06.04.2020

Kurpfalz-Grundschüler bekamen Ferienzeitungen von den Lehrern persönlich

Wenn auf einmal die Lehrerin klingelt - Nicht jedes Kind kommt in dieser Lage zurecht

Von Micha Hörnle

Schriesheim. Das gab es auch noch nie: Alle 290 Schüler der Kurpfalz-Grundschule bekamen am Freitag Post – sogar zugestellt von den Lehrern höchstselbst. Für jede Klassenstufe gibt es eine eigene Ferienzeitung, denn schließlich hätte an diesem Tag die schulfreie Osterzeit begonnen. Die Packen sind unterschiedlich dick, und drin steht allerhand, womit man sich die Zeit vertreiben kann, wie Rektorin Sabine Grimm berichtet: Das sind Basteltipps, aber auch Rätsel, für die vierte Klasse hat sogar eine Schülerin einen kleinen Artikel geschrieben – also "ganz unterschiedliche Angebote", so Grimm.

Der Schulleiterin ist aber eines wichtig: "Man muss das alles nicht bearbeiten, das basiert auf Freiwilligkeit." Denn: "Wir wollen den Schulalltag möglichst fortsetzen, und deswegen sollte Schul- und Ferienzeit auch getrennt sein." Für Grimm ist es wichtig, dass die Kinder etwas in der Hand haben: "Es ist wichtig, dass sie nichts Digitales bekommen, damit sie nicht so viel vor dem Bildschirm sitzen." Sogar die Eltern bekommen die eine oder andere Aufgabe gestellt.

Die beiden Lehrerinnen Katrin Bauer und Anna van Deventer hatten die Idee, die Briefumschläge selbst auszutragen – aus zwei Gründen: um einerseits der Stadtverwaltung das Porto zu ersparen und um andererseits etwas persönlichen Kontakt zu den Schülern – und sei es nur an der Haustür oder über die Gegensprechanlage – zu halten.

Und dann machte sich mit Daniela Amberg, Nicole Auer, Ellen Baumann, Henrike Breetz, Claudia Kirchknopf, Michaela Scheid-Friedmann, Sandra Wolf und nicht zuletzt Konrektor Sascha Barembruch ein knappes Drittel der 25-köpfigen Lehrerschaft selbst auf, um die Umschläge zu verteilen – und die Wege führten sie nicht nur in die Kernstadt, sondern auch nach Altenbach oder gar bis nach Ladenburg. Damaris Rieger hat für ihre Klasse, die 1c, und Kirsti Rapp für die 2c die Packen sogar selbst zugestellt.

Denn tatsächlich, so berichtet Grimm, hatten ihre Kollegen mitnichten dienstfrei, auch wenn die Schulen schon seit drei Wochen geschlossen haben. Sie sind im Homeoffice, arbeiten also zu zuhause aus, dürfen aber die Schule durchaus betreten. Im Gebäude selbst halten Grimm und Barembruch jeden Tag die Stellung. Das wissen die Kinder durchaus zu schätzen: "Ihr passt doch gut auf unsere Schule auf!", mahnte ein Schüler. Und doch, auch wenn die Lehrer meist per E-Mail Kontakt halten, fühlten sich "die Kollegen doch wie amputiert", so Grimm: Der persönliche Austausch fehlt eben, das Treffen in der Schule, und schließlich vermissen die Schüler oft auch den gewohnte Rhythmus.

Selbst manche Eltern scheinen die momentane Situation nicht ganz zu verstehen, wie Grimm berichtet: "Da rief mich ein Vater an und hat mich gefragt, wieso sein Kind so viele Hausaufgaben aufbekomme. Es habe doch frei!"

Welche Rückmeldungen hat sie erhalten, wie es den Familien in den letzten drei Wochen der schulfreien Zeit so ergangen ist? "Manche genießen es, andere sind am Limit. Ich habe auch schon gehört, dass manche Kinder ihr Pensum nicht schaffen – trotz der deutlich reduzierten Lernpläne. Es scheint manchmal schwer für die Eltern zu sein, ihre Kinder zu motivieren." Umso wichtiger ist es zu signalisieren: "Wir in der Kurpfalz-Grundschule sind noch hier, und alle Kollegen sind erreichbar."

Deswegen kann die Schulleiterin nur an die Eltern appellieren: "Wenn es Probleme gibt, springen Sie über ihren Schatten und melden Sie sich. Wir helfen weiter!" Denn auch Grimm und ihre Kollegen wissen, dass die Kinder durchaus sensibel auf die Corona-Pandemie reagieren: "Das ist Stress. Und deswegen ist es wichtig, unseren Kindern auch ein gewisses Maß an Hoffnung mitzugeben."

Und doch ist nicht nur alles schlimm, sagt Grimm: "Die Kollegen haben viel mehr Zeit, sich auszutauschen. Es gibt ganz viele neue Ideen und setzt Ressourcen frei." Nach und nach entstand ein ganz neuer Teamgeist – und aus dem heraus entstand auch die Ferienzeitung. Nun warten alle darauf, wann es wieder losgeht, denn viele Schüler vermissen ihre Lehrer ganz furchtbar. Aber, so meint Grimm: "Wenn wir wieder öffnen dürfen, werden die Kinder richtig Schullust haben!"

Und sie bekommen, zumindest in Teilen, auch ein neues Erdgeschoss. Denn momentan wird in der Grundschule tüchtig gearbeitet – was aber nichts mit der Sanierung des Kurpfalz-Gymnasiums zu tun hat: Mit einem neugestalteten Raum erhält die Kernzeitbetreuung, momentan noch in die Realschule ausgelagert, einen neuen Ort, es gibt einen Extra-Sanitätsraum, und auch Konrektor Barembruch hat dann endlich sein eigenes Büro.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung