11.03.2020

Mathaisemarkt Schriesheim: Wie ein Ferienlager für Große

Mathaisemarkt Schriesheim: Wie ein Ferienlager für Große

Handball-Welttorhüter Henning Fritz spricht am RNZ-Stand auf dem Mathaisemarkt über die Löwen, das Nationalteam und Corona

Entspannte Atmosphäre am RNZ-Stand: Torwart-Legende Henning Fritz (r.) nahm sich Zeit für die Fragen von Sportchef Joachim Klaehn. F: Dorn

Von Tillmann Bauer

Schriesheim. Henning Fritz hat keine Corona-Angst. Freundlich begrüßt der ehemalige Handball-Welttorhüter die Zuschauer, die am gestrigen Dienstagnachmittag auf den Schriesheimer Mathaisemarkt an den RNZ-Stand gekommen sind – mit Handschlag. Er sagt: "Es gibt keinen Grund, keine gute Laune zu haben." Er versuche einfach, sich weiter gesund zu ernähren, körperlich fit zu bleiben und verfalle nicht in Panik. Am vergangenen Sonntag, als er beim Bundesliga-Duell zwischen dem THW Kiel und den Rhein-Neckar Löwen als Experte für den TV-Sender Sky im Norden im Einsatz war, klatschten ihn Kollegen aus früheren Zeiten mit dem Ellenbogen oder der Faust ab: "So etwas habe ich in dieser Form echt noch nicht erlebt. Es ist eine verrückte Zeit."

Weil Jammern aber nichts bringt, überwiegt bei Fritz eine gewisse Gelassenheit. In lockerer Runde plaudert der Welt- und Europameister gemeinsam mit RNZ-Sportchef Joachim Klaehn über seine Karriere, die Nationalmannschaft, Höhen, Tiefen und – natürlich – die aktuelle Lage bei seinem ehemaligen Verein, den Rhein-Neckar Löwen.

In die jungen Rückraumspieler – Romain Lagarde und Niclas Kirkelokke –, die vor der Saison neu gekommen sind, setzt er große Hoffnungen. "Beide sind außergewöhnliche Spieler, die aber noch nicht so richtig angekommen sind. Sie müssen noch wachsen und sich entwickeln."

Auch von Trainer Martin Schwalb ist Fritz überzeugt. "Er ist ein ausgewiesener Handballfachmann und schafft es vor allem, die Leidenschaft zurück ins Spiel zu bringen", sagt Fritz. Der Schlussmann weiß, wovon er spricht, schließlich konnte er viele große Titel in einer Mannschaft feiern, in der die Stimmung passte. "Es war damals wie ein Ferienlager für Große", sagt Fritz. Er spricht von den glorreichen Jahren im National-Team, als er gemeinsam mit Stefan Kretzschmar, Daniel Stephan oder Florian Kehrmann unter Leitung von Heiner Brand mit dem Adler auf der Brust auflief.

Bei Ex-Löwentrainer Kristjan Andresson, der vor knapp zwei Wochen beurlaubt wurde, habe er die Leidenschaft vermisst: "Es war der richtige Zeitpunkt, um einen Schlussstrich zu ziehen. Manchmal ist es so, dass es nicht passt."

Eine ähnliche Problematik sah Fritz bei der deutschen Nationalmannschaft, die sich nach der Europameisterschaft bekanntlich von Christian Prokop getrennt hat und seitdem von Alfred Gislason trainiert wird. "Christian wirkte eben immer eher etwas sachlich und war aus meiner Sicht mit dem ganzen medialen Fokus etwas überfordert", so der Ex-Schlussmann: "Alfred Gislason hat dagegen schon alles erlebt, er muss niemandem mehr etwas beweisen – alleine seine Präsenz ist schon entscheidend."

Ob Fritz die weitere Entwicklung aber zukünftig aus der Halle verfolgen kann, ist nicht klar. Der TV-Sender Sky verzichtet aufgrund des Corona-Virus wohl auf die Experten vor Ort. "Verrückt, man hat das Gefühl, die ganze Welt steht still", sagt Fritz – und verabschiedet sich höflich mit Handschlag.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung