zuschauer das grün-gelb-weiß geschmückte Zelt mit den vier überdimensionalen Adventskränzen und rot-weißen Schleifen bevölkerten. Dabei duftete es schon am Eingang nach Sauerkraut, Haxen und Grillhähnchen, mit denen man gegen halb elf eine Box-Matinee durchaus mal herzhaft beginnen kann. Der KSV hatte 150 Ehrengäste geladen, und die restlichen 300 Zuschauer wähnten sich besonders clever und erschienen erst nach der 15-minütigen Kampfpause, als die netten Damen an den Kassen bereits Feierabend gemacht hatten.

Einmal mehr und zum 45. Mal bot der KSV gutklassiges Boxen mit dem Lokalmatador Domenico Morelli (24), der seinen erst dritten Kampf durch Abbruch in der dritten Runde gewann, und mit den Sor-Zwillingen (19) aus Bruchsal. Mehmet gewann überlegen nach Punkten, er ist ja schließlich Vizeeuropameister der Junioren.

Da die Kämpfe hart, aber fair waren und zehn über die volle Distanz ausgetragen wurden, herrschte rund um den Ring beste Stimmung. Etliche Zuschauer bewunderten den neuen Hut des früheren deutschen Meisters Bernd Schwab (BC Heidelberg, 1985 und 1986), alle genossen die humorigen Ansagen des Ringsprechers Hermann Czujan aus Straubing, der sein haarloses Haupt zur Feier des Tages auf Hochglanz poliert hatte. Die Stimmung erreichte ihren Höhepunkt, als Czujan den Schriesheimer Bürgermeister Hansjörg Höfer "meinen Freund" nannte, "weil er eine so tolle Einstellung zu den Problemen unserer Zeit hat", den Dossenheimer Bürgermeister David Faulhaber freundlich willkommen hieß und Hockenheims neuen Oberbürgermeister Marcus Zeitler nach Hoffenheim verortete. Auf die Frage, ob Zeitler irgendwann einmal Bürgermeister von Hoffenheim werden wolle, antwortete dieser entwaffnend ehrlich: "Besser nicht!"

In den Kampfpausen riefen die "legendären" (Czujat) Soul Dancers der DJK Rot-Weiß Handschuhsheim in schwarz-weißen Kostümen ebenso Beifallsstürme hervor wie die Nummern-Girls aus dem Dossenheimer Sporthaus Körbel. Weinkönigin Sofia hatte – zu Zeiten von Corona ganz wichtig! – einen klugen Spruch parat: "Wasser macht weise, glücklich der Wein. Drum trinke beides, um beides zu sein." Wohl bekomm’s!

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung