01.04.2020

Die Initiative "Schriesheim hilft" bietet einen Einkaufsdienst an

Über 70 Helfer gibt es schon, aber nur gut zehn "Kunden"

Von Florian Busch

Schriesheim. Es ist ein starkes Zeichen der Solidarität und der gegenseitigen Unterstützung. Seit einiger Zeit bietet die Initiative "Schriesheim hilft" älteren Menschen und denen, die zu einer Risikogruppe gehören, ihre Dienste an und erledigt Einkäufe, etwa beim Bäcker, Metzger oder im Supermarkt. Der Sinn dahinter: diese Menschen davor zu schützen, sich eventuell mit dem Coronavirus zu infizieren.

Eine, die sich um diese Belange kümmert, ist Lissy Breitenreicher. Ihre Aufgabe besteht vor allem darin, zu koordinieren: Sowohl Leute, die Hilfe anbieten, als auch Hilfesuchende rufen bei ihr an. Die gebürtige Schriesheimerin notiert sich dann Adresse und Telefonnummer und führt anhand dieser Angaben beide Seiten zusammen. Schon 70 bis 80 Helfer aus ganz Schriesheim, Altenbach und Ursenbach hätten sich alleine bei ihr gemeldet, überwiegend seien es junge Menschen: "Das freut mich sehr", so Breitenreicher.

Allerdings würden bisher noch zu wenig Hilfesuchende anrufen. Lediglich etwa zehn Menschen hätten das ehrenamtliche Angebot bisher genutzt. Sie ist sich aber sicher, dass es noch viel mehr in Anspruch nehmen könnten. "Ich würde mich freuen, wenn sich noch mehr melden würden", findet sie. Denn vor allem Senioren und Kranke müssten jetzt geschützt werden. Viele trauten sich aber nicht, Hilfe von Fremden in Anspruch zu nehmen. Diese Ängste möchte Breitenreicher nehmen, indem sie als Vertrauensperson für die Menschen da ist: "Mir macht es Spaß, wenn ich anderen helfen kann."

Auch die Stadtverwaltung steht hinter dem Projekt. Dabei handelt es sich um einen Verbund dreier Kleingruppen von SPD, dem Arbeitskreis Schriesheimer Senioren und der Initiative "Schriesheim solidarisch". Schon vorher boten alle drei ein ähnliches Angebot an, allerdings getrennt voneinander. Nach einem Gespräch mit Vertretern der Gruppen im Rathaus schlossen sich diese dann aber zu "Schriesheim hilft" zusammen. Somit gibt es nur noch eine große Initiative. "Schriesheimer helfen Schriesheimern. Gemeinsam sind wir stärker", findet die Inklusionsbeauftragte Karin Reichel.

Auch sie hofft, dass noch mehr Menschen das Angebot nutzen. Um den Hilfesuchenden die Angst zu nehmen, sei es wichtig, dass es immer die gleichen Ansprechpersonen seien. Dieser "Idealfall" sei schon mehrmals eingetreten. So konnte Breitenreicher schon drei Helfer vermitteln, an die sich ihre zugeteilten Hilfesuchenden ab sofort direkt wenden können, ohne noch einmal den Schritt über sie selbst gehen zu müssen.

Von dieser personenbezogenen Hilfe erhoffen sich beide aber noch einen weiteren Effekt: "Es wäre schön, wenn das bleiben würde", hofft Breitenreicher über ein Fortbestehen der Initiative nach der Coronakrise. Auch Reichel wünscht sich, dass es irgendwann "in sich läuft" und Koordinatoren wie Breitenreicher nicht mehr nötig sind. Aus Patenschaften könnten dann Freundschaften werden, so Reichel.

Zusätzlich zur Kontaktvermittlung kauft Breitenreicher auch für Hilfsbedürftige ein. Probleme, etwas zum Beispiel nicht zu bekommen, habe sie bisher noch nicht gehabt – auch wenn es "für mich manchmal ganz ungewohnte Sachen sind", erklärt sie und lacht. Zu jedem Einkauf lege sie zudem noch die Speisekarten von örtlichen Lokalen bei, die einen Lieferservice anbieten. So können sich die Hilfsbedürftigen auch Speisen direkt nach Hause liefern lassen: "Ich halte es für eine gute Geste", meint Breitenreicher.

Einmal sei sie bei einem Bauernbetrieb zum Einkaufen gewesen, als sie einen Anruf von einem ihrer Hilfesuchenden bekam, er benötige einen bestimmten Artikel. Statt jedoch noch woanders hin fahren zu müssen, wo es den Artikel gibt, bekam sie ihn vor Ort geschenkt. Dieses Beispiel steht wohl stellvertretend für den Zusammenhalt und die gegenseitige Unterstützung, die im ganzen Ort während dieser Krise zu spüren ist: "Die Solidarität ist der Wahnsinn", findet auch Karin Reichel. Ihr Appell lautet deshalb, zu Hause zu bleiben und die Hilfe anzunehmen.

Wer Hilfe beim Einkaufen benötigt oder sich als Helfer engagieren will, meldet sich bei der Stadt unter Telefon: 06203/602116) Montag bis Freitag 8 bis 12 Uhr) oder per E-Mail an hilfe@schriesheim.de. Weitere Kontakte, die Hilfsangebote und Hilfegesuche vermitteln, sind Lissy Breitenreicher (Telefon: 0170/4839966, E-Mail: liseloreb@web.de), Birgit Schall (Telefon: 06203/956166, E-Mail: BirgitBertaSchall@web.de) sowie der Arbeitskreis Schriesheimer Senioren im Internet unter www.ass-schriesheim.de/kontakt.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung