12.03.2020

Coronavirus-Absagen: Für Beteiligte sind Maimarkt- und Mathaisemarkt-Aus eine Existenzfrage

Coronavirus-Absagen: Für Beteiligte sind Maimarkt- und Mathaisemarkt-Aus eine Existenzfrage

Verluste für Aussteller und Schaugewerbe noch nicht absehbar

Großreinemachen: Nach dem Abbruch des Mathaisemarkts begann noch am Mittwoch der Abbau des Festzelts. Foto: Dorn

Von Carsten Blaue, Barbara Klauß und Frederick Mersi

Mannheim/Schriesheim. Aufgrund der Infektionsrisiken mit dem neuartigen Coronavirus und des damit verbundenen Verbots von Großveranstaltungen wird der Mannheimer Maimarkt dieses Jahr nicht stattfinden. Maimarkt-Chefin Stefany Goschmann hatte es im Vorfeld schon geahnt. Geplant war die größte deutsche Regionalmesse vom 25. April bis 5. Mai. Auch das zweite Wochenende des Schriesheimer Mathaisemarkts wurde abgesagt. Eine entsprechende Presseerklärung aus der Verwaltung der Weinstadt ging dieser Zeitung am Mittwochmorgen zu.

Kurz bevor der Erlass aus dem Stuttgarter Gesundheitsministerium zur Absage von Events mit mehr als 1000 Teilnehmern bekannt wurde, hatte die RNZ mit Goschmann am Mittwochnachmittag telefoniert: "Es ist gar nicht mehr unsere Entscheidung. Wir stehen in engem Kontakt mit den Behörden, und das ist in diesem Fall keine Floskel", sagte die Maimarkt-Chefin. Das diesjährige Aus der Messe reiße ein Loch in die Region, für die der Maimarkt immer ein besonderer Treffpunkt ist. Der Schaden für die Aussteller, aber auch für die Mannheimer Ausstellungs-GmbH als Organisatorin sei noch nicht absehbar, so Goschmann.

Die Tragweite und Größenordnung wird aber schon anhand ihrer Zahlen deutlich: Der Maimarkt hat jedes Jahr rund 1400 ausstellende Betriebe und zählt rund 300.000 Besucher. Dazu kommen 9000 Mitarbeiter der Unternehmen an den Ständen. In den elf Messetagen, so Goschmann, würden etwa 150 Millionen Euro umgesetzt. Wie groß der Verlust für einzelne Unternehmen sei, wisse sie nicht: "Aber Einschnitte gibt es selbstverständlich auch für uns. Der Maimarkt ist ein großer Brocken."

Um den Schaden zu begrenzen, hatte die Messechefin frühzeitig vor der drohenden Absage gewarnt: "Denn der Aufbau ist ja in vollem Gange, und die Aussteller sind auf dem Sprung." Diese habe sie so schnell wie möglich informieren müssen: "Und das haben wir getan." Manfred Schnabel, Präsident der Industrie- und Handelskammer (IHK) Rhein-Neckar, sagte zum Maimarkt-Aus: "Das ist eine Herausforderung für alle, die mit der Messe zu tun haben, und kann für sie zum Teil existenzielle Sorgen bedeuten."

Direkt betroffen von der Entwicklung rund um das Coronavirus seien vor allem aber auch die Reisewirtschaft und die Gastronomie. Und das Handwerk, wenngleich sich die Auswirkungen heute noch schlecht einschätzen ließen, wie Detlev Michalke, Sprecher der Handwerkskammer Mannheim Rhein-Neckar-Odenwald, auf RNZ-Anfrage sagte. Gleiches gelte für die Absage des Maimarkts.

Auf jeden Fall, so Michalke, fehle jetzt aber eine "wichtige Plattform, um mit Kunden ins Gespräch zu kommen und Aufträge zu generieren". Umso wichtiger ist es Goschmann, sich jetzt nicht unterkriegen zu lassen: "Wir bekommen ermutigende Anfragen von Besuchern. Und wenn sich der Sturm gelegt hat, werden wir mit Volldampf an die Planung eines schönen Maimarkts 2021 rangehen."

Auf das nächste Jahr hoffen jetzt auch die Schriesheimer, denn der zweite Teil des 441. Mathaisemarkts fällt aus. Dieser war von Freitag, 13., bis Sonntag, 15. März, vorgesehen. Diese Entscheidung hatte die Stadtverwaltung am Mittwoch nach der Ankündigung des Erlasses der Landesregierung getroffen. Unberührt davon bleiben aber die RNZ-Riesenradweinproben am Donnerstag, 12. März, um 16 und 18 Uhr, und der "Mediterrane Abend" des Bunds der Selbstständigen um 19 Uhr im Gewerbezelt.

Diese Veranstaltungen finden an Tagen statt, an denen das Marktgeschehen ruht, und ziehen jeweils nicht mehr als 300 Besucher an. Auch das Brillantfeuerwerk an der Strahlenburg, das eigentlich den Abschluss des Volksfests bildet, soll am Sonntagabend wie geplant um 21 Uhr gezündet werden. Durch das angekündigte Verbot und die Absage vieler Großveranstaltungen war der Druck auf die Stadtverwaltung gewachsen. "Wir finden es natürlich traurig", sagte Ordnungsamtsleiter Achim Weitz. "Aber nach den Entwicklungen der vergangenen Tage blieb uns keine andere Wahl."

Auch aus der Bevölkerung sei Kritik daran lautgeworden, dass die Stadt am Mathaisemarkt festhält. "Das reichte von sachlichen Hinweisen bis zu beleidigenden E-Mails, deren Absender hofften, dass wir wegen vieler Todesfälle zur Rechenschaft gezogen werden", so Weitz. "Das geht gar nicht." Bürgermeister Höfer betonte aber auch, er habe auf dem Mathaisemarkt von vielen Besuchern Zuspruch erfahren.

Am schwersten wiegt die vorzeitige Absage und die Ungewissheit über die Ausrichtung weiterer großer Feste für die Schausteller. "Für uns ist das eine Existenzfrage", sagte Marktmeisterin Ariane Haas-Bruch. "Es herrscht ein gewisses Ohnmachtsgefühl. Viele wissen nicht, wo es jetzt hingeht." Auch Festzelt-Wirtin Ilona Böhm sprach von einer "ungewissen" Gesamtsituation. Immerhin will die Stadt die Hälfte der Standgebühren zurückzahlen.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung